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05.10.01 , 12:22 Uhr
Landtag

Landtagsvizepräsident Thomas Stritzl: Ehrenamt im "Jahrhundert der Senioren" attraktiver machen

D E R L A N D T A G SCHLESWIG - HOLSTEIN 107/2001 Kiel, Sperrfrist: 6. Oktober 2001, 10:00 Uhr Es gilt das gesprochene Wort!


Ehrenamt im „Jahrhundert der Senioren“ attraktiver machen

Kiel (SHL) – In seinem Grußwort zum 13. Altenparlament im Schleswig- Holsteinischen Landtag, das am 6. Oktober im Kieler Landeshaus durch- geführt wurde, sagte Landtagsvizepräsident Thomas Stritzl unter ande- rem:
„Sie haben sich für Ihre Beratungen wieder Themen vorgenommen, die so- wohl für die ältere Generation als auch für unsere Gesellschaft insgesamt von großer Bedeutung sind. Übrigens hat sich in der vergangenen Woche der Schleswig-Holsteinische Landtag ebenfalls mit der Förderung des Eh- renamtes und mit der Pflegesituation im Lande befasst. Sie sind also nah dran an den Debatten, die zur Zeit im Landesparlament stattfinden. Ehrenamtliches Engagement ist für unsere demokratische Gesellschaft ein unverzichtbares Gut, das man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Wie wichtig es ist, merkt man aber oftmals erst, wenn es nicht mehr selbstver- ständlich ist, sich für andere zu engagieren. Natürlich hat das Ehrenamt auch neue Aktualität dadurch erhalten, dass die Vereinzelung in unserer Gesellschaft sichtbar angestiegen ist. Alte Netzwerke wie die Mehrgenera- tionen-Familie, die Kirchen und Vereine greifen nicht mehr in dem Maße wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Daraus entsteht der gewachsene Be- darf an neuen Netzwerken – zum Beispiel vermittelt durch Servicebüros und Freiwilligenagenturen. Gerade die ältere Generation, die aus dem Er- werbsleben ausgeschieden ist, leistet hier oftmals wichtige und unentbehrli- che Arbeit. Zum Glück ist es ja so, dass eine Vielzahl älterer Menschen nach ihrem Berufsleben noch lange gesund und fit bleiben. Der bekannte Sozialforscher Professor Horst Opaschowski sieht deshalb das 21. Jahr- hundert als das Jahrhundert der Senioren an. Angesichts der Altersent- wicklung in unserer Gesellschaft trifft er die Aussage: ,Die Blütezeit des Le- bens wird einfach um eine Generation verlängert.’ Deshalb, so fordert er, müsse wie in den USA ein produktives Leitbild jenseits des Ruhestandes



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geschaffen werden. Und das bringt ihn zu der Forderung, dass es in jeder Kommune Helferbörsen geben solle, in denen ältere Bürger unentgeltlich Hilfen anbieten oder in Anspruch nehmen könnten. So weit sind wir in Schleswig-Holstein zwar noch bei weitem nicht. Dennoch halte ich es für richtig, dass der Staat die Rahmenbedingungen für ehren- amtliches Engagement durchaus noch verbessern und damit ein erhebli- ches soziales Kapital mobilisieren kann. Lassen Sie mich nun noch etwas zu dem zweiten Themenkomplex des heu- tigen Tages sagen. Die meisten der vorliegenden Anträge befassen sich mit der zum Teil mangelhaften Pflegesituation im Lande. Insofern brennt auch Ihnen dieses Thema unter den Nägeln. Das ist sehr verständlich, denn hier geht es darum, wie human unsere Gesellschaft tatsächlich ist. In den letzten Wochen wurde wiederholt über Missstände in Pflegeheimen berich- tet, die zum Teil zur Schließung der betroffenen Einrichtungen führten. Dazu kann ich nur sagen: Es ist unsere politische Pflicht, alles dafür zu tun, dass solche Missstände, die für die Betroffenen schlimmste Folgen haben, nicht vorkommen. Und diejenigen, die in der Regel am wenigsten dafür können, sind die Pflegekräfte selbst. Sie haben ein unglaubliches Pensum an Arbeit zu erledigen, so dass die Zwischenmenschlichkeit zwischen Pflegepersonal und Pflegebedürftigen zwangsläufig leidet. Sie sind nicht für die Rahmen- bedingungen verantwortlich, sondern wir, und zwar im Bund, im Land und auf kommunaler Ebene. Man mag zu der ,Volksinitiative für menschenwür- dige Pflege’ stehen wie man will. Eines macht sie deutlich: Wir können und dürfen die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen nicht allein lassen mit ih- ren Problemen. Es muss gewährleistet sein, in unserer Gesellschaft men- schenwürdig leben und sterben zu können. Es wäre ehrlich gesagt ein Trauerspiel, wenn dies erst durch eine Verfassungsänderung gewährleistet werden könnte. Insofern meine ich, hier ist ganz handfeste Regierungspoli- tik gefordert, um die Probleme zu lösen und den Menschen zu helfen. Zur Mitte unseres Jahrhunderts hin wird sich das Problem weiter verschärfen, so dass wir gut beraten sind, rechtzeitig zu handeln. Sie werden heute über diese und weitere Themen in gewohnter und ge- wünschter Weise engagiert diskutieren. Und Sie werden uns Politikerinnen und Politikern wieder Beschlüsse mit auf den Weg geben. Einige meiner Kolleginnen und Kollegen aus dem Landtag sind wieder dabei und stehen für Gespräche zur Verfügung. Wir freuen uns immer auf Anregungen und sehen dies als Unterstützung unserer politischen Arbeit an. Ich darf Sie nun bitten, das von der Arbeitsgruppe Altenparlament vorge- schlagene Präsidium zu nominieren. Danach ist Herr Tomaschewski von der Deutschen Angestelltengewerkschaft Präsident der heutigen Tagung und die Herren Langniss vom Landesseniorenrat und Dr. Jens-Christian Schacht von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbän- de sind die Vizepräsidenten. Ich wünsche Ihnen allen einen interessanten Tag mit vielen anregenden Diskussionen!“ 3



Herausgeber: Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel, Postf. 7121, 24171 Kiel, Tel.: (0431) 988- Durchwahl -1163, -1121, -1120, -1117, -1116, Fax: (0431) 988-1119 V.i.S.d.P.: Dr. Joachim Köhler, Annette Wiese-Krukowska, E-Mail: Joachim.Koehler@lvn.parlanet.de Internet: www.sh-landtag.de – Presseinformationen per E-Mail abonnieren unter www.parlanet.de/presseticker

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