Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

01.11.01 , 13:40 Uhr
Landtag

Arens: Beschäftigung mit der Vergangenheit darf der jüngeren Generation nicht banal erscheinen

D E R L A N D T A G SCHLESWIG - HOLSTEIN 120/2001 Kiel, 1. November 2001 Sperrfrist: 2. November 2001, 10:00 Uhr Es gilt das gesprochene Wort!


Arens: Beschäftigung mit der Vergangenheit darf der jüngeren Generation nicht banal erscheinen
Kiel (SHL) – Zur Vorstellung des Buchprojektes „Täter und Opfer unter dem Hakenkreuz. Eine Landespolizei stellt sich der Geschichte“ in der Verwaltungsfachhochschule Altenholz sagte Landtagspräsident Heinz- Werner Arens unter anderem:
„Wer dieses Buch gelesen hat, ja wer nur einen Blick in das Inhaltsver- zeichnis geworfen hat, weiß, dass sich mit diesem Buch nicht nur die Landespolizei sondern das Land Schleswig-Holstein der Geschichte stellt. Dies ist gut und notwendig. Werfen wir heute einen Blick in die Nachkriegsgeschichte Schleswig-Holsteins, so sehen wir, dass dieses Land sich lange davor gedrückt hat, sich seiner Geschichte zu stellen. Die Generation, die in den sechziger Jahren politisch wurde und de- monstrierte, hat diese Auseinandersetzung zunächst erzwungen.
Diese Diskussion und Auseinandersetzung, auch mit der Generation un- serer Eltern, wurde ein Teil unseres täglichen Lebens. Viele von uns dürften auch bei Reisen ins Ausland auf die zum Teil grausamen Spuren unserer Vorfahren in unseren Nachbarländern angesprochen worden sein.
Die Generation unserer Eltern schwieg über die Vergangenheit, für uns war und ist es selbstverständlich, über sie zu reden. Darin können wir ei- nen Erfolg sehen, aber wir müssen auch die Gefahr sehen, dass die Be- schäftigung mit der Vergangenheit banal wird, banal insbesondere für die jüngere Generation, und nicht dem eigentlichen Ziel mehr dient, zu verhindern, dass sich wiederholt, was Teil unserer Geschichte war. 2

Wir dürfen die Vorstellung von den Dimensionen des Bösen im National- sozialismus nicht verlieren und müssen in der Lage sein, diese Dimensi- onen der jungen Generation weiterzugeben. Dass dies nicht einfach ist, hat für mich eindrucksvoll der Friedensnobelpreisträger und Überlebende des Holocaust Elie Wiesel in seiner Rede anlässlich des Auschwitzge- denktages im vergangenen Jahr im Bundestag formuliert:
,Wie soll man den Kult von Hass und Tod begreifen, der in Ihrem Lande herrschte? Wie konnten intelligente, oft hervorragend gebildete junge Männer aus gutem Hause und mit Diplomen der namhaftesten deutschen Universitäten in der Tasche, die damals zu den angesehensten in der Welt zählten, sich so sehr vom Bösen verführen lassen, dass sie ihren Genius, diesen Genius des Bösen dafür einsetzten, jüdische Männer, Frauen und Kinder zu quälen und zu töten, die sie noch nie gesehen hat- ten? Sie taten es ja nicht etwa, weil diese Juden reich oder arm, gläubig oder ungläubig, politische Gegner, Patrioten oder Kosmopoliten waren, sondern einzig darum, weil sie als Juden geboren waren. Ihre Geburtsur- kunde war de facto ihr Todesurteil. Haben sich ihre Henker wirklich stark und heldenhaft gefühlt, indem sie wehrlose Kinder mordeten? Waren die Mörder überhaupt noch Menschen? Diese Frage ist meine Zwangsvor- stellung. Wo endet Menschlichkeit? Gibt es eine Grenze, jenseits derer Menschlichkeit ihren Namen nicht mehr verdient?’
Mit dieser Frage und damit mit unserer Vergangenheit umzugehen, das ist unsere Verpflichtung. Und ich bin sehr froh, dass die Initiatoren und Verfasser dieses Buches das ja genau so sehen.
Mit diesem Buch wird Geschichte nicht verdrängt, sondern als Erfah- rungsquelle für den politischen und sozialen Alltag genutzt. Das unerbittli- che Bewusstsein von einem ,Nie wieder’ muss zu einem leidenschaftli- chen politischen Bewusstsein werden. Dazu trägt dieses Buch bei.“


Herausgeber: Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel, Postf. 7121, 24171 Kiel, Tel.: (0431) 988- Durchwahl -1163, -1121, -1120, -1117, -1116, Fax: (0431) 988-1119 V.i.S.d.P.: Dr. Joachim Köhler, Annette Wiese-Krukowska, E-Mail: Joachim.Koehler@lvn.parlanet.de Internet: www.sh-landtag.de – Presseinformationen per E-Mail abonnieren unter www.parlanet.de/presseticker

Download PDF

Pressefilter

Zurücksetzen