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Irene Fröhlich: Förderung von Privatwald sichern
PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 35 – Organisations- und Rechtsformprüfung in der Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Forstwirtschaft - Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Telefax: 0431/988-1501 Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin Mobil: 0172/541 83 53 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Irene Fröhlich: Internet: www.gruene-landtag-sh.de Nr. 317.01 / 16.11.2001 Förderung von Privatwald sichernSchleswig-Holstein ist das waldärmste Flächenland Deutschlands ist. Umso größer ist die Bedeu- tung seiner Wälder für Erholung und Umwelt. Ungefähr ein Drittel der Waldfläche befindet sich im Eigentum des Landes und wird von der Landesforstverwaltung betreut.Dieser Wald hat besondere Funktionen: Bei der Entwicklung der landeseigenen Wälder stehen nicht mehr die Holzproduktion, sondern zunehmend die Belange der Erholungsnutzung und des Umwelt- und Naturschutzes im Vordergrund. Die Landesforsten sind damit stark dem gesell- schaftlichen Gemeinwohl verpflichtet und verfolgen erst in zweiter Linie wirtschaftliche Ziele - im Gegensatz zur überwiegenden Zahl der privaten Forstbetriebe.So hat sich die Landesforstverwaltung auf Veranlassung des Umweltministeriums dem naturna- hen Waldbau verschrieben und landesweit das Öko-Gütesiegel FSC eingeführt, sich dem Schutz seltener Pflanzengemeinschaften und Tierarten gewidmet und nutzungsfreie Waldparzellen aus- gewiesen. Für Waldbesucher wird ein umfangreiches Reit- und Wanderwegenetz unterhalten, sind Erholungswälder und Walderlebniswege eingerichtet worden - Spaziergänger sind im Staatswald immer willkommen.Dass diese Leistungen nicht zum Nulltarif zu bekommen sind, dürfte jedem klar sein. Und bislang stand das Land ohne Wenn und Aber zu seiner Verantwortung, sein forstliches Eigentum vorran- gig dem Allgemeinwohl - und damit uns allen! - zur Verfügung zu stellen.Dies wird auch so bleiben - denn es ist gelungen, die Förderung des Privat- und Körperschafts- waldes aus der Gemeinschaftsausgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschut- zes" fast in gleicher Höhe wie im Vorjahr zu halten.Der zirka 50.000 Hektar große Landesforst wird weiterhin Landeseigentum bleiben. Denn es ist nicht möglich, die Allgemeinwohlbelange über vertragliche Garantien weiterhin aufrecht zu erhal- ten: Jeder weiß, wie schwierig es ist, einer Firma die Umsetzung von Maßnahmen abzuverlan- gen, die dem wirtschaftlichen Kalkül entgegen stehen.Der Landwirtschaft muss jeder Nutzungsverzicht, so weit er über die sogenannte "ordnungsge- mäße Landwirtschaft" hinaus reicht, teuer abgekauft werden. Dieses würde auch für eine 'Lan- desforst GmbH' gelten. Sei es die Unterhaltung von Fuß- und Reitwegen, seien es Nutzungsbeschränkungen in FFH- und EU-Vogelschutzgebieten oder völlige Nutzungsaufgabe in Naturwaldparzellen oder gar ent- sprechende Entwicklungsmaßnahmen - eine GmbH wird diese Aufgaben nicht freiwillig und vor allem nicht ohne Bezahlung leisten wollen. Auch die Auflagen des Umweltgütesiegels FSC, erst vor zwei Jahren vom Land für seine Wälder beschlossen, könnten als betriebswirtschaftliches Hindernis gesehen und mehr und mehr unterlaufen werden. Der beschlossene Umbau von Na- delholzbeständen zu Laubwäldern, aus Sicht eines nachhaltigen, ökologisch fundierten Wald- baus schon lange überfällig, wäre dann nur Makulatur.Der nächste Schritt ist dann der Verkauf einzelner Flächen an private Interessenten. Damit dürfte die Entwicklung vieler schöner und wertvoller Wälder steil bergab gehen. Die Verkaufsaktion in den neuen Bundesländern hat gezeigt, wohin die Reise führt: Zugreifen wird ein Käuferkreis, der keine waldbauliche Erfahrung besitzt, der Wald einfach nur als Geldanlage oder als jagdliche Ku- lisse sieht. Selbst bei den schönsten und ökologisch wertvollsten Wäldern haben es sich einige der neuen Eigentümer nicht nehmen lassen, ihre individuellen Vorstellungen ohne Rücksicht auf Gemeinwohlbelange "auszuleben". Massive Entwässerung von Feuchtwäldern, rücksichts-lose Holzentnahme allein unter marktwirtschaftlichen Aspekten oder intensiver Jagdbetrieb haben dort nicht wenige Wälder innerhalb kurzer Zeit entwertet.Mit dieser geäußerten Befürchtung sollen keineswegs diejenigen privaten Forstbetriebe verun- glimpft werden, die sich ebenfalls nicht nur der wirtschaftlichen, sondern auch der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen. Doch ist nicht zu erwarten, dass gerade diese meist traditionellen Privatbetriebe die zum Verkauf angebotenen Staatswälder erwerben werden.Auch das schleswig-holsteinische Landeswaldgesetz wird nicht jeden der neuen Waldbesitzer davon abhalten können, die Erholungssuchenden aus dem Wald zu graulen, um ungestört der Jagd nachgehen zu können, die Altholzbestände drastisch zu reduzieren, um damit kurzfristig mehr Gewinne zu erzielen und dann Neuanpflanzungen wieder im Stil des Holzackers vorzu- nehmen.Kostenmindernde Strukturänderungen innerhalb der Landesforstverwaltung sind dabei zweifellos notwendig, bedürfen aber keiner Änderung der Eigentumsverhältnisse. So hat Lübeck mit seinem Stadtwald bewiesen, dass Waldbau für die öffentliche Hand nicht unbezahlbarer Luxus sein muss - und trotzdem einen hohen Standard in punkto Naturschutz und Besucherfreundlichkeit bieten kann. Das - und nicht der Weg in die Privatisierung - sollte die Zukunft auch der Landesforsten sein!Es ist unbestritten, dass die dem Allgemeinwohl besonders dienenden Aufgaben zumindest auf einem Drittel der Waldfläche unseres Landes - nämlich den Landesforsten - erfüllt werden müs- sen. Dieses gilt gerade auch für die Entwicklung des Tourismus in Schleswig-Holsteins als Wirt- schaftsfaktor Nummer eins.Auf den Besucher schön und abwechslungsreich wirkende Wälder bieten etlichen ge-fährdeten Tier- und Pflanzenarten mit ihren alten Laubholzbeständen, mit hohen Totholzanteilen, feuchten Senken, Lichtungen und Gebüschpartien wertvolle Lebensräume. Darüber hinaus erbringen na- turnah aufgebaute Wälder wesentliche Funktionen im Klimaschutz, für den Wasserhaushalt und die Trinkwasserqualität sowie den Boden. ***