Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Dr. Ulf von Hielmcrone zu TOP 34: Denkmalschutz und Denkmalpflege in Schleswig-Holstein
Sozialdemokratischer Informationsbrief Kiel, 15.11.01 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuellUlf von Hielmcrone zu TOP 34:Denkmalschutz und Denkmalpflege in Schleswig-HolsteinDenkmalpflege ist wichtig, so betonen wir immer wieder – in Sonntagsreden. Die Bau- denkmäler unserer Städte sind identitätsstiftend; Baudenkmäler ziehen Touristen an; Renovierung von Baudenkmälern setzt in erheblichem Maße andere Investitionen in Gang; Denkmalpflege fördert die Wirtschaft; schöne Städte führen mit zu Bürgerstolz und damit zur Bürgergesellschaft.Es müsste also alles wohl bestellt sein um unsere Denkmalpflege. Wer indes den Be- richt der Landesregierung liest, wird dem so nicht zustimmen: Seit Jahren geht die Förderung durch den Staat, Land und Kommunen drastisch zurück. 1998 gab das Land Schleswig-Holstein ganze 2,70 DM pro Einwohner für die Denkmalpflege aus - Tendenz sinkend und kein Ruhmesblatt. Denkmalpflege also in der Krise?Zwei Zahlen relativieren das Bild: Die Summe der Förderung aus Stiftungsmitteln ist etwa gleich geblieben, aber auch die Summe der Förderung durch steuerliche Vorteile. Sie schwankt über die Jahre um immerhin 40 Millionen Mark. Der Schwerpunkt der Förderung hat sich also verlagert, hilft aber nur denen, die wirklich steuerliche Vorteile geltend machen können, und ist damit sozial einseitig. Schleswig- HolsteinHerausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-Ich sehe die Denkmalpflege auch aus einem weiteren Grund in einer Krise, und das gilt vor allem für die Baudenkmalpflege, nicht für die archäologische, die tatsächlich weitergehend akzeptiert ist. Im Gegensatz zum Bericht wird Baudenkmalpflege durch- aus kritisch diskutiert, und zwar sowohl in ihrem gedanklichen Ansatz, in den Lokaltei- len der Zeitung, aber auch sehr häufig von denen, die selbst mit der Denkmalpflege zu tun hatten. Zunehmend tut sich eine Trennung auf zwischen dem, was die Bevölke- rung möchte, und dem, was die Denkmalpflege für richtig hält und vielfach auch durchsetzt. Damit wenden sich aber die Bürger ab; Denkmalpflege, die sie eigentlich möchten, wird ihn gleichgültig und, das ist gefährlich.Zwei Beispiele: 1. Die offizielle Denkmalpflege hat im allgemeinen kein Verständnis für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden oder des Berliner Schlosses. 2. Die Bevölkerung dagegen hat kein Verständnis für den Glaskasten, den die Denkmalpfle- ge als neues Mittelteil des Saarbrücker Schlosses wollte.Denkmalpflege entfernt sich so zunehmend von ihren Rezeptoren und läuft Gefahr, zum intellektuellen Selbstzweck zu werden; Schleswig-Holstein macht keine Ausnah- me. Zudem wächst die Zahl der Baudenkmäler; sie wird unübersichtlich und undurch- sichtig wie die Kriterien, nach denen die Denkmäler ausgewählt werden; wichtige Bau- und Geschichtsdenkmäler verschwinden dagegen und werden kampflos aufgegeben.Denkmalpflege muss sich, wenn sie weiterhin akzeptiert werden will – und da kann sie als staatliche Einrichtung in einer Demokratie keine Ausnahme machen –, wieder ihren Konsumenten – man kann auch sagen, den Bürgerinnen und Bürgern – nähern. Der intensive Dialog ist deswegen heute nötiger denn je, Verständnis und Verstehen sind nötig. Das heißt jedoch nicht Annäherung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner mit- telmäßigen Geschmacks, heißt aber sehr wohl auch, das Bedürfnis nach ästhetisch befriedigenden Lösungen zu akzeptieren. Denn, auch das zeigt der Bericht, der Wille zum persönliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist groß; hier ist das Ar- -3-beitsfeld der Denkmalpflege. Nur so lässt sich auf Dauer persönliches Engagement aufrecht erhalten, Sponsoren gewinnen und mehr Geld vom Staat locker machen.