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24.01.02 , 15:36 Uhr
SSW

Haus der Geschichte: Schleswig ist fachlich richtiger Standort

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Kiel, d. 24.01.2002 Anke Spoorendonk Es gilt das gesprochene Wort

TOP 25 Haus der Geschichte (Drs. 15/1408)

Als wir vor gut einem Jahr das Thema „Haus der Geschichte“ erstmals im Landtag
debattierten, ging es um die Idee – das war allen Redebeiträgen anzumerken. Mit dem
vorliegenden Bericht nimmt das Haus nunmehr Gestalt an. Die von Prof. Wolf, Vorsitzender
des Museumsverbandes Schleswig-Holstein, gebildete Arbeitsgruppe hat uns ein Konzept in
die Hand gegeben, das es uns als Abgeordnete leicht macht, eine Grundsatzentscheidung zur
Gründung eines „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschichte“ zu treffen. Dafür danke
ich allen Beteiligten im Namen des SSW.

Eines steht auch für uns außer Zweifel: Es muss bei dem angedachten Museum um ein
richtiges und nicht um ein virtuelles Museum gehen. Wir wollen richtige Räume mit richtigen
Exponaten, die man erleben und angucken kann. Ein „Haus der Geschichte“ muss – da
stimme ich der Expertenkommission zu – „im Kern eine ständige historische Ausstellung
beherbergen, die anerkannten musealen Kriterien entspricht“. Weiterhin muss sich das
Museum thematisch – auch da stimmen wir überein – auf „Schleswig-Holsteins Weg in der
Moderne“ beschränken. Konkret heißt es dazu im Bericht: „Drei ausgewählte tragende
Themen – Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklungen und Zusammenleben – sollten
durch landesgeschichtliche bzw. nationale Eruptionen verknüpft und um schleswig-
holsteinische Spezifika sowie Identifikationen mit dem Land ergänzt werden“.
Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Ich fasse also zusammen: Ein zukünftiges Haus der Geschichte soll attraktiv und lebendig
sein. Es soll in der Museumslandschaft unseres Landes keine übergeordnete, sondern eine
ergänzende Rolle spielen, und es soll bestehende Ressourcen und Produkte – in erster Linie
die „Jahrhundert-Story“ – in das eigene Konzept integrieren können.

Der SSW befürwortet die Gründung eines „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschich-
te“. Wir brauchen eine Darstellung der zeitgeschichtlichen Voraussetzungen, um unsere
Gegenwart begreifen zu können. Deshalb kann es nicht angehen, dass das Phänomen der
Moderne in Schleswig-Holsteins Museen bisher nicht stattfindet – jedenfalls nicht unter dem
Gesichtspunkt „Landesgeschichte“. Das mag mit fehlendem Geld zusammenhängen,
vielleicht aber auch damit, dass erst jetzt die Zeit reif dafür ist. Die bereits genannte „Jahr-
hundert-Story“ hat auf jeden Fall einer breiten gesellschaftlichen Öffentlichkeit neu vor
Augen geführt, dass Zeitgeschichte - also Geschichte, die in die Gegenwart direkt hineinreicht
– im Museum darstellbar ist.

Dieses wird zwar auch schon in anderen Einrichtungen wie dem Bonner „Haus der
Geschichte“ versucht. Aber gerade dieses Museum ist aus meiner Sicht ein hervorragendes
Beispiel dafür, dass der Abstand zwischen Politik und Museumsarbeit mindestens armlang
sein sollte – um es mit einem alten Grundsatz der dänischen Kulturpolitik zu formulieren.
Eine staatstragende Geschichtspräsentation darf unser Ziel nicht sein, darin liegt ja auch
gerade ein großer Verdienst der Jahrhundertstory. Mit anderen Worten: Bei allem
Engagement des Landtages muss gewährleistet sein, dass den Museumsfachleuten für die
Ausgestaltung des „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschichte“ Handlungsfreiheit und
Eigenständigkeit zugesichert werden. Das sieht die Expertenkommission genau so, und alles
andere würde auch nicht den Intentionen so eines Museums nicht gerecht werden.



Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Die von Prof. Wolf geleitete Arbeitsgruppe hat sich nicht unmittelbar mit der Frage eines
Standortes für ein „Haus der Geschichte“ befasst. Das war auch nicht ihre Aufgabe. Aber das
ist natürlich die Frage, die uns gegenwärtig am meisten umtreibt. Verständlicher Weise hat
sich das öffentliche Interesse bisher sogar nahezu ausschließlich auf die Standortfrage
konzentriert.

Es gibt bekanntlich jetzt noch zwei Bewerber, nämlich die Städte Kiel und Schleswig, und es
wird keine einfache Entscheidung sein. Regionalpolitische Überlegungen werden eine ge-
wichtige Rolle spielen. Dass sich die SSW-Abgeordneten aus regionaler Sicht für Schleswig
als Standort für ein künftiges Haus der Geschichte aussprechen, wird wohl niemanden
verwundern.

Ich nehme aber für uns in Anspruch, dass es uns bestimmt nicht nur darum geht, aus regional-
politischer Sicht die üblichen Verdächtigen zu verhaften. Es gibt in dieser Sache natürlich
auch inhaltlich-sachliche Anforderungen an einen Standort, die auch von der Expertenkom-
mission formuliert werden. Und wir freuen uns, dass diese fachliche historische und museale
Bewertung logisch zu dem Schluss führt, dass ein Haus für Geschichte in Schleswig am
besten aufgehoben ist. Wir stehen zu dem Konzept der Expertenkommission. Ich behaupte,
dass dieses Konzept als das geforderte Gesamtpaket nur in Schleswig verwirklicht werden
kann.

Auf dem Hesterberg in Schleswig können im Besitz des Landes stehende Gebäude genutzt
werden, die zudem den Reiz der Nähe zum Volkskundemuseum des Landes besitzen. Es kann
ja wohl keinen Zweifel geben, dass die beiden Häuser sich auf eine gute und interessante
Weise ergänzen könnten. Das gilt umso mehr, dass es wir angesichts der bestehenden
Rahmenbedingungen über viele Jahre mit einem Museum im Aufbau zu tun haben werden –
vielleicht nur mit der Jahrhundertstory als ständige Ausstellung. Desto mehr müssen wir uns
auf den Grundsatz besinnen: wer arm ist muss zumindest schlau sein. Durch die Nähe und
Verbindung zu den bestehenden Landesmuseen, zum Landesarchiv und zum Institut für Zeit-
Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de und Regionalgeschichte in Schleswig können wir uns eine längere Aufbauphase leisten als
wenn dieses Haus in ein anderes Umfeld gesetzt wird. Durch wechselnde Ausstellungen
könnte man aus den beschränkten Ressourcen für ständige Ausstellungen sogar eine Tugend
machen. Wir stellen uns vor, dass solche Ausstellungen gerne für Aufmerksamkeit und für
Aufregung sorgen dürfen.

Ein modernes Museum wie das Haus der Geschichte muss mit seiner Zielgruppenorientierung
von einer doppelten Strategie ausgehen: Es soll nicht nur kultureller Zeitvertreib sein, sondern
auch zur Identitätsfindung von Menschen beitragen. Mit anderen Worten: Wir wollen kein
Disneyland für Touristen, wie wollen aber, dass alle Besucherinnen und Besucher des Muse-
ums Geschichte und die Brüche in unserer Geschichte erleben können. Auch das spricht für
Schleswig. Es gibt wohl keinen Ort, der wie die Stadt Schleswig alles, was Schleswig-
Holstein ausmacht, in sich vereint. Der Name Schleswig ist Programm und Verpflichtung
zugleich.

Während die aufregende Frage des Standortes also eigentlich klar ist, stellt sich immer noch
die kleine Frage der Finanzierung – der Knackpunkt schlechthin. Wir kommen nicht drum
herum, uns der finanziellen Wirklichkeit des Landes zu stellen, und die ist ernüchternd. Eine
mehr oder weniger private Trägerschaft und die Finanzierung durch nicht-öffentliche Gelder
werden daher unumgänglich sein. Trotzdem darf sich das Land nicht aus der Verantwortung
zurückziehen, denn die Einrichtung eines „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschichte“
ist auch eine öffentliche, das heißt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Das Bildungsministerium hat im Bericht die Überlegungen zum weitere Verfahren kurz
umrissen: erst die Grundsatzentscheidungen des Parlaments und dann gegebenenfalls die
Einsetzung einer Kommission zur Klärung der weiteren Fragen - gemeint sind eben die
genannten Punkte. Dieses Verfahren findet unsere Zustimmung, denn unabhängig von den
Konfliktfragen wünschen wir uns alle, dass unser Haus der Geschichte auf einem soliden
Fundament steht.
Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de

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