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Haus der Geschichte: Schleswig ist fachlich richtiger Standort
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82 SSW-LandtagsvertretungPRESSEINFORMATION Norderstr. 74 D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, d. 24.01.2002 Anke Spoorendonk Es gilt das gesprochene WortTOP 25 Haus der Geschichte (Drs. 15/1408)Als wir vor gut einem Jahr das Thema „Haus der Geschichte“ erstmals im Landtagdebattierten, ging es um die Idee – das war allen Redebeiträgen anzumerken. Mit demvorliegenden Bericht nimmt das Haus nunmehr Gestalt an. Die von Prof. Wolf, Vorsitzenderdes Museumsverbandes Schleswig-Holstein, gebildete Arbeitsgruppe hat uns ein Konzept indie Hand gegeben, das es uns als Abgeordnete leicht macht, eine Grundsatzentscheidung zurGründung eines „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschichte“ zu treffen. Dafür dankeich allen Beteiligten im Namen des SSW.Eines steht auch für uns außer Zweifel: Es muss bei dem angedachten Museum um einrichtiges und nicht um ein virtuelles Museum gehen. Wir wollen richtige Räume mit richtigenExponaten, die man erleben und angucken kann. Ein „Haus der Geschichte“ muss – dastimme ich der Expertenkommission zu – „im Kern eine ständige historische Ausstellungbeherbergen, die anerkannten musealen Kriterien entspricht“. Weiterhin muss sich dasMuseum thematisch – auch da stimmen wir überein – auf „Schleswig-Holsteins Weg in derModerne“ beschränken. Konkret heißt es dazu im Bericht: „Drei ausgewählte tragendeThemen – Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklungen und Zusammenleben – solltendurch landesgeschichtliche bzw. nationale Eruptionen verknüpft und um schleswig-holsteinische Spezifika sowie Identifikationen mit dem Land ergänzt werden“. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Ich fasse also zusammen: Ein zukünftiges Haus der Geschichte soll attraktiv und lebendigsein. Es soll in der Museumslandschaft unseres Landes keine übergeordnete, sondern eineergänzende Rolle spielen, und es soll bestehende Ressourcen und Produkte – in erster Liniedie „Jahrhundert-Story“ – in das eigene Konzept integrieren können.Der SSW befürwortet die Gründung eines „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschich-te“. Wir brauchen eine Darstellung der zeitgeschichtlichen Voraussetzungen, um unsereGegenwart begreifen zu können. Deshalb kann es nicht angehen, dass das Phänomen derModerne in Schleswig-Holsteins Museen bisher nicht stattfindet – jedenfalls nicht unter demGesichtspunkt „Landesgeschichte“. Das mag mit fehlendem Geld zusammenhängen,vielleicht aber auch damit, dass erst jetzt die Zeit reif dafür ist. Die bereits genannte „Jahr-hundert-Story“ hat auf jeden Fall einer breiten gesellschaftlichen Öffentlichkeit neu vorAugen geführt, dass Zeitgeschichte - also Geschichte, die in die Gegenwart direkt hineinreicht– im Museum darstellbar ist.Dieses wird zwar auch schon in anderen Einrichtungen wie dem Bonner „Haus derGeschichte“ versucht. Aber gerade dieses Museum ist aus meiner Sicht ein hervorragendesBeispiel dafür, dass der Abstand zwischen Politik und Museumsarbeit mindestens armlangsein sollte – um es mit einem alten Grundsatz der dänischen Kulturpolitik zu formulieren.Eine staatstragende Geschichtspräsentation darf unser Ziel nicht sein, darin liegt ja auchgerade ein großer Verdienst der Jahrhundertstory. Mit anderen Worten: Bei allemEngagement des Landtages muss gewährleistet sein, dass den Museumsfachleuten für dieAusgestaltung des „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschichte“ Handlungsfreiheit undEigenständigkeit zugesichert werden. Das sieht die Expertenkommission genau so, und allesandere würde auch nicht den Intentionen so eines Museums nicht gerecht werden. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Die von Prof. Wolf geleitete Arbeitsgruppe hat sich nicht unmittelbar mit der Frage einesStandortes für ein „Haus der Geschichte“ befasst. Das war auch nicht ihre Aufgabe. Aber dasist natürlich die Frage, die uns gegenwärtig am meisten umtreibt. Verständlicher Weise hatsich das öffentliche Interesse bisher sogar nahezu ausschließlich auf die Standortfragekonzentriert.Es gibt bekanntlich jetzt noch zwei Bewerber, nämlich die Städte Kiel und Schleswig, und eswird keine einfache Entscheidung sein. Regionalpolitische Überlegungen werden eine ge-wichtige Rolle spielen. Dass sich die SSW-Abgeordneten aus regionaler Sicht für Schleswigals Standort für ein künftiges Haus der Geschichte aussprechen, wird wohl niemandenverwundern.Ich nehme aber für uns in Anspruch, dass es uns bestimmt nicht nur darum geht, aus regional-politischer Sicht die üblichen Verdächtigen zu verhaften. Es gibt in dieser Sache natürlichauch inhaltlich-sachliche Anforderungen an einen Standort, die auch von der Expertenkom-mission formuliert werden. Und wir freuen uns, dass diese fachliche historische und musealeBewertung logisch zu dem Schluss führt, dass ein Haus für Geschichte in Schleswig ambesten aufgehoben ist. Wir stehen zu dem Konzept der Expertenkommission. Ich behaupte,dass dieses Konzept als das geforderte Gesamtpaket nur in Schleswig verwirklicht werdenkann.Auf dem Hesterberg in Schleswig können im Besitz des Landes stehende Gebäude genutztwerden, die zudem den Reiz der Nähe zum Volkskundemuseum des Landes besitzen. Es kannja wohl keinen Zweifel geben, dass die beiden Häuser sich auf eine gute und interessanteWeise ergänzen könnten. Das gilt umso mehr, dass es wir angesichts der bestehendenRahmenbedingungen über viele Jahre mit einem Museum im Aufbau zu tun haben werden –vielleicht nur mit der Jahrhundertstory als ständige Ausstellung. Desto mehr müssen wir unsauf den Grundsatz besinnen: wer arm ist muss zumindest schlau sein. Durch die Nähe undVerbindung zu den bestehenden Landesmuseen, zum Landesarchiv und zum Institut für Zeit- Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de und Regionalgeschichte in Schleswig können wir uns eine längere Aufbauphase leisten alswenn dieses Haus in ein anderes Umfeld gesetzt wird. Durch wechselnde Ausstellungenkönnte man aus den beschränkten Ressourcen für ständige Ausstellungen sogar eine Tugendmachen. Wir stellen uns vor, dass solche Ausstellungen gerne für Aufmerksamkeit und fürAufregung sorgen dürfen.Ein modernes Museum wie das Haus der Geschichte muss mit seiner Zielgruppenorientierungvon einer doppelten Strategie ausgehen: Es soll nicht nur kultureller Zeitvertreib sein, sondernauch zur Identitätsfindung von Menschen beitragen. Mit anderen Worten: Wir wollen keinDisneyland für Touristen, wie wollen aber, dass alle Besucherinnen und Besucher des Muse-ums Geschichte und die Brüche in unserer Geschichte erleben können. Auch das spricht fürSchleswig. Es gibt wohl keinen Ort, der wie die Stadt Schleswig alles, was Schleswig-Holstein ausmacht, in sich vereint. Der Name Schleswig ist Programm und Verpflichtungzugleich.Während die aufregende Frage des Standortes also eigentlich klar ist, stellt sich immer nochdie kleine Frage der Finanzierung – der Knackpunkt schlechthin. Wir kommen nicht drumherum, uns der finanziellen Wirklichkeit des Landes zu stellen, und die ist ernüchternd. Einemehr oder weniger private Trägerschaft und die Finanzierung durch nicht-öffentliche Gelderwerden daher unumgänglich sein. Trotzdem darf sich das Land nicht aus der Verantwortungzurückziehen, denn die Einrichtung eines „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschichte“ist auch eine öffentliche, das heißt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.Das Bildungsministerium hat im Bericht die Überlegungen zum weitere Verfahren kurzumrissen: erst die Grundsatzentscheidungen des Parlaments und dann gegebenenfalls dieEinsetzung einer Kommission zur Klärung der weiteren Fragen - gemeint sind eben diegenannten Punkte. Dieses Verfahren findet unsere Zustimmung, denn unabhängig von denKonfliktfragen wünschen wir uns alle, dass unser Haus der Geschichte auf einem solidenFundament steht. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de