Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Kinder- und Jugendkriminalität: Mitbestimmung statt Moralpredigten
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82 SSW-Landtagsvertretung Norderstr. 74 PRESSEINFORMATION D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, d. 20.03.2002 Silke Hinrichsen Es gilt das gesprochene Wort„Echte Mitbestimmung im Alltag bewirkt mehr zur Vermeidung von Jugendkriminalität als konservative Moralpredigten.“TOP 28 Kinder- und Jugendkriminalität (Drs. 15/1713)Die Jugend ist ein Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen, heißt es immer, und soschauen viele gebannt auf die kleinste Bewegung. Seit Jahren wird viel über Gewalt und Rohheitbei jungen Menschen gesprochen. Auch wenn die Entwicklung kaum so dramatisch ist, wie siemancher gern darstellen möchte: Die diskutierten Tendenzen machen Sorgen, wo unsere Gesell-schaft sich hin entwickelt. Je nach Standpunkt wird befürchtet, dass es mit der Solidarität, derinneren Sicherheit oder der Kultur des Abendlandes bergab geht.Für die CDU liegt es offensichtlich nahe, die Erklärung in der moralischen Verwahrlosung derjungen Menschen zu suchen: Sie sind asozial geworden und bekommen vom verantwortungslosenElternhaus keine Werte mehr mitgeliefert, sondern Prügel, falsche Männlichkeitsvorstellungenund Defizite. Der Staat trägt seines dazu bei, in dem er nicht konsequent und zu weich reagiert.Ebenso wie diese Diagnose nichts Neues ist, birgt der CDU-Antrag auch nichts wirklich Neueszum Umgang mit Problemen. Die Unionskollegen treten an, mit der Mission, Werte und Härte alsBollwerk gegen Jugenddelinquenz einzusetzen. Werteerziehung, Einschränkung des Jugendstraf-rechts und geschlossene Heime sind immer noch die alten Zutaten, die sich auch durch eine sehrdezente Prise Ausländerintegration nicht schmackhaft machen lassen.Besonders viel Raum erhält bei der CDU die Werteerziehung. Es geht aber in der Prävention vonKriminalität und Gewalt nicht darum bürgerliche Werte zu vermitteln, sondern um grundlegende Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Regeln des demokratischen menschlichen Zusammenlebens. Diese erfahren Kinder und Jugend-liche am besten, in dem sie in ihrem Alltag für voll genommen werden und echte Handlungs-möglichkeiten bekommen. In diesem Sinne ist die Partizipation von Kindern und Jugendlichenvon ungleich größerem Wert für die Sozialisation als der Unterricht in „Rechts- und Wertekunde“.Echte Mitbestimmung im Alltag bewirkt mehr zur Vermeidung von Jugendkriminalität als staats-tragende konservative Moralpredigten. Die CDU will zudem, dass die Lehrkräfte weitere „Ord-nungsmittel“ einsetzen können. Mit einer solchen Werteerziehung mag man die CDU-Wähler-innen und -Wähler erreichen; die betreffenden jungen Menschen werden sich davon aber kaumangesprochen fühlen.Und auch für andere Felder der Kriminalitätsprävention gilt, dass dieses nicht unbedingt jeneThemen sind, bei der die CDU bisher durch Taten aufgefallen ist: Der Abbau sozialer Ungleich-heit, Chancengleichheit in Schule und Ausbildung, die Problematisierung der Gewalt in Familienund Medien, die Ausnahme der Jugendhilfe von Einsparungen, eine wirklich auf Akzeptanz desFremden beruhende Integration von Migranten und deren Familien. Dies sind die Felder aufdenen der Kinder- und Jugendkriminalität wirksam vorgebeugt wird.Wie kreativ die Union die Probleme wirklich anpackt, lässt sich aber am besten daran ablesen,wie sie mit bereits kriminell gewordenen Kindern und Jugendlichen umgehen will. Wenn dasKind schon in den Brunnen gefallen ist, bleibt nicht viel mehr als die hilflose Forderung nachmehr Härte. Und die, das wissen wir, kann genau das Gegenteil bewirken. Selbst die meistenmehrfachauffälligen Kinder fallen nur episodenhaft auf und wachsen aus der Kriminalität wiederheraus, wenn sie nicht vorschnell in die falsche Schublade gesteckt werden. Wer hier nicht mitviel Geduld herangeht – so schwer das manchmal auch fallen mag – fördert am Ende selbst diekriminellen Karrieren, die man doch verhindern wollte. Zu einer verantwortungsvollen Strafjustiztragen Forderungen wie die Relativierung des Erziehungsziels im Jugendstrafrecht oder dieEinführung eines Einstiegsarrests nicht unbedingt bei.Auch wenn die CDU-Politik neu verpackt worden ist, verfährt sie im Kern immer noch frei nachdem Motto: Und bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt. Das ist nicht die Lösung. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de