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Pflege: Goldene Worte der Verfassung müssen im Alltag gelebt werden
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82 SSW-LandtagsvertretungPRESSEINFORMATION Norderstr. 74 D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, d. 21.03.2002 Silke Hinrichsen Es gilt das gesprochene WortTOP 5 & 34 Volksinitiative für eine menschenwürdige Pflege (Drs. 15/1670)Wenn man sich die Entwicklungen in der Politik für pflegebedürftige Menschen anschaut, dannhat eine beachtliche Entwicklung stattgefunden. Fand lange nur eine rein medizinisch undhygienisch orientierte Pflege statt, so stellt sich die Politik seit einigen Jahren verstärkt derHerausforderung, den Pflegebedürftigen ein erfülltes Leben trotz körperlichen und geistigenEinschränkungen zu ermöglichen. Im Vordergrund der neuen ganzheitlichen Perspektive steht derpflegebedürftige Mensch mit seinen Bedürfnissen und Problemen. Durch die Mobilisierung derindividuellen Ressourcen des Menschen soll er in die Lage versetzt werden, so weit wie möglichselbständig, selbstbestimmt und sozial integriert leben zu können.Menschen haben ein Recht darauf, dass sie in auch Würde leben können, wenn sie auf Unter-stützung angewiesen sind. Von diesem Ziel sind aber viele der Betroffenen noch weit entfernt.Das Leitbild einer modernen Pflege steht vieler Orten noch im schrillen Kontrast zur Realität desPflegealltags. Die Finanzierung durch die Pflegeversicherung mit ihren ebenso technokratischenwie unzureichenden Abrechnungsbedingungen, die Konflikte zwischen Kostenträgern, die Kluftzwischen professionellem Anspruch und Qualifizierung des Personals und viele andere Rahmen-bedingungen stehen im Widerspruch zu den hehren Zielen der Pflegepolitik. Deshalb ist es nurallzu verständlich, dass die Pflegebedürftigen, Angehörige, Pfleger und andere Betroffeneaufbegehren und endlich Taten für eine bessere Pflege sehen wollen. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Ich verrate kein Geheimnis wenn ich sage, dass wir vom SSW einer Festschreibung dermenschenwürdigen Pflege in der Landesverfassung zu Beginn eher ablehnend gegenüber standen.Nicht weil wir die Ziele nicht vollkommen unterschreiben können, selbstverständlich sind es auchunsere Ziele, sondern eher weil wir den Weg dorthin mit Skepsis betrachteten. Denn die Problemesind ja nicht so sehr fehlende politische Absichten oder mangelnde Konzepte. Die Probleme derPflege sind vor allem finanziellen Ursprungs. Sie hängen zusammen mit dem Strickmuster derPflegeversicherung, mit Personalschlüsseln, mit der Entlohnung des Personals, mit Investitionenin Qualifizierung und Qualität usw. - Das sind alles Faktoren, die durch eine Landesverfassungnicht verändert werden können.Wir werden uns trotz unserer Skepsis natürlich nicht der Verfassungsänderung und der Änderungdes Landespflegegesetzes verweigern. Eine Mehrheit in der Bevölkerung scheint den Wunsch zuhaben, diesen Bereich im Sinne des Gesetzentwurfs der Volksinitiative besonders hervorzuheben.Das respektieren wir.Wir werden allerdings auch weiterhin keinen Hehl daraus machen, dass dieser Schritt für sichgesehen wenig mehr als symbolischen Wert hat. Das tun wir, weil wir unsere ganz eigenen Erfah-rungen auf diesem Gebiet haben. Als Partei der dänischen Minderheit weiß der SSW nur allzu gutum die Bedeutung und Grenzen von Staatszielbestimmungen. Der in Artikel 5 der Landes-verfassung verankerte Minderheitenschutz zeigt uns nun seit über einem Jahrzehnt auf, dass derexplizite Schutz und die Förderung des Landes allein keine konkreten Ansprüche begründen. Esgeht hier allein um Absichtserklärungen, nicht um mehr und nicht um weniger.Am Ende müssen die goldenen Worte der Verfassung im Alltag gelebt werden, denn Worte alleinsind bekanntlich nur Schall und Rauch. Alle Beteiligten sollten sich davor hüten, zu großeErwartungen in die verfassungsrechtliche Vergoldung des modernen Pflegeideals zu schüren. Diepraktische Umsetzung dieser Ziele können wir als Bundesland in den meisten Fällen allein nichtleisten. Insofern bekundet der Landtag mit seiner Zustimmung zum Gesetzentwurf der Volks-initiative für eine menschenwürdige Pflege zuvorderst seinen Willen, in Zukunft alles für dieUmsetzung der Ziele zu tun. In diesem Sinne freue ich mich auf eine gute Zusammenarbeit. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de