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Siegrid Tenor-Alschausky: Auch für die Gesundheitsversorgung der Migranten ist kulturelle Kompetenz nötig
Sozialdemokratischer Informationsbrief Kiel, 21.03.2002 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell TOP 9 – Gesundheitssituation der MigrantInnen in Schleswig-HolsteinSiegrid Tenor-Alschausky:Auch für die Gesundheitsversorgung der Migranten ist kulturelle Kompetenz nötigIch möchte, auch im Namen meiner Fraktion, dem MAGSV für seine ausführliche und differenzierte Beantwortung der Großen Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen danken. Um sich einer Untersuchung und Bewertung der Gesundheitssituation von Migrantinnen und Migranten angemessen zuwenden zu können, ist zunächst festzu- stellen, um welche zahlenmäßig relevanten Gruppen von Zuwanderern es überhaupt geht. Die größten Gruppen sind: 1. Menschen, die als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angeworben wurden, so- wie ihre Familienangehörigen 2. Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler 3. Asylsuchende und FlüchtlingeHinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf das Problem, dass Spätaussiedler zwar einen Migrationshintergrund haben, wegen ihres deutschen Passes statistisch aber nur ausgesprochen schwer zu erfassen sind. Anzumerken bleibt, dass die Daten- lage zum Zusammenhang von Migration und Gesundheit generell nicht zufriedenstel- lend ist. Ich halte es auch für notwendig, die Wechselwirkung zwischen Schichtzuge- hörigkeit, gesundheitlichem Status und Migration differenziert zu betrachten. Schleswig- HolsteinHerausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-Ich möchte der Aussage „Moderne Unterschichten bestehen zu einem erheblichen An- teil aus Migrantinnen und Migranten. Ihre Gesundheit wird stärker von dieser sozialen Lage als von der lebensgeschichtlichen Tatsache der Migration beeinflusst.“ ausdrück- lich zustimmen.Doch nun zu einigen Einzelaussagen: Erfreulich ist, dass seit 1997 die Zahl der Müt- tersterbefälle nicht mehr höher ist als bei deutschen Müttern. Auch die tendenzielle Angleichung bei einer niedrigeren Säuglingssterblichkeit ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Im Bericht wird weiter ausgeführt, dass Migrantinnen und Migranten die Gesundheitsversorgung zwar nicht seltener nutzen als Deutsche, aber ein anderes In- anspruchnahmemuster haben. Sie reagieren häufig erst auf akuten Leidensdruck. Die- ses Verhaltensmuster hat Folgen. So werden Angebote der Prävention, z.B. Angebote zur Krebsfrüherkennung oder der Schwangerschaftsvorsorge, seltener in Anspruch genommen. Gleiches gilt für die Beteiligungsquote an prophylaktischen Zahnuntersu- chungen und Schutzimpfungen.Wie zu erwarten, spielen sprachliche Verständigungsprobleme auch in der therapeuti- schen Beziehung zwischen Ärzten und Patienten eine nicht zu vernachlässigende Rol- le. So ergibt die Befragung von Ärztinnen und Ärzten, dass sich in über 50% der Fälle der diagnostische Aufwand erhöht, die Aufklärung über die geplante Therapie leidet und die Einigung auf das therapeutische Vorgehen aufwändig ist.Es ist sehr zu begrüßen, dass für die Erarbeitung des „Konzeptes der Landesregierung zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Schleswig-Holstein“ eine interkultu- rell zusammmengesetzte Arbeitsgruppe eingerichtet wurde, deren Arbeitsergebnisse Bestandteil des Integrationskonzepts geworden sind.Zusammenfassend möchte ich festhalten: 1. Die Datenlage zum Thema Migration und Gesundheit ist unzureichend. Hier sind in vielen Bereichen Verbesserungen anzustreben. -3- 2. Migrantinnen und Migranten unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Herkunfts- land, Muttersprache, Aufenthaltsdauer, Aufenthaltsstatus. Adäquate Antworten auf Defizite in bestimmten Bereichen der Gesundheitsfür- sorge müssen regional gefunden werden.Wichtig ist auch die Qualifikation der Fachkräfte im Gesundheitswesen. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten von Fortbildung und fachlichem Austausch. Aufgabe für die Zukunft muss es aber verstärkt sein, interkulturelle Kompetenz schon während der Ausbildung in allen Berufen des Gesundheitssektors zu erwerben. Auftretende Ver- ständigungsprobleme sind oft nicht nur sprachlicher Art, sondern ergeben sich auch aus unterschiedlichen Wertorientierungen und Verhaltensnormen. Hier besteht nach wie vor Erkenntnisbedarf.Die Diskussion zur gesundheitlichen Versorgung von Migranntinnen und Migranten sollte auch im Rahmen der Qualitätssicherung in der Pflege weitergeführt werden, um die Versorgung von Migrantinnen und Migranten nicht zu einem „Spezialthema“ für be- sonders Interessierte werden zu lassen.Das MASGV hat trotz der eingeschränkten und schwierigen Datenlage zahlreiche Fak- ten benannt und Handlungswege aufgezeigt. Wir sollten die Diskussion im Zusam- menhang mit dem Integrationskonzept fortsetzen.