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Angelika Birk: Die Opposition will wieder den Pauker alter Schule
Fraktion im Landtag PRESSEDIENST Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 17 – Entlastung der Lehrerkollegien - Düsternbrooker Weg 70 24105 KielDazu sagt die bildungspolitische Sprecherin Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Telefax: 0431/988-1501 Angelika Birk: Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de Nr. 088.02 / 21.03.2002 Die Opposition will wieder den Pauker alter SchuleDie FDP- und CDU-Anträge hängen am Pauker alter Schule, die ihren Stoff präsentieren - Kinder heutzutage brauchen Fachleute, die Lernprozesse gestalten und Schule organisieren.Auf der jüngsten Anhörung von internationalen Fachleuten, die die PISA-Untersuchung erstellt haben, in dieser Woche im Bundestag, wurde Folgendes hervorgehoben:1. LehrerInnen werden in Deutschland häufig immer noch für ein falsches Berufsbild ausgebildet und müssen sich deshalb durch eine neue Aus- und Fortbildung zeitgemäß professionalisieren. LehrerInnen sollen nicht verhinderte WissenschaftlerInnen ihres Un- terrichtsfaches sein, sondern Fachleute für kindliche Lernprozesse und die Gestaltung des Organismus Schule.2. Schule muss auch in der Bundesrepublik Deutschland autonom ihre eigenen Angele- genheiten selbst regeln lernen - unter Beteiligung von SchülerInnen, Eltern und LehrerIn- nen.3. Gegenstand der Pädagogik an der Schule ist nicht der Lehrstoff in 45 Minutenhappen, sondern die professionelle Gestaltung einer Lernbeziehung zwischen Kindern, Eltern und LehrerInnen, sowie die Forderung, Förderung und Beurteilung von Schülerleistung, schließlich die Organisation von Schule selbst als lernende Organisation und ihre Einfü- gung in die Gemeinwesenarbeit.In unseren Gesprächen mit Lehrerverbänden stellte ich fest, dass sie überwiegend die- ses eingeforderte moderne Selbstverständnis der Schulpädagogik teilen. Das hat die FDP aber offensichtlich nicht verstanden, denn ihr Antrag will genau das Gegenteil und deshalb lehnen wir ihn ab. Der FDP-Antrag zählt bürokratisch Einzelaufgaben auf, die Bestandteil der Selbstorganisation der Schule und der Selbstverständigung der Fachleute für das Lernen sind. Einige Formulierungen des Antrags und der Rede des bildungspolitischen Sprechers der FDP übernehmen fast wörtlich Zitate aus der Rede des Vorsitzenden des Landesphilolo- genverbandes vor einigen Wochen. Die Rede der FDP bedient ein Selbstbild des Leh- rers, der seine Aufgabe allein darin sehen soll, als einsamer Held die 45 Minuten Fach- unterrichtsstunden zu absolvieren.Alles andere erscheint aus einem solchen Blickwinkel als lästiger Bürokram - sogar die Personalentwicklung. Dabei haben gerade hierzu mehrere Lehrer- und Schulleitungsver- bände vom Ministerium professionelle Seminarangebote zur Vorbereitung auf Leitungs- verantwortung und die Handhabung moderner Instrumente der Personalentwicklung ein- gefordert.Die CDU will gar das Konnexitätsprinzip bemühen und damit vom Land Geld loseisen, für die die Kommunen als Schulträger immer schon zuständig waren. Auch das lehnen wir ab, denn das Konnexitätsprinzip ist eindeutig geregelt und hierfür braucht es keine Präzi- sierung, sondern nur die Anwendung im gegebenen Fall.Die zunehmende Autonomie der Schule ist allerdings ein Prozess, bei dem zwei Seiten lernen müssen: Die Schulbehörde muss loslassen lernen, die Schulen haben sich selbst Schritt für Schritt als lernende Organisation zu verstehen und sich ein eigenes Profil zu geben.Unser Antrag zielt darauf, diesen Emanzipationsprozess der Schulen zu unterstützen und deshalb fragen wir, wie weit es damit steht und welches die nächsten Schritte sind, Selbstorganisation innerhalb der Schule zu optimieren und welche Hilfestellung das Bil- dungsministerium hierzu geben kann.Allerdings ist dies nicht nur eine Frage der Landesbehörde, sondern auch der kommuna- len Schulträger. Wer zum Beispiel nach wie vor sogar bei großen Schulen nur Schulsek- retärinnen mit BAT VIII, also völlig unterbezahlt, zuweist, wie dies häufig der Fall ist, för- dert nicht die verwaltungsmäßige Entlastung der Schulleitung. Es ist eher ein Wunder, dass trotz dieser Bezahlung und Stellenbeschreibung, die der komplexen Aufgabe kaum entsprechen, kompetente und engagierte Frauen diesen Platz einnehmen, die oft auch gern mehr Verantwortung übernehmen, als sie es laut Stellenbeschreibung sollen. Es ist an der Zeit, diese Frauen als Schulassistentinnen einzustellen, anzuerkennen, fortzubil- den und zu bezahlen.Ebenso müssen Kommunen, die Kommunikation mit den Schulen so effizient organisie- ren, dass hier keine Reibungsverluste entstehen, sei es bei Baumaßnahmen oder der IT- Ausstattung. Deswegen muss es auch hierzu klare Vereinbarungen zwischen Land und Kommunen geben. Wir erwarten, dass wir bald einen anschaulichen Bericht der Landesregierung erhalten. ***