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Rede von Ekkehard Klug auf der Bildungspolitischen Fachtagung der FDP-Fraktion
FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL VorsitzenderNr. 132/2002 Dr. Christel Happach-Kasan, MdL Stellvertretende Vorsitzende Dr. Ekkehard Klug, MdL Kiel, Mittwoch, 17. April 2002 Parlamentarischer Geschäftsführer Christel Aschmoneit-Lücke, MdL Sperrfrist: Redebeginn (heute 17.30) Joachim Behm , MdL Dr. Heiner Garg, MdL Es gilt das gesprochene Wort! Günther Hildebrand, MdLBildungspolitik/PISA-Studie/Fachtagung www.fdp-sh.de Dr. Ekkehard Klug, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, auf der Bildungspolitischen Fachtagung der FDP- Fraktion im Kieler Landeshaus „Jenseits von PISA“: Das Thema unserer heutigen Fachtagung ist mit Bedacht gewählt. Was die PISA-Studie ermittelt hat und wie deren Verfasser zu ihren Ergebnissen gelangt sind, dies ist schon viele hundert Male beschrieben und diskutiert worden.Wer die Krise unseres Bildungssystems überwinden will, der muss tiefer ansetzen, als es viele oberflächliche Diskussionsbeiträge in den letzten Monaten getan haben.Wir haben Professor Hans-Carl Jongebloed vom Institut für Pädagogik der Universität Kiel eingeladen, uns dazu mit seinem Vortrag Denkanstöße zu geben - in der Erwartung, dass dies Stoff für eine rege Aussprache bieten wird.Abschließend wollen wir dann in einem Podiumsgespräch, das vornehmlich mit Praktikern aus verschiedenen Schulbereichen besetzt ist, über die Schlüsselbegriffe „Qualität“ und „Leistung“ diskutieren.Mangelnde Qualität und schwindende Leistungsorientierung wird dem deutschen Bildungswesen nicht erst seit der PISA-Studie bescheinigt.Die Kritik der ausbildenden Betriebe und der Hochschulen an diesen Fehlentwicklungen ist schon viele Jahre alt. Lange Zeit wurden solche Warnungen aber nicht hinreichend ernst genommen. Zugespitzt lässt sich feststellen: Das beste an der PISA-Debatte ist, dass sie die Chance eröffnet, eine Trendwende zu erreichen.Qualitätsverbesserung und Leistungsorientierung sind Forderungen, die sich an alle Schularten richten.Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 2 Hauptschüler und Realschüler haben genauso wie Gymnasiasten und Gesamtschüler Anspruch auf eine Schule, die ihnen den Weg zu einer qualifizierten beruflichen Bildung und, bei Eignung, zu anderen Bildungsabschlüssen ebnet.Wenn - nach dem Befund der PISA-Studie - rund 23 Prozent der 15jährigen Schüler in Deutschland bestenfalls einfachste Texte verstehen, so ist dies ein alarmierendes Untersuchungsergebnis.Die Krise unseres Bildungssystems ist auch eine „Scherenkrise“:- einerseits steigen die Ansprüche des Arbeitsmarktes, und eine durch Globalisierung und vielfältige Problemsituationen geprägte Lebenswelt erfordert zur Problembewältigung mehr denn je eine qualifizierte Bildung der Mitglieder unserer Gesellschaft;- andererseits steigt die Zahl derer, die diesen Anforderungen nicht entsprechen.In dieser Entwicklung steckt ein erhebliches Maß an sozialem Sprengstoff - ganz abgesehen davon, das sie auch den Wohlstand unseres Landes gefährdet, das im internationalen Wettbewerb zurückzufallen droht.Deshalb wollen wir Liberale auch, dass das deutsche Bildungswesen Spitzenleistungen wesentlich besser fördert, als dies bisher der Fall ist.Als ich vor zweieinhalb Jahren in einem Pressegespräch forderte, Gymnasien müssten auch Eliteschulen sein, die besonders begabte Schüler fördern, gab es in Schleswig- Holstein auf der linken Seite des politischen Spektrums einen empörten Aufschrei - und bei der Union betretenes Schweigen. Mittlerweile sagen jedoch auch Sozialdemokraten wie der Düsseldorfer Ministerpräsident Wolfgang Clement, unser Land brauche Leistungseliten. Das Umdenken kommt spät - aber das ist immer noch besser, als wenn es überhaupt nicht käme.Alle Schüler, von den Lernschwächeren bis zu den Hochbegabten, haben Anspruch auf die Förderung ihrer Bildungspotenziale - denn nur so können individuelle Bildungschancen - und damit Lebenschancen - bestmöglich gesichert werden. Dass dies jedem Einzelnen zusteht, ist die feste Überzeugung der Liberalen.die gebotene Kürze eines Eröffnungsstatements lässt es nicht zu, im Detail auf alle für unser Thema relevanten Fragen einzugehen. Deshalb will mich auf einige kurze Thesen und, soweit erforderlich, dazu gegebene Erläuterungen beschränken.These 1 ergibt sich aus dem, was ich bereits ausgeführt habe:Bildung ist die neue soziale Frage unserer Zeit.Von der Überwindung der Krise unseres Bildungswesens hängen Wohlstand und sozialer Zusammenhalt unserer Gesellschaft ab.These 2 lautet:Investitionen in Bildung müssen für die Politik absoluten Vorrang haben.Ohne höheren Mitteleinsatz wird keine der anstehenden Aufgaben erreichbar sein: Weder die Beseitigung des dramatischen Unterrichtsausfalls noch die Sicherung des Lehrernachwuchses, weder die Schaffung von Ganztagsangeboten noch die Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 3 pädagogische Stärkung der Vorschulerziehung, weder die Verwirklichung gezielter Förderkonzepte für Lernschwächere und Hochbegabte noch eine Lehrerbildung, die auch Qualität des Unterrichts ermöglicht.These 3 :Um gute Bildungsergebnisse zu erreichen, ist - mit den Worten David Blunketts, des Bildungsministers im ersten Kabinett von Tony Blair - eine „Kultur der Anstrengung“ (culture of effort) nötig.Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft sind nicht nur von einer einzelnen Gruppe einzufordern - Schülern, Lehrern, Eltern - ; diese Forderung richtet sich vielmehr an alle !Die Bedingungen, unter denen dies erreicht werden kann, vermag die Schule allein nicht zu gewährleisten. Dazu ist ein Umdenken, ein Einstellungswandel in einem viel weiteren gesellschaftlichen Rahmen nötig.Außerdem bedarf es dazu geeigneter Rahmenbedingungen, die Bildungsanstrengungen honorieren - etwa, indem derjenige, der aufgrund dieser Anstrengungen sein Arbeitslosigkeitsrisiko verringert, dafür steuerlich oder im Sozialversicherungstarif belohnt wird1.(Das gleiche Argument spricht im übrigen gegen allgemeine Studiengebühren - jedenfalls bei der derzeit in Deutschland üblichen Steuer- und Abgabenbelastung).These 4:Professionelle Lehrerbildung ist eine notwendige Voraussetzung, um guten Unterricht zu ermöglichen.Entgegen dieser Erkenntnis vollzieht sich in vielen Bundesländern eine Demontage der Lehrerbildung – etwa, wenn in Nordrhein-Westfalen Lehramtsstudiengänge, die Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Pädagogik in integrierter Form umschließen, durch ein Bachelor-Master-System ersetzt werden, bei dem man auf ein Schmalspur- Fachstudium mit Bachelor-Abschluss einen pädagogisch-didaktischen Masterstudiengang aufpflanzt.In Schleswig-Holstein droht aktuell der zweiten Phase der Lehrerbildung ein massiver Qualitätsabbau: durch Modularisierung der Referendarausbildung, durch den Übergang zu Block- und Großveranstaltungen statt überschaubarer Seminare und durch die Abschaffung der Funktion der Studienleiter.Das als Nachfolger des IPTS geplante Institut mit der Abkürzung IQSH wäre demzufolge tatsächlich ein „Institut zur Qualitätsabwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein“ (statt – wie offiziell – zur „Qualitätsentwicklung“....)These 5:Die Überwindung der durch PISA verdeutlichten Krise kann nicht durch neue hektische Umbauten an Organisation und Struktur des Schulwesens erreicht werden.1 Vgl. dazu Horst Siebert, Der Kobra-Effekt. Wie man Irrwege der Wirtschaftspolitik vermeidet. 3. Auflage München 2001, hier S. 116 – 118, 137Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 4Nötig ist vielmehr die Konzentration aller Anstrengungen auf die Qualität des Unterrichts - und auf ergänzende Ganztagsangebote, die Schülern Erfahrungsbereiche erschließen, die ihnen ein Teil der Familien heute nicht mehr eröffnet ...Dazu zwei Anmerkungen.Erstens: Manche Beiträge zur PISA-Debatte zeigen, dass einige Akteure und Kommentatoren das Heil wieder in typisch deutscher Manier in neuen Organisationsmodellen suchen: der eine im Gesamtschulkonzept, der andere zum Beispiel in der Abschaffung des Föderalismus.Die Erfahrung der letzten 35 Jahre in Deutschland sollte uns aber doch gelehrt haben, dass ein ständiges Herumorganisieren am Schulwesen nicht zu besserer Bildungsqualität führt - sondern eher zum Gegenteil.Zweite Anmerkung: Richtig konzipiert, können Ganztagsschulen jedoch wesentlich zu besserer Qualität schulischer Bildung beitragen:Indem sie den im Unterricht (vormittags) eröffneten Erkenntnisbereich durch einen nachmittäglichen Erfahrungsbereich ergänzen.Diesen Erfahrungsbereich können oder wollen viele Familien den Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen Gründen heute oft nicht mehr eröffnen (Zum Beispiel in den Fällen, in denen auf fünf Zeitstunden Schulunterricht zu Hause sechs Stunden Fernsehkonsum folgen).Demzufolge bedeutet eine Ganztagsschule - nach unserer Auffassung - nicht die Verlängerung der Unterrichtszeit in den Nachmittag hinein - sondern dessen pädagogisch sinnvolle komplementäre Ergänzung.Ich denke, dazu wird uns auch Herr Professor Jongebloed nachher noch Näheres erläutern.Noch kurz einige Hinweise zum Ablauf:- unmittelbar im Anschluss wird uns Margit Fuhrmann, Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand der FDP Schleswig-Holstein, eine kurze „tour d’horizon“ durch die PISA-Debatte präsentieren;- danach folgt das Referat von Herrn Professor Dr. Hans-Carl Jongebloed;- nach einer Pause, die auch die Gelegenheit für einen Imbiss bietet, werden Professor Jongebloed, Frau Fuhrmann und ich für Ihre Fragen und Diskussionsbeiträge zur Verfügung stehen;- und das Podiumsgespräch „Durch Qualität zu Leistung - ein steiniger Weg“ bildet dann ab 20.15 Uhr den Abschluss unserer Fachtagung.“Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/