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16.05.02 , 16:58 Uhr
SSW

Kulturpolitik: Den Ball auf die Spielfeldhälfte des Landtages holen

Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82
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Kiel, d. 16.05.2002 Anke Spoorendonk Es gilt das gesprochene Wort
„Der Landtag muss in der Kulturpolitik den Ball auf seine Spielfeldhälfte holen.“

TOP 32 Weiterentwicklung der Kulturpolitik (Drs. 15/1712)

„Erst kommt das Fressen, dann die Kultur“ könnte man heute in Abwandelung des Brecht-Klassikers sagen. In Zeiten, in denen die Politik nicht genug Mittel hat, um Armut und Arbeitslosigkeit zu verhin-
dern, steht die Kultur selten ganz oben auf der Prioritätenliste. Trotzdem brauchen wir Kultur für ein
menschliches Leben. Es stellt sich also die Frage, ob und wie wir heute eine öffentliche Kulturpolitik gestalten sollen.

Die Kulturpolitik steht heute angesichts der gesellschaftlichen Situation vor großen Herausforderun-
gen. Für uns steht aber außer Zweifel, dass es weiterhin eine öffentliche Kulturförderung geben muss.
Kultur zu fördern ist eine staatliche Aufgabe, die durch private Initiative bereichert aber nicht ersetzt
werden kann. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Landesregierung es genauso sieht. Das begrüßen
wir natürlich.

Trotzdem ist auch klar: Die öffentlichen Gelder für Kultur sind nicht mehr steigerbar; sie müssen
vielerorts sogar zurückgefahren werden. Gleichzeitig müssen wir aber feststellen, dass das Interesse an
Kultur zunimmt: Die Nachfrage ist rasant gestiegen und wird begleitet von einem immer vielfältigeren
Angebot. Auch die Wirtschaft hat die Kultur als Marketinginstrument entdeckt. Die Grenzen zwischen
öffentlich geförderter Kultur und kommerziellem Event verschwimmen zusehends. Was machen wir
da mit der Kulturpolitik?



Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Wir sind in einer paradoxen Situation: Einerseits erschwert diese zunehmende Unschärfe die Diskus-
sion über Struktur, Inhalte und Finanzierung der Kultur. Andererseits ermöglicht erst diese Diskussion die seit langem überfällige Auseinandersetzung über einen Strukturwandel in der Kulturförderung. Die
einzige Antwort auf die knappen Mittel und die hohe Nachfrage ist eine Änderung von Strukturen.
Nur ein intelligenter Umgang mit den wenigen Geldern kann verhindern, dass die Vielfalt leidet.

Für uns als Parlament stellt sich die Frage, wie wir im Dreieck von öffentlichem Sektor, gemeinnützi-
gem Bereich und Privatwirtschaft am ehesten unseren Anspruch als Gesetzgeber gerecht werden. Aus Sicht des SSW tun wir dies am besten, indem wir uns einmischen. - „Kunst ist schön, macht aber viel
Arbeit“, sagte Karl Valentin. Wir sollten die Ärmel hochkrempeln. Es war unser Anliegen mit diesem
Berichtsantrag, den Ball auf die Spielfeldhälfte des Landtages zu holen - und wir hoffen auf viele engagierte Mitspieler.

Der vorliegende Bericht zur Weiterentwicklung der Kulturpolitik ist ein Zwischenbericht. Seit Mitte des Jahres 2000 arbeitet eine von der Bildungsministerin eingesetzte Arbeitsgruppe mit der Evaluation
der Kulturförderung. Deren Tätigkeit wird erst Ende des ersten Quartals 2003 abgeschlossen sein. Das
Arbeitsergebnis wird dann Grundlage für weitere Beratungen des Landtages sein können. Aber der
Zwischenbericht gibt schon jetzt wichtige Fingerzeige dafür, wohin für sie die Reise geht.
Ich verzichte darauf, mich jetzt im Detail mit den Ausführungen des Berichts zu befassen. Gerade weil wir - in Erwartung des Ergebnisses der ministeriellen Arbeitsgruppe - das Thema nicht schnell abhan-
deln müssen, sollten wir uns Zeit für vertiefende Gespräche und konkrete Nachfragen nehmen. The-
men gibt es reichlich. Ich erwähne nur beispielhaft: Ars Baltica, die Nordischen Filmtage, das Schles-
wig-Holstein Musikfestival, die neuen Zielvereinbarungen mit den Volkshochschulen, den Innova-
tionsfonds und die Kooperation zwischen Land und Kommunen.
Wir meinen, dass der Landtag schon jetzt seine Auseinandersetzung über die Zukunft der Kulturpolitik
beginnen muss. Bei der Weiterentwicklung der Kulturförderung geht es nicht allein um die Reformie- rung von Fördermodalitäten. Solche strukturellen Änderungen bedürfen auch einer kulturpolitischen
Diskussion, denn andere Finanzierungsinstrumente wirken sich auch auf die Inhalte und Programme
aus. Deshalb hoffe ich, dass die Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitiker hier im Hause unsere Vor- lage dafür nutzen, in eine Debatte über die zukünftige Kulturpolitik des Landes einzusteigen. Ich hoffe
auf ebenso konstruktive wie kontroverse Ausschussberatungen.

Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de

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