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16.05.02 , 17:53 Uhr
SPD

Dr. Ulf von Hielmcrone zu TOP 32: Mit der Kulturtechnik schwindet die Kultur - Zeit zum Gegensteuern

Sozialdemokratischer Informationsbrief

Kiel, 16.05.2002 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell
TOP 32 – Weiterentwicklung der Kulturpolitik


Dr. Ulf von Hielmcrone:

Mit der Kulturtechnik schwindet die Kultur – Zeit zum Gegensteuern

Herzlichen Dank Anke Sporendonk für die Anfrage; immerhin wird damit wieder ein Stein ins Wasser geworfen, er sollte Kreise ziehen, denn um die grundsätzliche Kul- turpolitik war es in letzter Zeit sehr ruhig geworden, und zwar zu Unrecht.

Ich bin auch der Landesregierung für ihre Antwort dankbar. Sie rückt einiges ins rechte Licht: Koordination und Kooperation sind wichtig, sie sind ressourcensparend, was in Zeiten knapper Kassen wesentlich ist. Die Regierung hat aber auch deutlich gemacht, dass auch weiterhin die Freiheit der Kunst und der Kultur im Mittelpunkt steht und deswegen Kooperationen nur Hilfestellungen geben können, aber keinen Einfluss auf Inhalte haben dürfen.

Die Antwort der Landesregierung weist aber auch auf eine erschreckende neue Ent- wicklung hin: Der Konsens über kulturelle Grundvorstellungen geht verloren. Die „Er- lebnis- und Event-Kultur“ beginnt, die herkömmliche Kultur zu verdrängen. Innovation und Qualität werden unwichtiger. Was zählt, ist nur noch der Reiz, der Kick auf brei- tem, wenn nicht niedrigem Niveau.

Wenn wir diese Feststellung der Regierung zu Ende denken, bedeutet dies: Auf Dauer verlieren wir einen wichtigen Garanten unserer Identität, aber auch unserer geistigen Mobilität. Gerade unser bisheriger Kulturbegriff war Motor und Movens für neue inno- Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-



vative Entwicklungen, die sich zuerst in der Kultur und Kunst, schließlich aber auch in der Wirtschaft und vor allem in der Wissenschaft niedergeschlagen haben. Eine ge- wisse Wissenschaftsfeindlichkeit –also der grundsätzlichen Einstellung gegenüber der Naturwissenschaft – könnte so vielleicht der Vorläufer auch einer kommenden Kultur- feindlichkeit insgesamt sein.

Wenn sich nun unser Begriff von Kultur ändert, hat dies weitreichende Folgen, die wir noch nicht überblicken können. Dieser Vorgang fällt außerdem zusammen mit den für uns alarmierenden Feststellungen der PISA-Studie. Wenn wir deutlich merken, dass das Interesse an Kultur und der Konsens über Kultur schwinden, wie im Bericht nach zu lesen ist, so ist bereits jetzt wissenschaftlich belegt, dass auch die Beherrschung von Kulturtechniken in den Schulen dramatisch zurückgeht. Mit der Kulturtechnik schwindet auch die Kultur.

Hier bestehen offenbar Zusammenhänge: Wer kein Interesse mehr am Lesen hat, wird kein Interesse für Kultur entwickeln; und verbreitete mangelnde Bereitschaft, Kenntnis- se in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie zu erwerben, wird unseren Rang als Wissenschaftsnation gefährden. Das Menetekel steht jedenfalls bedrohlich an der Wand.

Wenn wir also in Zukunft unsere Identität erhalten und unsere Lebensqualität sichern wollen, müssen wir handeln. Insofern kommt die Große Anfrage zur rechten Zeit. Kul- turpessimismus ist dennoch nicht angesagt; wir müssen vielmehr optimistisch die Probleme anerkennen und angehen.

Und hier spielt die Diskussion um PISA natürlich eine Rolle. Dabei sollten wir indessen ein Missverständnis dringend vermeiden: Bildung mit Wissensvermittlung zu verwech- seln. Was wir brauchen ist Bildung; wenn wir sie vernachlässigen, wird der schiefe Turm von PISA gänzlich umkippen. Im realen Pisa konnte dies vermieden werden, wir sollten es auch bei unserem PISA vermeiden. -3-



Wie aber sollte Bildung heute aussehen? Über zwei Millionen Eintragung in der Google-Suchmaschine geben darüber durchaus keine schlüssige Antwort. Dieser Dis- kurs wird aber zu führen sein, er wird die Antwort finden müssen. Wie also sollte sich heute das Individuum geistig und seelisch ausbilden, seine Werte und Anlagen ver- vollkommnen? Die Antwort darauf wird über die Zukunft entscheiden.

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