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Reform der Fachkliniken: Gemeindenahe Psychiatrie braucht örtliche Träger
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82 SSW-Landtagsvertretung Norderstr. 74PRESSEINFORMATION D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, d. 19.06.2002 Silke Hinrichsen Es gilt das gesprochene Wort.TOP 8 Gesetz zur Neuordnung der Fachkliniken (Drs. 15/1914)Nichts repräsentiert die Entwicklung der modernen Psychiatrie mehr als die Abwen-dung von den großen psychiatrischen Krankenhäusern. Von einer Irrenanstalt, dienicht ganz zu Unrecht mit Gummizellen, Zwangsjacken und Beruhigungsspritzenverbunden wurde, hat sich die Psychiatrie langsam aber sicher zu einer gemeinde-nahen, individuellen, therapeutischen und sozialen Psychiatrie gewandelt.Eine logische Folge der Dezentralisierung in der Psychiatrie ist, dass die zentralen Kli-niken mit ihren großen Langzeitbereichen geschrumpft sind und weiter schrumpfen.Diese Entwicklung begrüßen wir vorbehaltlos.Aber sie hat natürlich Folgen für die Kliniken und ihre Angestellten, die auch berück-sichtigt werden müssen. Zudem ist es nicht sinnvoll, alle Patientinnen und Patientendezentral zu behandeln. Deshalb geht es für uns auch darum, den früheren Landeskran-kenhäusern ordentliche Rahmenbedingungen für ihre weitere Existenz zu sichern. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Dazu gehört, dass die Fachkliniken strukturell so eingerichtet werden, dass sie wirt-schaftlich und effektiv arbeiten können. Dieses war schon der Sinn des Fachklinikge-setzes, und eben dies ist auch der Sinn des vorliegenden Gesetzentwurfs. Die Klinikenin Neustadt und Heiligenhafen werden in der „psychatrium Gruppe“ zusammengelegt,um besser für neue Herausforderungen gerüstet zu sein. Das unterstützen wir.Eigentlich ist diese Neuordnung der Fachkliniken im südlichen Landesteil ein politischwenig spektakulärer Vorgang - wäre da nicht gleichzeitig der Aufschrei der Beschäf-tigten und der ver.di gegen die Abgabe der dezentralen Versorgung gewesen. Wir mei-nen aber nicht, dass die bisherige Versorgung von Patienten aus Kiel und Lübeck inden Fachkliniken jetzt irgendwelche Ansprüche der „psychatrium Gruppe“ auf die de-zentralen Abteilungen in diesen Städten begründen. Die Fachkliniken haben bei derDezentralisierung kein Vorgriffsrecht, wenn es um die Trägerschaft der dezentralenVersorgung geht, wie es die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft gefordert haben.Wir haben auch ein großes Problem damit, dass die „psychatrium Gruppe“ damitquasi ein Monopol auf die klinische psychiatrische Versorgung in der Region erhaltenwürde. Bei allem Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitermeinen wir: Die dezentrale Versorgung funktioniert am besten, wenn örtliche, in dielokalen Strukturen eingebundene Träger die gemeindenahe Psychiatrie übernehmen -so, wie es zum Beispiel auch in Flensburg geschehen ist. Gerade in Verbindung mitder neulich abgeschlossenen Verlegung von Behandlungskapazitäten von Schleswignach Flensburg hat sich gezeigt, dass in einem guten Dialog die Probleme einersolchen Dezentralisierung gemeinsam bewältigt werden können. Was im LandesteilSchleswig geklappt hat sollte auch in Holstein möglich sein. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de