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19.06.02 , 17:09 Uhr
SSW

Reform der Fachkliniken: Gemeindenahe Psychiatrie braucht örtliche Träger

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Kiel, d. 19.06.2002 Silke Hinrichsen Es gilt das gesprochene Wort
.

TOP 8 Gesetz zur Neuordnung der Fachkliniken (Drs. 15/1914)

Nichts repräsentiert die Entwicklung der modernen Psychiatrie mehr als die Abwen-
dung von den großen psychiatrischen Krankenhäusern. Von einer Irrenanstalt, die
nicht ganz zu Unrecht mit Gummizellen, Zwangsjacken und Beruhigungsspritzen
verbunden wurde, hat sich die Psychiatrie langsam aber sicher zu einer gemeinde-
nahen, individuellen, therapeutischen und sozialen Psychiatrie gewandelt.

Eine logische Folge der Dezentralisierung in der Psychiatrie ist, dass die zentralen Kli-
niken mit ihren großen Langzeitbereichen geschrumpft sind und weiter schrumpfen.
Diese Entwicklung begrüßen wir vorbehaltlos.

Aber sie hat natürlich Folgen für die Kliniken und ihre Angestellten, die auch berück-
sichtigt werden müssen. Zudem ist es nicht sinnvoll, alle Patientinnen und Patienten
dezentral zu behandeln. Deshalb geht es für uns auch darum, den früheren Landeskran-
kenhäusern ordentliche Rahmenbedingungen für ihre weitere Existenz zu sichern.


Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Dazu gehört, dass die Fachkliniken strukturell so eingerichtet werden, dass sie wirt-
schaftlich und effektiv arbeiten können. Dieses war schon der Sinn des Fachklinikge-
setzes, und eben dies ist auch der Sinn des vorliegenden Gesetzentwurfs. Die Kliniken
in Neustadt und Heiligenhafen werden in der „psychatrium Gruppe“ zusammengelegt,
um besser für neue Herausforderungen gerüstet zu sein. Das unterstützen wir.


Eigentlich ist diese Neuordnung der Fachkliniken im südlichen Landesteil ein politisch
wenig spektakulärer Vorgang - wäre da nicht gleichzeitig der Aufschrei der Beschäf-
tigten und der ver.di gegen die Abgabe der dezentralen Versorgung gewesen. Wir mei-
nen aber nicht, dass die bisherige Versorgung von Patienten aus Kiel und Lübeck in
den Fachkliniken jetzt irgendwelche Ansprüche der „psychatrium Gruppe“ auf die de-
zentralen Abteilungen in diesen Städten begründen. Die Fachkliniken haben bei der
Dezentralisierung kein Vorgriffsrecht, wenn es um die Trägerschaft der dezentralen
Versorgung geht, wie es die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft gefordert haben.

Wir haben auch ein großes Problem damit, dass die „psychatrium Gruppe“ damit
quasi ein Monopol auf die klinische psychiatrische Versorgung in der Region erhalten
würde. Bei allem Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
meinen wir: Die dezentrale Versorgung funktioniert am besten, wenn örtliche, in die
lokalen Strukturen eingebundene Träger die gemeindenahe Psychiatrie übernehmen -
so, wie es zum Beispiel auch in Flensburg geschehen ist. Gerade in Verbindung mit
der neulich abgeschlossenen Verlegung von Behandlungskapazitäten von Schleswig
nach Flensburg hat sich gezeigt, dass in einem guten Dialog die Probleme einer
solchen Dezentralisierung gemeinsam bewältigt werden können. Was im Landesteil
Schleswig geklappt hat sollte auch in Holstein möglich sein.
Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de

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