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Karl-Martin Hentschel zur Informations- und Kommunikationswirtschaft
Fraktion im Landtag PRESSEDIENST Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 12 – Informations- und Kommunikationswirtschaft - Düsternbrooker Weg 70 24105 KielDazu sagt der wirtschaftspolitische Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Telefax: 0431/988-1501 Karl-Martin Hentschel: Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de Nr. 153.02 / 20.06.2002Gewitter im CyberlandDie Landesregierung misst der Informations- und Kommunikationswirtschaft unverändert ei- ne große technologie- und wirtschaftspolitische Bedeutung bei. Die jetzige heftige Krise der New Economy wird als Anpassungskrise angesehen. Weiterhin sieht die Landesregierung in der UMTS-Technologie eine große Chance für die IuK-Wirtschaft Schleswig-Holsteins und für den weiteren Strukturwandel.Ist das realistisch? Zur Zeit ist die Branche erst mal in der Krise. Der Zusammenbruch der Börsenwerte für neue Technologien ist ein Grund, die Überschätzung der kurzfristigen Gewinnmöglichkeiten im In- ternet ein weiterer. In Deutschland kommt dazu, dass alle Firmen sich bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen erst mal verhoben haben. Der Bund konnte durch das Bieterverfahren im „Goldgräberrausch“ über 100 Mrd DM einnehmen. Die Milliarden-Schulden der Mobilfunk- unternehmen müssen verzinst und getilgt werden. Kurz gesagt: Es tobt ein Gewitter im Cy- ber-Land – und es ist noch nicht klar, wen der Blitz trifft und wer das überlebt.Der erste Blitzschlag hat erst mal in Büdelsdorf bei Mobilcom eingeschlagen. Im Juli steht eine Umschuldung für ca. fünf Milliarden Euro an. France Telecom hat selbst 60 Milliarden Euro Schulden und bremst jetzt beim Ausbau des UMTS-Netzes. Am 05.06.02 wurde be- kannt, dass Mobilcom die geplante Netzzentrale in Erfurt für das UMTS-Mobilfunknetz ge- kippt hat. Es bleibt abzuwarten, ob die Mobilfunkkommunikation der dritten Generation tat- sächlich jemals – wie erhofft - der große Knüller wird.Die andere große IT-Firma in Schleswig-Holstein ist Motorola in Flensburg. Vielleicht konnte hier unsere Ministerpräsidentin den Blitzschlag gerade noch abwenden. Dort soll nun welt- weit das erste UMTS-Handy in Serie produziert werden. Das eröffnet neue Beschäfti gungschancen, aber natürlich auch Risiken.Die entscheidende Frage ist, ob und wann UMTS zum Laufen kommt. Ein Problem sind die Ängste in der Bevölkerung vor Elektrosmog. Allein in Schleswig-Holstein werden bis 2005 ca. 2.100 neue Basisstationen errichtet. Auch wenn Antennenanlagen bis zehn Meter Höhe nicht genehmigungspflichtig sind, ist es gut, dass es eine Vereinbarung zwischen den Mobilfunk- anbietern und den Spitzenverbänden der Städte und Gemeinden gibt, in der festgelegt wird, dass über die Standorte Einvernehmen erreicht werden soll. Trotzdem bleibt ein ungutes Ge- fühl bei vielen Menschen – das muss ernst genommen werden.Die zweite große Frage ist natürlich, ob es den erwarteten großen Markt für UMTS-Angebote gibt. Wir müssen also abwarten, wie viele Anbieter tatsächlich ins UMTS-Geschäft einstei- gen, mit welchen Dienstleistungen jugendliche Technikfreaks gewonnen werden können, und ob die Kunden bereit sind, genug zu zahlen, um die Kredite abzutragen. Eine weitere Frage ist, wie sich das Internet weiter entwickelt. Sein Einbruch in die Medienwelt ist unvergleich- lich, in zehn Jahren wurde es zu einem der wichtigsten Medien der Welt und ist jetzt auf dem Sprung, Fernseher, CD-Player usw. zu schlucken. Auch Ausschreibungen, Bestellungen, Ab- rechungen, Finanzdienstleistungen können im Internet abgewickelt werden. Es ist gut, dass Schleswig-Holstein eine Vielzahl von kleinen kreativen Firmen hat, die da eingestiegen sind. Wie viele sich davon durchsetzen auf dem Markt, bleibt abzuwarten.Noch ein Wort zu den Call-Centern. Hier hat Schleswig-Holstein eine ausgeprägte Stärke. Die MitarbeiterInnenzahl hat sich von 1999 bis 2000 verdreizehnfacht. Eine enorme Steige- rung, fürwahr. Das hängt aber in erster Linie mit Ausgründungen und mit der Beherrschung des Hochdeutschen zusammen. Call-Center in Oberbayern oder in Sachsen sind schwer vorstellbar. Man sollte aber auch klar sagen: Call-Center sind meist keine High-Tech-Firmen. Das sind meistens schlecht bezahlte Dienstleistungen mit einer zweitägigen Ausbildung. Löhne von 7,50 Euro pro Stunde sind üblich, damit kann natürlich keine Familie ernährt werden. Und die Arbeitsbedingungen sind oft miserabel, ver.di kann ein Lied davon singen.Der Boom der sogenannten Dot.Com-Firmen hat viel Bewegung auch in die Old Economy gebracht. Dort wird die Technologie genutzt für Optimierung und Rationalisierung. Schleswig- Holstein kann zufrieden sein mit seinem Anteil an den IuK-Technologien. Kurzfristig müssen wir hoffen, dass wir das Gewitter mit einem angesengten Jackett überstehen. Mittelfristig betrachtet bin ich sicher, dass es richtig war, von Seiten der Politik unterstützend tätig zu sein, damit in Schleswig-Holstein eine Reihe erfolgreicher Schösslinge in den neuen Technologien gepflanzt wurden. Wenn das Gewitter vorbei ist, bleibt der Regen und die Schösslinge sprießen. Ich bedanke mich bei denen, die im Bereich der Technologieförde- rung für das Land arbeiten sowie bei den Autoren des Berichtes und wünsche den Firmen der Branche Erfolg für die Zukunft. ***