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Dr. Henning Höppner zu TOP 14: Kooperation von Schulen und Musikschulen stärken
Sozialdemokratischer Informationsbrief Kiel, 20.06.2002 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell TOP 14 – Unterrichtsversorgung und Lehrerbildung im Fach MusikDr. Henning Höppner:Kooperation von Schulen und Musikschulen stärkenIch möchte in dieser Fußball-intensiven Zeit einmal den hinreichend bekannten Sinn- spruch von Sepp Herberger: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ für uns umwandeln in den Spruch: „Nach dem Bericht ist vor dem Bericht“. Wir diskutieren ja gerne einen Be- richtsantrag ähnlich ergebnisorientiert und mit gleicher Intensität wie nach der Vorlage eines Berichtes. Und manchmal haben wir einen Antrag vor uns, so wie den Ihrigen zum Thema Musikunterricht, der nicht nur ein Ziel beschreibt, sondern schon eine Lö- sung vorgibt.Wir haben uns deshalb entschlossen, einen eigenen Antrag zu stellen, weil wir der Landesregierung hinsichtlich der denkbaren Lösungen und Umsetzungen die Chance geben wollen, eigene Vorschläge zur Verbesserung des Unterrichtsangebotes im Fach Musik und zur Qualifizierung der Lehrkräfte vorzulegen. Insofern können Sie, ohne Ih- re Anliegen aufgeben zu müssen, auch getrost unserem Antrag zustimmen.PISA, meine Damen und Herren, hat uns ja heute sehr „gefangen“ genommen. Ich will an dieser Stelle nicht die Diskussion weiterführen, erlaube mir aber den Hinweis, dass bei den PISA-Spitzenreitern auch die musischen Fächer einen größeren Stellenwert haben als bei uns. Das werden Finnlandreisende aus unserem Parlament bestätigen Schleswig- HolsteinHerausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-können. Dort spielt - ich denke hier auch an die baltischen Länder - neben dem übli- chen Musikunterricht die Vermittlung und Förderung der praktischen Musikübung, sprich des Instrumental- oder Gesangsunterrichtes, eine große Rolle. Das Beherr- schen eines Instrumentes ist dort also ein musikpädagogisches Ziel der Schulen.Eine solche Aufgabe leisten unsere Schulen in der Regel nicht. Vielmehr wird diese Form musikalischer Erziehung von den Musikschulen in kommunaler oder freier Trä- gerschaft wahrgenommen, und hierbei ist es wiederum dem finanziellen Einsatz der Eltern vorbehalten, ob und in welcher Form und Intensität sie ihrem Kind Instrumental- unterricht ermöglichen.Das Phänomen der Abhängigkeit vom privaten Einsatz in der Musikerziehung zeigt sich z.B. bei den Hochschulzugangsberechtigungen: Mit einer am Gymnasium erwor- benen Hochschulreife können Sie sich an einer wissenschaftlichen Hochschule ein- schreiben. Zur Aufnahme an einer Musikhochschule reicht das bei weitem nicht, hierzu sind die musikalischen Fertigkeiten Voraussetzung, die Sie eben nur außerhalb der öf- fentlichen Schulen erreichen können. Für unsere Schulorchester gilt ähnliches. Kaum ein Schülerorchester würde existieren können, wenn es nicht von Eltern bezahlten, außerhalb der Schule vermittelten Instrumentalunterricht gäbe.Ich erwähne das so ausdrücklich, weil es gerade in diesem Bereich eine wirklich funk- tionierende Vernetzung der Musikpädagogik an den Schulen und außerhalb der Schu- len gibt. Und das funktioniert dort auch ohne die üblichen Vorbehalte, die Lehrerver- bände so gerne nach vorn tragen, dass eben nur ein richtiger Lehrer ein Pädagoge an der Schule sein darf. Ich sehe hier in einer verstärkten Kooperation von Schulen und Musikschulen durchaus eine Chance, den Musikunterricht an den Schulen zu fördern oder förderlich zu begleiten. -3-Unser Ziel muss es sein, und hier stimmen wir mit dem Kern Ihres Antrags überein, dass der Musikunterricht an den Schulen stärker ins Bewusstsein von Schule und El- tern rückt. Musikunterricht darf nicht den Charakter des Zusätzlichen oder Verzichtba- ren bekommen, nur weil die sogenannten Leistungsfächer derzeit unsere Aufmerk- samkeit so stark in Anspruch nehmen.