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21.06.02 , 12:46 Uhr
B 90/Grüne

Irene Fröhlich zum Holz-Gütesiegel: Verbraucher müssen Klarheit haben

Fraktion im Landtag PRESSEDIENST Schleswig-Holstein Pressesprecherin TOP 23 – Gütesiegel in der Holzwirtschaft- Claudia Jacob Landeshaus Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin der Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Irene Fröhlich: Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Telefax: 0431/988-1501 Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de

Nr. 159.02 / 21.06.2002 Verbraucher müssen Klarheit über Holz-Qualitätssiegel haben
Mit der weltweit anerkannten FSC-Zertifizierung und der auf Europa begrenzten PEFC- Zertifizierung stehen sich zwei grundlegend unterschiedliche Systeme zur Zertifizierung nachhaltiger Waldwirtschaft gegenüber. Ein Vergleich beider Systeme macht deutlich, dass das PEFC-Siegel dem eigenen Anspruch an ein echtes Zertifikat nicht wirklich gerecht wird, und zwar dem Anspruch als ein unabhängiger und glaubhafter Qualitätsnachweis für nach- haltige Waldwirtschaft. entscheidenden, fundamentalen Unterschiede zur FSC- Zertifizierung sind:
• die fehlende Einbindung der Umweltorganisationen und anderer gesellschaftlicher In- teressengruppen, • das mangelhafte ökologische Qualitätsniveau der PEFC-Standards, • der fehlende Bezug zur einzelbetrieblichen Ebene, gepaart mit gravierenden Defizi- ten beim Kontrollverfahren.
Im Detail möchte ich hier nur auf eine Auswahl der ökologischen Standards eingehen: Beim Verzicht auf Kahlschlag gilt beim FSC ein grundsätzliches Verbot mit klar definierten Ausnahmetatbeständen und flächenbezogen festgelegten Obergrenzen, beim PEFC hinge- gen sind die Ausnahmen vage definiert ohne flächenbezogene Obergrenzen. FSC lässt nicht standortheimische Baumarten (z.B. Fichte, Douglasie) nur einzel- bis gruppenweise zu, PEFC erlaubt Nicht standortheimische Baumarten auch in Reinbeständen. Der Schutz von Biotobäumen und Totholz ist beim FSC mit der Festlegung einer betrieblichen Schutzstragie auf den Dauerhafter Schutz von 10 Alt- und Totbäumen pro Hektar definiert, beim PEFC wird lediglich von Schutz in „angemessenem Umfang“ gesprochen. Referenz flächen gibt es beim FSC auf mindestens 5 % der Forstbetriebsfläche - nicht in Privatwäl- dern und Kommunalwälder unter 1.000 ha -, beim PEFC aber gar keine.
Der Einsatz von chemischen Bioziden ist beim FSC nur nach behördlicher Anordnung, d.h. nicht in alleiniger Entscheidungsbefugnis des Waldeigentümers möglich. Beim PEFC erfolgt der Einsatz auf der Grundlage fachkundiger Begutachtung, flächiger Einsatz nur als „letztes Mittel“, d.h. allerdings in alleiniger Entscheidungsbefugnis des Waldeigentümers.
Natürlich sind wir uns völlig einig, dass die Holz-Zertifizierung wichtig ist und der WWF hat bereits 1999 mit einer repräsentativen EMNID-Umfrage herausgefunden, dass 87 Prozent der Verbraucher Holzprodukte mit internationalem Ökosiegel vorzie- hen. Die befragten Verbraucher vertrauen zu 86 Prozent am ehesten einem Holz- Ökosiegel, das von den Umweltverbänden empfohlen wird, knapp gefolgt von den Verbraucherzentralen mit 82,1 Prozent. Weit abgeschlagen sind die Waldbesitzer mit 51,8 Prozent und die Unternehmen der Holz- und Papierwirtschaft, deren Empfehlung bei nur 35 Prozent der Verbraucher auf Akzeptanz stoßen würde. Von entscheidender Bedeutung ist für 92,2 Prozent der Befragten die Kontrolle eines entsprechenden Gü- tesiegels vom Wald bis zum Endverbraucher. All dies sind Anforderungen, die der FSC heute schon erfüllt

Vor diesem Hintergrund muss man den Bemühungen der europäischen Waldbesitzerver- bände, mit PEFC ein eigenes Herkunftszeichen zu entwickeln, als gescheitert bezeichnen.
Allerdings ist es sicher auf lange Sicht für alle Beteiligten eher schädlich, wenn zwei konkur- rierende Siegel für die Qualität des Holzes einstehen und werben sollen. Deswegen haben wir unseren Änderungsantrag vorgelegt, der dafür wirbt, mittelfristig beide Siegel zusam- men zu führen. Dabei geht es natürlich um die hohen Standards des FSC-Siegels, für das Schleswig-Holstein bundesweit Vorreiter ist.
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