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Zum zehnten Jahrestag des Todes von Lianne Paulina-Mürl
98/2002 Kiel, 25.7.2002Sie stand für Gleichberechtigung und Bürgernähe Zum zehnten Jahrestag des Todes von Lianne Paulina-MürlKiel (SHL) – Am 27. Juli 1992 verstarb die ehemalige Landtagspräsi- dentin, Lianne Paulina-Mürl, im Alter von 47 Jahren. Die SPD Politike- rin stand von 1987 bis 1992 als erste Frau an der Spitze eines Lan- desparlamentes. Aus Anlass ihres zehnten Todestages gedenkt der Schleswig-Holsteinische Landtag seiner ehemaligen Präsidentin.„Pflichtbewusst, zielstrebig, verantwortungsbewusst“, im positiven Sinne mit „preußischen Eigenschaften“ ausgestattet, aber auch tole- rant, offen, mit ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit, so beschreiben sie ihre Weggefährten. Lianne Paulina-Mürl verstand sich als politische Präsidentin, die die gleichwohl engen Gestaltungsmöglichkeiten, die einer Parlaments- präsidentin von der Verfassung gegeben werden, nutzte und das Amt prägte. Klug und menschlich wie politisch sensibel führte sie Schleswig- Holstein aus seiner bisher schwersten politischen Krise – der Bar- schel/Pfeiffer Affäre – zu vorgezogenen Neuwahlen. Nach ihrer Wiederwahl im Mai 1988 übernahm sie dann den Vorsitz in der Enquete-Kommission „Verfassungs-und Parlamentsreform“. Die 1990 vom Parlament verabschiedete neue Landesverfassung trägt maßgeblich ihre Handschrift. Der ausdrückliche Schutz der nationalen Minderheiten und die Aufnahme der Gleichstellung von Männern und Frauen als Staatsziel in unserer Landesverfassung gehen wesentlich auf ihren Einsatz zurück. Neue E-Mail-Adresse: Joachim.Koehler@landtag.ltsh.de 2Auch das Landeshaus selbst sollte in ihrer Amtszeit in vielerlei Hin- sicht bürgernäher werden. Auf Initiative der ehemaligen Landtagsprä- sidentin hob das Parlament die Bannmeile um das Landeshaus auf. Politische Foren, Ausstellungen, die Einrichtung eines Altenparlamen- tes und eine Vielzahl von Besuchergruppen, die ins Landeshaus ein- geladen wurden, taten ein übriges, um die Hemmschwelle abzubauen und den Kontakt zur Bevölkerung zu intensivieren. Lianne Paulina-Mürl bleibt über die Grenzen Schleswig-Holsteins hin- aus als Wegbereiterin für die Rechte von nationalen Minderheiten und Volksgruppen in Erinnerung. Mit der Einrichtung eines Gremiums für Fragen der friesischen Volksgruppe und eines Beirats für Nieder- deutsch rief sie wichtige Diskussionsforen ins Leben. Gleichzeitig war Lianne Paulina-Mürl eine der ersten Politikerinnen, die sich von der Idee des „mare baltikum“ faszinieren ließen. Die ehemalige Landtagspräsidentin starb am 27. Juli 1992, drei Mo- nate nachdem sie aufgrund ihrer schweren Krebserkrankung auf ihr Landtagsmandat und das Amt der Landtagspräsidentin verzichtet hat- te. Auch zehn Jahre nach ihrem Tod steht der Name dieser politi- schen Präsidentin für Bürgernähe und Gleichberechtigung in Schles- wig-Holstein.