Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Arens: Friesisch den jungen Menschen nahe bringen
D E R L A N D T A G A SCHLESWIG - HOLSTEIN a 118/2002 Kiel, 13.09.2002 Sperrfrist: Redebeginn Es gilt das gesprochene WortArens: Friesisch den jungen Menschen nahe bringenKIEL (SHL) – In seiner Rede erklärte Landtagspräsident Heinz-Werner Arens anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Nordfriesischen Vereins am 15. September 2002 in Niebüll u.a.:“Ich möchte mich für die Einladung zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Nordfrie- sischen Vereins und für die Gelegenheit, zu diesem besondern Jubiläum einige Worte beisteuern zu dürfen, bedanken. Gleichzeitig überbringe ich Ihnen hiermit auch die Glückwünsche des Schleswig-Holsteinischen Landtages und seinen Respekt für Ihre unermüdliche Arbeit.Als vor 100 Jahren Pastor August Schulz zur „Gründung eines Vereins zur Pflege der Heimatkunde Nordfrieslands“ einlud, ging es zunächst einmal um die wissenschaftliche Erforschung nordfriesischer Geschichte, Natur- und Volkskunde, um ihre Verbreitung im nordfriesischen Volk durch Schriften und Vorträge und um Sammlung und Förderung nordfriesischen Volkstums. Bald betrieb der Verein auch die wissenschaftliche Untersu- chung der friesischen Sprache. Doch schon 1921 wurde auf der ersten Nachkriegsver- sammlung hier in Niebüll der Wille zur Erhaltung, Belebung und Wiedererweckung des Friesischen als gesprochene Sprache zum Ziel des Vereins erklärt.Auch heute noch ist die Pflege und Förderung der friesischen Sprache ein besonderes Anliegen des Nordfriesischen Vereins, da sie für die friesische Volksgruppe das wich- tigste Identifikationsmerkmal darstellt. Wichtig ist dem Verein aber auch, dem Ver- schwinden der zweiten Muttersprache, dem Plattdeutschen entgegenzuwirken.Die Dringlichkeit dieser Anliegen wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, wie schnell sich die Anzahl der Friesisch sprechenden Menschen verringert. Ihrer anlässlich des 100jährigen Bestehens herausgegebenen informativen und ansprechenden Bro- schüre „Wir in Nordfriesland“ konnte ich entnehmen, dass allein zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts die Anzahl der Friesischsprecher von 30.000 auf 12.000 Neue E-Mail-Adresse: Joachim.Koehler@landtag.ltsh.de 2sank. Und obwohl in den 50er Jahren die meisten Kinder in Nordfriesland noch mehr- sprachig aufwuchsen, setzt sich die rückläufige Tendenz bis heute fort.Der Nordfriesische Verein wirkt dieser Entwicklung mit großem Engagement entgegen. Sicher ist es auch seinen Bemühungen zu verdanken, dass Friesisch und Plattdeutsch in Kindergärten und Schulen wieder Einzug gehalten haben. Denn eins ist klar: Wenn wir diese Sprachen vor dem drohenden Aussterben retten wollen, muss vor allem die Jugend Zugang zu ihr erhalten.Die anstehende Gründung eines Jugendverbandes des Nordfriesischen Vereins ist si- cherlich ein sinnvoller Schritt, denn die Möglichkeit der Mitarbeit und der Verwirklichung eigener Ideen motiviert noch mehr Jugendliche , sich für den Erhalt ihrer kulturellen I- dentität einzusetzen.Menschen, und ganz besonders junge Menschen, brauchen in einer Zeit der Globalisie- rung Wurzeln, um die eigene Identität nicht zu verlieren. Grundlage dieser Identität ist die Sprache, aber auch eine lebens- und liebenswerte Landschaft und gelebte Traditio- nen.Diese werden von den Mitgliedern des Nordfriesischen Vereins gepflegt, wie z. B. von dem bereits seit 1879 bestehenden Friesenverein Niebüll-Deezbüll. Seine Mitglieder tragen wie viele andere durch Veranstaltungen in friesischer Sprache in der mooringer Mundart, durch Laienspiele, Sprachunterricht und Pflege des friesischen Liedgutes da- zu bei, friesische Kultur lebendig zu erhalten.Ein besonders gut sichtbares Zeichen für Traditionspflege ist die Friesentracht der Bö- kingharde, die von den Frauen selbst genäht und – wie ich hörte – z. B. von der Gruppe „Frasch Scheew“ bei ihrem Vortrag friesischen Liedgutes gern getragen wird. Gelebte Traditionen und eine innige Bindung zur Heimat stehen nicht im Gegensatz zur Weltoffenheit der Friesen. Anlässlich des 1. Friesentages 2002 in Husum hat Ihr Vorsit- zender Hans Otto Meier dies wie folgt ausgedrückt:„Wenn de Kopp ok för Europa steiht, dat Hart sleit för de Heimat un hört Nordfreesland to.“Heimat – dieses Wort kommt in dem seit dem Jahr 1993 geänderten Vereinsnamen nicht mehr vor. Und doch hat es noch immer eine große Bedeutung. Heimat ist nicht nur ein geografisch festgelegtes Gebiet. Erst die Erinnerungen und Sehnsüchte der dort lebenden Menschen machen die Orte zur Heimat. Erinnerungen an das, was einmal war, und Sehnsüchte nach dem, was noch vor einem liegt.Der Autor Arthur Häny hat diese Dynamik so beschrieben: „Heimat ist also nicht einfach "vorhanden", sie ist auch niemals "fertig", sondern in einem gewissen Maße immer wie- der neu zu erschaffen, neu aufzubauen, auf jenen Fundamenten, die wir nicht zerstören können, ohne uns selber zu zerstören.“Die Arbeit des Nordfriesischen Vereins erhält diese Fundamente, die für ein positives Heimatbewusstsein so wichtig sind. Gleichzeitig setzt er sich mit dem Zeitgeschehen und den gesellschaftlichen Veränderungen auseinander und versucht, Tradition und 3Moderne miteinander in Einklang zu bringen, auch wenn diesem Anspruch nicht immer einfach nachzukommen ist. Ströntistel es min bloom, Ströntistel neem’s uk mi. Jü gröört üp dünemsön, Ik üp des leewents-strön, En proter haa wat biid!Mit diesem Gedicht des wohl bedeutendsten Dichters der friesischen Sprache, des Kei- tumer Bauern Jens E. Mungard, möchte ich den Wunsch verbinden, dass dem Nord- friesischen Verein genug Stacheln gewachsen sind, um auch in Zukunft den Kampf um die Erhaltung der friesischen Kultur und Heimat erfolgreich führen zu können! Und für heute wünsche ich uns allen eine fröhliche Feier. Herausgeber: Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel, Postf. 7121, 24171 Kiel, Tel.: (0431) 988- Durchwahl -1163, -1121, -1120, -1117, -1116, Fax: (0431) 988-1119 V.i.S.d.P.: Dr. Joachim Köhler, Annette Wiese-Krukowska, E-Mail: Joachim.Koehler@landtag.ltsh.de Internet: www.sh-landtag.de – Presseinformationen per E-Mail abonnieren unter www.parlanet.de/presseticker