Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Landesnachhaltigkeitsstrategie
PRESSEINFORMATION Kiel, d. 09.10.2002 Es gilt das gesprochene WortTOP 12 u 16 Landesnachhaltigkeitsstrategie (Drs.15/1941 u 15/2088)Anke Spoorendonk: Beim Lesen der beiden vorliegenden Anträge zum Thema Landesnachhaltigkeitsstrategie wurdemir wieder ins Bewusstsein gerufen, dass in der Agenda 21–Diskussion der letzten Jahre häufigeine Sprache verwendet wurde, mit der viele Menschen nichts anfangen können. Begriffe wieNachhaltigkeit tragen in sich selbst keine Aussage und sind daher eher geeignet, zur Verwirrungals zur Klärung beizutragen. Wenn man aber wie im CDU-Antrag in bester Schulmeisterart fest-stellt: „Im Schlussprotokoll der Rio-Konferenz sind in folgender Reihenfolge die Strategien ge-nannt: 1. ökonomisches Wachstum, 2. ökologisches Gleichgewicht und 3. sozialer Fortschritt.Dieses auch in Schleswig-Holstein zu verankern und weiterzuentwickeln, muss nach einer lan-gen Phase, in der die „Agenda 21“ fast ausschließlich mit ökologischen Zielsetzungen umgesetztwurde, Vorrang haben“ – dann liest man das Buch der Agenda 21 doch wohl eher wie der Teufeldie Bibel. Denn was folgt, sind Forderungen, mit denen sich der Schleswig-Holsteinische Land-tag schon mehr als einmal beschäftigt hat. Sie sind nur ein bisschen anders zusammen gestellt alssonst. Was bleibt, ist aber dennoch der Geschmack von altem Wein in neuen Flaschen – z.B. inPunkt 1, wo es um die Schaffung von „innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen“ für dieWirtschaft geht; in Punkt 6, der sich für „Forschung und Entwicklung der Bio- und Gentechno- 2logie“ einsetzt oder in Punkt 10 – und dieser Punkt ist aus Sicht des SSW wirklich der Hammer –wo gefordert wird, „auch im Interesse nachfolgender Generationen grundsätzlich alle Optionenfür die Nutzung sämtlicher verfügbarer Energieträger einschließlich der Kernenergie offen zuhalten“.Nun kann man dem gegenüber natürlich einwenden, dass der Antrag vor dem Hintergrund desJohannesburger Gipfels, der Flutkatastrophe und der Bundestagswahl so wie so eher als ein his-torisches Dokument zu betrachten ist. Mit anderen Worten: wer die in Rio de Janeiro formulierteTagesordnung für das 21. Jahrhundert ernst nimmt, muss zu dem Schluss kommen, dass das dortfestgelegte Ziel, eine nachhaltige und umweltverträgliche Entwicklung in Gang zu setzen, umdie Lebensgrundlagen der künftigen Generationen zu sichern, nur bei einer Gesamtbetrachtungökonomischer, ökologischer, sozialer und globaler Aspekte zu erreichen ist.Die Agenda 21 wurde 1992 von insgesamt 170 Staaten unterzeichnet. Nachdem mittlerweilezehn Jahre vergangen sind, folgte wie gesagt der Rio+10 Gipfel im September in Johannesburg.Hauptthemen dieses Gipfels waren unter anderem: Schutz der natürlichen Ressourcen, Verzah-nung von Umweltschutz und Armutsbekämpfung, größere Nachhaltigkeitsbemühungen bei derGlobalisierung und Stärkung von verantwortlichem Regieren und Bürgerbeteiligung. Darüberhinaus sollten die unterzeichnenden Länder ihre nationalen Nachhaltigkeitsstrategien präsentie-ren. Mehr als alles andere ging aber als Ergebnis des Gipfels hervor, dass der Weg hin zu mehrNachhaltigkeits- und Agenda 21-Bewusstsein sehr steinig ist.Dass die Umsetzung der Ziele der Agenda 21 auf globaler Ebene nicht leicht sein würde, dürfteallen von vornherein klar gewesen sein. Doch auch mit der Umsetzung auf lokaler Ebene hapertes. Die Ursache hierfür ist häufig in einem falsch verstandenen Ansatz zu begründen. So habenNachhaltigkeitsstrategien im Sinne der Agenda 21 nichts mit Ökologie-Ismus zu tun. Sie sindmehr, sie sind aber auch etwas anderes als das, was der CDU-Antrag hineininterpretiert. 3Eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie im Sinne der Agenda 21 beruht auf drei gleichberech-tigten Säulen - wobei die eine nicht ohne die andere betrachtet werden und schon gar keineRangfolge der einzelnen Ziele stattfinden darf.Die drei Eckpfeiler - Soziale Gerechtigkeit, Umweltverträglichkeit und wirtschaftliche Tragfä-higkeit - hat sich die Landesregierung als Leitbild für eine zukunftsfähige Entwicklung gesetztund in einem interministeriellen Arbeitskreis Ziele und Zukunftsfelder definiert. Sie hat erkannt,dass Agenda 21 und Nachhaltigkeit in allen Bereichen und allen Ebenen definiert werden muss.Der Zwischenbericht der Landesregierung macht deutlich, dass zahlreiche Kommunen, Verbän-de und Organisationen in Schleswig-Holstein seit Jahren die Ziele der Agenda 21 berücksichti-gen. Unter aktiver Beteiligung des Agenda 21-Büros der Umweltakademie des Landes werdendie kommunalen Aktivitäten gebündelt und auch beraten. Für diese hervorragende Arbeit, diedort geleistet wird, gebührt dem Agenda 21-Büro Dank.Jedoch ist dem Zwischenbericht der Landesregierung auch zu entnehmen, dass es neben Erfol-gen auch Fehlschläge gibt. So wird aufgeführt, dass es hinsichtlich der Breitenwirkung und derVerbindlichkeit der Nachhaltigkeitspolitik auch Defizite gibt. Darüber hinaus haben sich nochnicht alle wichtigen gesellschaftlichen Ebenen ausreichend der Umsetzung des Leitbildes derNachhaltigkeit gewidmet. Eine Übersicht über schleswig-holsteinische Kreise und Kommunenmacht deutlich, dass hier noch einiges geleistet werden muss. Bisher haben 9 von 11 Kreisen, 21von 57 kreisangehörigen Städten und etwa 22 von 1.127 Gemeinden einen Beschluss zur lokalenAgenda 21 getroffen. – Nebenbei bemerkt gilt das für Flensburg, Koldenbüttel und Harrislee.Um aber die Akzeptanz auf kommunaler Ebene für die Agenda 21 zu erhöhen, muss noch eini-ges an Überzeugungsarbeit geleistet werden – da gibt es nichts schön zu reden.Mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt die Landesregierung unter anderem das Ziel, neueImpulse in allen gesellschaftlichen Breichen zu geben. Im Dialog mit Akteuren der Kommunen,der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Kirchen und der Verbände soll für eine aktive Mitarbeit am 4Projekt „Zukunftsfähiges Schleswig-Holstein“ geworben werden. Jedoch hat sich in ersten Ge-sprächen herausgestellt, dass soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeitsstrategiennur schwer zu vermitteln und zu präzisieren sind. Aus diesem Grund wurden von der Landesre-gierung Leitbilder und Ziele für die drei Schwerpunkte "Zusammen Leben", "Das Land nutzen"und "Arbeit und Produzieren" entwickelt. Aus Sicht des SSW ist dabei auch begrüßenswert, dasses weniger um abstrakte Modelle als um praktische Ansätze gehen soll. Nur so wird es letztlichmöglich sein, die Diskussion und den Umsetzungswillen auf breiter Basis erneut anzustoßen.Dass dies bereits erfolgreich geschieht, zeigen uns die vielen LSE-Projekte im Land, denn siestehen auch für den Dreiklang der Agenda 21. Der Wille etwas zu bewegen ist also nicht erlo-schen. Es müssen nur neue Konzepte erarbeitet und Wege gefunden werden, wie diese Zielekonkret umgesetzt werden können. Anders herum heißt es aber auch, dass wir uns keine weiterenEinschnitte bei den LSE-Projekten leisten können. Planungssicherheit ist in diesem Fall eine we-sentliche vertrauensbildende Maßnahme. „Meinungen sind wie Grundstücke. Erstens sind sie zuteuer, und zweitens kann man nicht immer darauf bauen“, sagt der Kabarettist Dieter Hildebrand– und das kann es wohl nicht gewesen sein.Mit dem Zwischenbericht hat die Landesregierung eine gute Grundlage für eine Nachhaltigkeits-strategie auf Landesebene geschaffen. Dazu steht der SSW. Wir stehen auch dazu, dass dieserBericht kontinuierlich fortgeführt und weiterentwickelt wird. Nur so wird die Rechnung aufge-hen und die Initiative "Zukunftsfähiges Schleswig-Holstein" als die gewünschte Initialzündungfür mehr Agenda 21-Bewusstsein auf allen Ebenen sein können. Wir unterstützen also den sehrartigen Antrag der Regierungsfraktionen, der eben dieses fordert.