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Irene Fröhlich zur Biomasseverwertung
= RESSEDIENST P Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Es gilt das gesprochene Wort! Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel TOP 10 – Bodenschutz und Verwertung von Biomasse - Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin Telefax: 0431/988-1501 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172/541 83 53 Irene Fröhlich: E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de Nr. 235.02 / 09.10.2002 Die Biomassenutzung hat viele VorteileDas Problem des Klärschlammes und seiner Nutzung beschäftigt uns schon lange. Ei- gentlich könnte dies ein wunderbarer Teil eines biologischen Kreislaufes sein, wenn Klärschlämme über die Düngung wieder in die Produktion von Lebensmitteln eingeführt werden könnten. Doch leider ist ja, wie bekannt, die Belastung des Klärschlamms so hoch, dass eine Nutzung oft hochproblematisch ist.So wird in einer mehr als 600-seitigen Expertise der nordrhein-westfälischen Umweltmi- nisterin Bärbel Höhn folgendes Fazit gezogen: In Zukunft sollten Klärschlämme statt über die Felder "möglichst über Verbrennungsanlagen entsorgt werden".Klärschlamm ist ein übel riechender Stoff, der womöglich Erbgut schädigt, Krebs erregt, die Umwelt attackiert und fast immer unhygienisch ist. Salmonellen, Wurmeier, der für die Gelbsucht ursächliche Hepatitis-A-Virus - das "gesamte Spektrum von Krankheitser- regern menschlicher Herkunft" könne in Klärschlämmen enthalten sein, warnte bereits vor mehr als zwei Jahren der Sachverständigenrat für Umweltfragen.Dennoch wird die Klärschlammentsorgung auf den Feldern sogar als ökologisch korrekte "Verwertung" tituliert. Von den knapp drei Millionen Tonnen Trockensubstanz, die jährlich zu entsorgen sind, landen rund 45 Prozent auf den Feldern.Zwar wird der Klärschlamm mit deutscher Gründlichkeit überwacht und überprüft; die vermeintlich schadlose "ordnungsgemäße" Klärschlammausbringung wird sogar in einer eigenen Verordnung geregelt - gefahndet wird aber nur nach einer kleinen Auswahl der im Klärschlamm lauernden Schadstoffe.Deshalb bin ich sehr froh, dass die Landesregierung in Zusammenarbeit mit der kommu- nalen Seite und der Landwirtschaftskammer schon sehr früh sogenannte Referenzwerte erarbeitet hat und diese zur Anwendung bei der landwirtschaftlichen Klärschlammverwer- tung empfiehlt. Diese Referenzwerte schöpfen die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte nur zu 30 bis 50 Prozent aus und bieten damit eine zusätzliche Sicherheit für die ProduzentInnen und VerbraucherInnen landwirtschaftlicher Produkte. Mit der Empfehlung dieser Referenz- werte hat Schleswig-Holstein bundesweit Beachtung gefunden.Interessant ist die Feststellung in dem Bericht, dass Klärschlamm und Komposte geeig- net sind, zirka 12 bis 15 Prozent des Phosphatbedarfs in Schleswig-Holstein zu decken. Phosphat ist eine knappe Ressource! Mit Unterstützung des Unweltministeriums wurde von der Firma Seaborne ein Verfahren entwickelt, das Klärschlamm in brauchbare und giftige Fraktionen zerlegt. Dieses Verfahren soll demnächst in der Stadt Plön in einen großtechnischen Versuch münden und ist ökologisch wohl am günstigsten beurteilt. Wir hoffen sehr, dass auch die Bundesregierung dieses Pilotprojekt unterstützen wird.Eine Alternative zur Kompostierung von organischen Abfällen ist die Nutzung zur Ener- gieerzeugung. Neben der großen Menge an Energie, die erzeugt werden kann, hat die Biomassenutzung weitere beachtliche Vorteile:• Biomasse ist weitgehend CO2-neutral. • Das Potenzial ist unerschöpflich, weil Biomasse immer wieder nachwächst und dabei sogar noch CO2 bindet. • Biomasse ist speicherbar. Mist und Gülle sind über Monate, Stroh und Holz über Jah- re lagerbar. Biomasse ist gespeicherte Sonnenenergie. • Als heimischer Energieträger wird durch die Nutzung von Biomasse - wie bei der Er- zeugung von Windenergie - Wertschöpfung und Arbeitplätze ins Land verlagert. Ins- besondere der ländliche Raum profitiert von der Biomassenutzung. Die Biomasse- wirtschaft ist ein langfristiger Wachstumsmarkt. • Biomasse lässt sich in vielfältige Nutzungsformen umwandeln: Verbrennung zur Wärmeerzeugung, Gas, Elektrizität. • Die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme durch Kraft-Wärme-Kopplung ist möglich. • Die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit ist niedrig. Biogene Energieträger sind billig, die Rohstoffpreise liegen unter den fossilen Energieträgern. Die Umwandlungstechnik ist allerdings noch teuer, weil es bisher keine Großserien gibt und auch noch technischer Entwicklungsbedarf besteht. Die Kosten der CO2- Reduktion sind vergleichsweise günstig. • Es gibt eine Reihe weiterer Umweltvorteile: Geruchsabbau bei Gülle durch Biogaser- zeugung, Verminderung von Methanemissionen, Landschaftspflege kann ökonomisch werden.Zur Biomassenutzung geeignet sind land- und forstwirtschaftliche Reststoffe wie Gülle und Festmist, Stroh, Holzhackschnitzel, Landschaftspflegerückstände sowie nativorgani- sche Stoffe aus der Abfallwirtschaft und Klär- und Deponiegas.Hier stört mich allerdings, dass auch ganz nebenbei vom gezielten Anbau von Energie- trägerpflanzen die Rede ist. Sämtliche Reststoffpotenziale sollten ausgeschöpft werden, bevor an den Gebrauch landwirtschaftlicher Anbauflächen für Energienutzung zu denken ist. Die stoffliche Verwertung hat eindeutig Vorrang vor energetischer Verwertung. ***