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10.10.02 , 17:57 Uhr
B 90/Grüne

Angelika Birk zu Leistungsvergleichen an Schulen

= RESSEDIENST P Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 18 – Leistungssteigerung und Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel –vergleiche an Schulen - Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin Telefax: 0431/988-1501 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172/541 83 53 Angelika Birk: E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de

Nr. 242.02 / 10.10.2002


Zentrale Abschlussprüfungen und Leistungsdruck sind keine Patentrezepte zur Schulreform
Regionale, bundesweite und internationale Leistungsvergleiche durch moderne Evaluati- on der Schulen, wie sie in Deutschland mit jahrzehntelanger Verspätung mit der Teil- nahme an weltweiten Studien endlich begonnen wurden, müssen, so wie es in anderen Staaten üblich ist, zur Routine werden.
Deshalb begrüßen wir, dass das Land Schleswig Holstein gemeinsam mit Bayern, die nächste Phase der PISA-Studie im Auftrag aller Bundesländer für ganz Deutschland vor- bereitet und Schleswig Holstein auch an anderen Leistungstests, wie z.B. IGLU teil- nimmt. Außerdem hat die Ministerin eine Reihe von Vergleichsarbeiten angekündigt und die pädagogischen Fachkräfte zu mehr klassen- und schulübergreifenden Zusammenar- beit ermutigt. Die Diagnosefähigkeit der Lehrerinnen und Lehrer soll durch entsprechen- de Schwerpunktsetzung in der Fortbildung gestärkt werden.
Wir freuen uns auf die umfassende Veröffentlichung aller jetzt fertig gestellten Schulprofi- le und gehen davon aus, dass die Rahmenbedingungen schulischer Arbeit wie Rauman- gebot, Arbeitsmittel, Anzahl und Profil der pädagogischen Kräfte keine Betriebsgeheim- nisse sind.
Die CDU will aber eine Rolle rückwärts: Ihr Antrag zu Leistungsvergleichen zielt vor allem auf mehr Leistungsdruck und Auslese für die einzelnen SchülerInnen. Wir wollen die Schulleistung überprüfen und dies geht natürlich über die Lernleistungen der Schüler- schaft, aber diese Tests sollen nicht in einen neuen Leistungsdruck und Auslese der Schülerinnen und Schüler ausarten. Anders als der PISA-Sieger Finnland, wo die Schulen und ihre pädagogischen Fachleute eine große Autonomie haben und auf dieser Grundlage die Höchstleistung der Schüler- schaft erreicht wird, will die CDU mit traditionellen Druckmitteln die Leistung erhöhen.
Während in Skandinavien das Lernen in leistungsheterogenen Lerngruppen üblich ist, weil in den ersten Jahren auf bessere und humanere Formen von Leistungsüberprüfung als Noten und Zeugnisse gesetzt wird und auf der Grundlage dieser Freiheiten erst ge- gen Ende der Schulzeit zentralisierte Prüfungen üblich sind, zielt der CDU-Antrag auf noch mehr Leistungshomogenität in den Lerngruppen von Schulbeginn an und damit auf frühere Auslese.
Obwohl die finnischen Schulbehörden, die Hochschulen und auch die Kommunen mehr über die Schulen und ihre Leistungsprofile wissen als bei uns üblich, wird darauf geach- tet, dass kein unfaires entmutigendes Schul- oder Schülerranking erfolgt, in dem öffent- lich Äpfel mit Birnen verglichen werden. Denn auch in Finnland ist die Leistung einer Schule in einem bildungsfernen Stadtviertel ganz anders zu bewerten, als die einer Ein- richtung, in der die Kinder der Bildungselite zur Schule geht. Deshalb statten die finni- schen Kommunen bewusst ihre Schulen auch unterschiedlich stark mit öffentlichen Mit- teln aus, um soziale Defizite frühzeitig zu kompensieren.
In einem Staat, in dem es, wie in Deutschland zu viele traditionelle Prüfungsverfahren und zu wenig Lerndiagnostik, zu viel Sitzen-bleiben und zu wenig fördernde Leistungsan- reize gibt, nützt es nichts, schneller in die falsche Richtung laufen, sondern endlich ein- mal den Kopf zu drehen und sich neu zu orientieren.

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