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11.11.02 , 16:11 Uhr
Landtag

Arens zur Eröffnung der 19. Kinder- und Jugendbuchwochen: "Kopfkino ist schöner als Massenware im Fernsehen"

D E R L A N D T A G A SCHLESWIG - HOLSTEIN a 156/2002 Kiel, 11. November 2002 Sperrfrist: Redebeginn, 11. Nov. 2002, 19:30 Uhr Es gilt das gesprochene Wort!


Arens zur Eröffnung der 19. Kinder- und Jugendbuchwochen: „’Kopfkino’ ist schöner als Massenware im Fernsehen“
KIEL (SHL) – Heute werden um 19:30 Uhr in der Stadtbücherei in Geesthacht die 19. Kinder- und Jugendbuchwochen eröffnet. Land- tagspräsident Heinz-Werner Arens sagte dazu in seinem Grußwort un- ter anderem:
„’Jede Menge Zoff – und dann?’, so lautet das diesjährige Motto. Zum Thema ‚Zoff’ fällt einem gerade im Rückblick auf das vergangene Jahr eine Menge ein: Denn nach diesem PISA-geprägten Jahr möchte man fast sagen: Nie waren diese Wochen so wertvoll wie heute! Die Lese- fähigkeit unserer Kinder und Jugendlichen stand gleich mehrfach auf dem Prüfstand. Und was herausgekommen ist, löste Erschrecken und zum Teil hektische Reaktionen aus. Laut PISA kommen fast ein Viertel der 15-jährigen beim Lesen nicht über das elementare Niveau hinaus.

In unserer hochmodernen Gesellschaft drohen offensichtlich grundle- gende Fähigkeiten verloren zu gehen. Der Leiter einer Kieler Grund- schule stellte fest: ‚Lesen findet nur noch in der Schule statt, im übri- gen Leben aber nicht.’ Die Mainzer Stiftung Lesen hat ermittelt, dass rund 9 Millionen Deutsche so schlecht lesen und schreiben können, dass sie als Analphabeten gelten müssen. Die Erfahrung zeigt, dass es nicht reicht, Lesen und Schreiben beigebracht zu bekommen. Man kann es auch verlernen, wenn man nicht dran bleibt. Da verwundert es nicht, dass nur noch in einem Viertel der Elternhäuser Kinder zum Le- sen animiert werden. Vor zehn Jahren waren das noch doppelt so vie- 2

le. Die tägliche Buchlektüre ist in der Gesamtbevölkerung um 50 Pro- zent zurückgegangen. All das sind Befunde, die wir der Mainzer Stif- tung Lesen verdanken. Fakt ist demnach, dass Kinder und Jugendli- che unter den Erwachsenen immer weniger Vorbilder finden, wenn es um das Lesen geht.

Die entscheidende Frage heißt nun also: Warum verbringen viele ihre Zeit lieber vor dem Fernseher oder dem Computer als es sich mit ei- nem Buch gemütlich zu machen? Im Schnitt verbringen Erwachsenen über 2 Stunden am Tag vor dem Fernseher. Was genau hat uns die Freude am Lesen und die dazugehörige Muße genommen? Um das zu beantworten, muss man die gesamtgesellschaftlichen Ent- wicklungen in Augenschein nehmen. Zweifellos kann man beobach- ten, dass unser Leben immer stärker von Hektik und Zeitdruck geprägt ist. Offensichtlich gibt es zumindest noch eine Sehnsucht nach Ruhe und Muße. Und genau da müssen wir ansetzen, wenn wir die Lust am Lesen wieder wecken wollen. Denn wer als Kind die Erfahrung macht, wie schön es ist, sich in eine Lesewelt hinein zu begeben, und dass das „Kopfkino“ oft viel schöner ist als die Massenware im Fernsehen, der bleibt beim Lesen trotz aller Alternativen am Ball. Um dieses Er- lebnis weiter zu geben, können und dürfen wir Erwachsenen uns aber keineswegs auf die Institutionen Schule und Kindertagesstätten ver- lassen. Wir selbst sind gefragt der Forderung der britischen Autorin Joan Aiken nachzukommen und uns und unseren Kindern täglich eine Vorlesestunde zu gönnen.
Sprach- und Lesefähigkeit sind notwendige Voraussetzungen für die aktive Teilnahme an unserer Gesellschaft. Unsere Demokratie lebt vom Mitmachen, nicht vom Zuschauen und schon gar nicht vom Weg- sehen. Wer hiervon also nicht von vornherein einen Teil der Menschen ausschließen will, muss aktiv werden. In Berlin gibt es bereits einen vorbildlichen Verein, der zum Beispiel ehrenamtliche Vorleser vermit- telt. ‚Lesewelt’ heißt er und wurde vor zwei Jahren gegründet. Dahinter steckt die richtige Einsicht, dass Leseförderung eine wichtige gesell- schaftspolitische Aufgabe ist.“
Herausgeber: Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel, Postf. 7121, 24171 Kiel, Tel.: (0431) 988- Durchwahl -1163, -1121, -1120, -1117, -1116, Fax: (0431) 988-1119 V.i.S.d.P.: Dr. Joachim Köhler, Annette Wiese-Krukowska, E-Mail: Joachim.Koehler@landtag.ltsh.de Internet: www.sh-landtag.de – Presseinformationen per E-Mail abonnieren unter www.parlanet.de/presseticker

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