Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Verschuldung junger Menschen: Wirtschaft hat auch Verantwortung
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82 SSW-Landtagsvertretung Norderstr. 74PRESSEINFORMATION D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, den 13.11.2002 Silke Hinrichsen Es gilt das gesprochene Wort„Die Kreditwirtschaft, die Unternehmen und die Werbebranche tragen eine soziale Verantwortung, der sie nicht gerecht werden.“TOP 26 Schutz junger Menschen vor Verschuldung (Drs. 15/2107)Man muss keine Wissenschaftlerin und kein Bankfachmann sein, um festzustellen, dass dasVerhältnis der Kinder zu Geld sich im letzten Jahrzehnt deutlich geändert hat. Heute besitzen6jährige ein Handy. 12jährige haben ein Girokonto mit dazugehöriger Geldkarte und werdenvon den Banken als Kunden umworben. Es gibt sogar Investmentfonds, die sich als The-menfonds auf die Lieblingsmarken der Kids konzentrieren. Kinder und Teenager gelten alseine der attraktivsten Zielgruppen der Werbung. Nach Berechnungen des Münchener Institutsfür Jugendforschung verfügt die Gruppe der 6- bis 17-Jährigen über rund 15 Milliarden Markaus Taschengeld, Geschenken und Sparguthaben.Es gehört auch nicht viel mehr als etwas Vernunft und Menschenkenntnis um zu wissen, dassdie Kleinen damit völlig überfordert sein können. Sie müssen sich als mündige Konsumentin-nen und Konsumenten, in der schönen neuen Welt des Konsums bewähren. Deshalb verwun-dert es nicht, dass die Zahl von Kindern und Jugendlichen wächst, die noch vor der Volljäh-rigkeit in die Schuldenfalle tappen. Dabei machen die Zahlen in dem schon vorliegenden Be-richt deutlich, dass es aber auch keinen Grund zur Überdramatisierung der Situation der Kin-der und Jugendlichen gibt. Die ersten Schulden wie Handyschulden und Überziehungskredite Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de bleiben innerhalb der Familie. Sie führen vermutlich nicht zwangsläufig zu den weiteren sozi-alen Folgeproblemen, die wir am meisten fürchten. Die spannende Frage ist, ob die jungenMenschen es schaffen, auf eigenen Beinen zu stehen, wenn sie vom eigenen Einkommen le-ben müssen. Vieles deutet darauf hin, dass ein Teil von ihnen Probleme damit hat. Abschlie-ßend können wir diese Frage aber heute nicht beantworten.Man muss keine Wissenschaftlerin und kein Kreditfachmann sein, um die Probleme zu beob-achten. Aber dieses reicht für eine Politik gegen die Verschuldung von jungen Menschennicht aus. Um die richtigen politischen Rezepte zu finden, brauchen wir eine solide Daten-grundlage, die uns das Problem detailliert beschreibt. Eine entsprechendes Gutachten des In-stituts für Sozialrecht und Sozialpolitik der Uni Kiel ist schon unterwegs. Deshalb haben wiruns im Ausschuss ja auch darauf verständigt, dass wir mit dem Thema weiter arbeiten, wenndiese Studie als Grundlage vorhanden und ausgewertet ist.Eines möchte ich allerdings jetzt schon anmerken: Es wird auf jeden Fall nicht reichen, nurauf Hilfe und Prävention durch Schuldnerberatungsstellen und Verbraucherberatung zu set-zen. Das sind ohne Zweifel sehr wichtige Ansätze. Aber es wäre eine Kapitulation der Politik,wenn man sozusagen nur auf Verhaltensprävention setzt. Es ist unübersehbar, dass eine derUrsachen der Verschuldung in der aggressiven Vermarktung von Produkten liegt, die erstKonsumbedürfnisse schafft. Die Kreditwirtschaft, die Unternehmen und die Werbebranchetragen hier auch eine soziale Verantwortung, der sie nicht gerecht werden. Dass auch dieserWeg etwas bringen kann, zeigt die Diskussion Mitte der 90er Jahre um Kinder und Banken.Auch wenn die Banken bestimmt nicht von den jungen Kunden abgelassen haben, so habensie sich doch sichtbar gemäßigt. Mir ist klar, dass das nicht ohne Druck der Kreditaufsicht ab-gelaufen ist. Trotzdem müssen wir auch die Wirtschaft neben allen anderen daran erinnern,dass wir sie nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de