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Detlef Matthiessen zum Gütesiegel in der Holzwirtschaft
= RESSEDIENST P Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 27 – Gütesiegel in der Holzwirtschaft - Düsternbrooker Weg 70 24105 KielDazu sagt der forstpolitische Sprecher Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Telefax: 0431/988-1501 Detlef Matthiessen: Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de Nr. 276.02 / 14.11.2002Naturnahe Waldwirtschaft ist ökonomisch erfolgreichDer gesamte Landesforst in Schleswig-Holstein ist nach FSC (Forest Stewardship Coun- cil - zu deutsch Welt Forstrat) zertifiziert. Und das ist gut so. Der Waldschadensbericht, einige werden ihn bereits gelesen haben – spricht eine deutliche Sprache. Weit über die Hälfte der Fichten weisen Umweltschäden auf, ebenfalls viele Laubbäume. Es muss et- was geschehen und naturnahe Waldwirtschaft ist der richtiger Weg.Bevor ich mich auf das eigentliche Thema "Gütesiegel" konzentriere, noch zwei Vorbe- merkungen: Das Holzrücken mit Pferden steht durch die Haushaltskürzungen auf dem Spiel. Das ist ein wichtiger Punkt, auch unter dem Aspekt der Genressourcen-Sicherung für die wunderbare Rasse des Schleswiger Kaltblutes. Ich kann ihnen jetzt schon ankün- digen, liebe Kolleginnen, verehrter Herr Minister Müller, dass ich mich in den Haushalts- beratungen dieses Themas besonders annehmen werde.Bedauerlich auch, dass die Komplementärmittel zur Kofinanzierung der Forstförderung nicht mehr zur Verfügung stehen. Hier sollte man noch einmal intensiv über neue Wege nachdenken, sei es Modulationsmittel, sei es Privatmittelbeteiligungen der Begünstigten.Lassen sie mich einige Bemerkungen zu dem gängigen Konflikt zwischen ökologischen Zielsetzungen und ökonomischer Effizienz machen: Wie so oft schneidet der ökologisch richtige Weg der naturnahen Waldbewirtschaftung gegenüber konventionellen Systemen auch ökonomisch besser ab. Monokulturen, Altersklassen-Wald, Kahlschläge, Pestizid- Einsatz im Wald, Anpflanzung von nicht standortangepassten Baumarten, die vermeint- lich frohwüchsiger sind, dies alles ist in der aktuellen Forstdebatte Relikt der Vergangen- heit. Dazu muss man wissen, dass ein Fichtenwald zwar seinen Holzvorrat, gemessen als Kubikmeter Zuwachs pro Jahr und Hektar, schneller aufbaut, dass aber diese Wälder fast nie ihre Schlagreife erreichen, weil die Bäume vorher durch ein Sturmereignis gewor- fen werden. Dieses, wie auch die Brandgefährdung reiner Kieferbestände, ist inzwischen durch Erfahrung gesicherte Erkenntnis.Der naturnahe Wald bietet dagegen, wenn er erst einmal entwickelt ist klare ökonomi- sche Vorteile. Er hat ein vielfältiges Artenspektrum stabil stehender, standortheimischer Bäume, die einzeln nach Zielstärke genutzt werden. Der naturnahe Dauerwald in Nut- zung, hat im Vergleich mit allen anderen Systemen die größten Holzvorräte aufzuweisen.Das größte Problem ist allerdings die globale Forstwirtschaft - oder man muss besser sagen: Raubbauwirtschaft. Dazu einige Zahlen aus dem Bericht: Zwei Drittel aller Holz- produkte werden von den sogenannten G8 Staaten nachgefragt. Allein die Bundesrepu- blik Deutschland importiert jährlich 75 Millionen Kubikmeter Rohholzäquivalente und ist damit der drittgrößte Holzimporteur weltweit, nach USA und Japan. Wir sind für Russland mit 14 Prozent der zweitwichtigste, für Ghana mit 16 Prozent der wichtigste Abnehmer von Holz und Holzprodukten. 25 Prozent des Holzschlags in Russland werden als illegal eingeschätzt, in Ghana werden 60 Prozent als illegal seitens der FAO veranschlagt.Diese tropischen Hölzer werden nicht durch nachhaltige Forstwirtschaft gewonnen, son- dern werden Opfer eines gigantischen Raubbaus an den natürlichen Ressourcen unserer Einen Welt.Wenn wir diesen Ländern Signale geben wollen, dann können wir dieses glaubwürdig nur tun, wenn wir bei uns ebenfalls nachhaltig die Wälder bewirtschaften. Ausweis dieser internationalen Bemühungen um nachhaltige Waldwirtschaft als Teil einer zukunftsver- träglichen Globalwirtschaft ist nun mal die FSC-Zertifizierung. Dazu kommt, dass dieses Zeichen von bedeutenden Nachfragern - ich nenne hier Otto-Versand und Ikea - verlangt wird.Deshalb sollten wir auch weiterhin das FSC-Zertifikat als Gütesiegel in unserer Waldwirt- schaft verwenden, weil das sowohl ökonomisch als auch ökologisch ein sinnvoller Weg ist. ***