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27.01.03 , 11:28 Uhr
Landtag

Holocaust-Gedenkveranstaltung des Landtages und der Landeszentrale für Politische Bildung: Landtagspräsident Arens ruft zur Unterstützung der Bürgerstiftung " SH Gedenkstätten" auf

13/2003 Kiel, 27. Januar 2003


Holocaust-Gedenkveranstaltung des Landtages und der Landeszentrale für Politische Bildung: Landtagspräsident Arens ruft zur Unterstützung der Bürgerstiftung „Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten auf“
Kiel (SHL) – Zu einer Veranstaltung anlässlich des Holocaust- Gedenktages haben Landtag und Landeszentrale für Politische Bildung in das Kieler Schloss geladen (Beginn: 18:00 Uhr). Vor 350 Gästen sagte Landtagspräsident Heinz-Werner Arens zur Begrüßung unter anderem:

„Die Vielzahl von Veranstaltungen in Kiel und im ganzen Land zeigt, dass dieser Gedenktag sich etabliert hat. Es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass es neben zentralen Veranstaltungen wie unserer auch regionale Angebote gibt. Dafür werden auch Orte genutzt, die einst Zentren des jüdischen Lebens in unserem Land oder die Stätten grausamer Verbrechen waren. Ich komme gerade von der Eröffnung der Kultur- und Gedenkstätte „Alte Synagoge“ in Friedrichstadt. Hier ist es nach Jahren der Vorarbeit mit Hilfe des Landes gelungen, die 1938 von den Nationalsozialisten zerstörte und nach dem Krieg als Wohnhaus genutzte Synagoge zur Gedenkstätte zu machen. In Friedrichstadt gab es vor dem Zweiten Weltkrieg die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Schleswig-Holstein. Die Geschichte dieser Stadt ist ein Beispiel dafür, wie es dem Nationalsozialismus gelang, selbst in einem Ort, der sich seit seiner Gründung 1621 die religiöse Toleranz auf die Fahnen geschrieben hatte und diese Toleranz lebte, den Antisemitismus zu etablieren. Den Holocaust haben nur wenige der Friedrichstädter Juden überlebt. 2


Die neue Gedenkstätte wird künftig ebenfalls Teil der „Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten“. Der Vorstandsvorsitzende dieser Stiftung ist unser heutiger Hauptredner Professor Uwe Danker. Die Stiftung leistet für unser Land eine sehr engagierte und verdienstvolle Arbeit. Sie hat Aufgaben übernommen, die zuvor auf staatlicher Ebene erledigt wurden. Mit ihr wird es möglich werden, die Arbeit der Gedenkstätten unabhängig von politischen oder fiskalischen Konjunkturen betreiben zu können. Das Stiftungsmodell ermöglicht zugleich privaten Geldgebern, diese wichtige und unverzichtbare Arbeit durch Zustiftungen zu unterstützen. Die Gedenkstätten an den Orten der NS-Verbrechen sind ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungsarbeit. Deshalb will ich auch hier die Gelegenheit nehmen, für die Unterstützung der Bürgerstiftung zu werben. Denn es ist nicht die Pflicht des demokratischen Staates allein, die Arbeit der Gedenkstätten zu ermöglichen. Wir als Bürgerinnen und Bürger haben die Verpflichtung und auf diese Weise auch die Chance, unseren Beitrag zu leisten, damit verbrecherische Systeme wie der Nationalsozialismus sich niemals wieder etablieren können. Gerade mit Blick auf die junge Generation halte ich es für sehr wichtig, die qualitativ wertvolle Aufklärungsarbeit der Gedenkstätten zu unterstützen und auszubauen.
Ich freue mich, dass wir mit Prof. Dr. Uwe Danker einen Referenten gewinnen konnten, der sich nicht zuletzt durch seine Arbeit an der „Jahrhundertstory“ einen Namen gemacht hat. Er versteht es, Zeit- und Regionalgeschichte verständlich und anschaulich zu präsentieren. Seine Forschungsarbeit trägt dazu bei, komplizierte Abläufe durchschaubar und die Motivlagen der handelnden Menschen nachvollziehbar zu machen. Wir haben ihn gebeten, in seinem Vortrag die Lebenswege eines Täters und eines Opfers im Nationalsozialismus parallel zu betrachten und zu analysieren. Dies geschieht aufgrund folgender Überlegung: Um zu verstehen, was zum Holocaust geführt hat, muss man auch die Täterseite mitbetrachten. Was trieb sie, ihre grausamen Taten im Namen des Führers zu begehen? Wie funktionierte das mörderische System, das so viele Menschen mitmachen und noch mehr zuschauen ließ bei den Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Wer der Antwort auf diese Fragen näher kommen will, muss sich mit einzelnen Biographien befassen und Wege nachkonstruieren. Das ist mühsame historische Forschung, die unverzichtbar ist und noch viele Jahre unterstützt werden muss.“

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