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21.02.03 , 12:58 Uhr
SSW

CDU Antrag zum Literaturfestival: Ein Meilenstein schleswig-holsteinischer Parlamentsbelletristik

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Kiel, den 21.02.2003 Anke Spoorendonk Es gilt das gesprochene Wort

„Dem Verfasser ist mit diesem Erstlingswerk ein Meilenstein in der Gattung der schleswig-holsteinischen Parlamentsbelletristik gelungen.“


TOP 35 Schleswig-Holsteinisches Literaturfestival (Drs. 15/2460)
Es passiert nicht alle Tage, dass uns ein Antrag auf den Schreibtisch flattert, der so viel litera-
rische Qualitäten, eine derartige epische Breite und Tiefe hat, wie der vorliegende Antrag.

Der hohe Anspruch des Autors wird dem Leser schon in den ersten Zeilen offenbar: Die Lan-
desregierung soll prüfen, wie die personellen und finanziellen Voraussetzungen dafür ge-
schaffen werden können, dass ein Literaturfestival in Schleswig-Holstein stattfinden kann „das in Schritten zu einem bedeutenden Literatur- und Buchereignis entwickelt werden könn-
te“. Nicht nur ein Literaturfestival soll es sein – und ein unbedeutendes schon gar nicht.

In den folgenden Kapiteln verdichtet sich die Erzählung zusehends. Die Hauptfiguren werden
eingeführt und entfalten sich in einer Szenerie, die den Leser bedingungslos in ihren Bann
zieht. Es ist förmlich zu greifen, von welch überwältigender Lust am Aufbau dieser virtuellen
Festivalwelt der Verfasser ergriffen worden ist. Alle wesentlichen Gattungen der Weltliteratur
werden wie Schachfiguren auf das imaginäre Brett gestellt – „Roman, Novelle, Erzählung,
Lyrik, Sachbuch, Biographie und Autobiographie, Reisen, Abenteuer, Verkehrs-, Schifffahrts-
und Marineliteratur, Frauenliteratur, Kriminalroman, Sciencefiction, Sport- und Kinderlitera-
tur“. Der Leser wird mit dem Verfasser ergriffen von der Idee, das Spiel zu beginnen, das
Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2010 zum Großmeister machen soll. Und wieder überlässt
www.ssw-sh.de - info@ssw-sh.de der Autor nichts dem Zufall: Selbst das Spielbrett hat er schon mit ungeheurer Kreativität und
großer Suggestionskraft ausgemalt: „breit gestreut in vielen Groß-, Mittel- und Kleinstädten
aber auch auf geeigneten Herrensitzen unter Einbeziehung insbesondere von Hotel- und ge-
eignet Gaststättenunternehmen“ soll das Spektakel stattfinden. An dieser Stelle entfalten sich
die außerordentlichen erzählerischen Qualitäten des Autors in ihrer vollen Ausdruckskraft;
denn wie lapidar und unbedeutend wäre es doch gewesen, einfach „in ganz Schleswig-
Holstein“ zu schreiben, wie manch anderer Autorenkollege es in seiner Unbedarftheit getan
hätte.

Zu den größten Qualitäten dieses Werks gehört aber, dass der Autor sich bei der Entfaltung seiner Vorstellungskraft nicht von irritierenden Details beirren lässt. Die Tatsache, dass es
schon erfolgreiche Literaturveranstaltungen in Schleswig-Holstein gibt, wird virtuos in die ei-
gene Konzeption aufgenommen: „Die bisherigen und vielfältigen Literaturaktivitäten in
Schleswig-Holstein bleiben davon unberührt oder können sich freiwillig in das Literaturfesti-
val eingliedern“, schreibt der Verfasser und greift so jeder aufkeimenden Flucht des Lesers in
die trostlose Wirklichkeit voraus.

Ein phantasieloser Scharlatan, wer da noch anmerkt, dass es nicht ausreicht, einen Heinz G.
Konsalik in eine holsteinische Scheune zu bitten - oder gar dass dieses nicht auch noch Auf-
gabe des Landes sein soll. Eine schnöde Erbsenzählerin, wer auf die ohnehin schon großen fi-
nanziellen Lasten hinweist, die das Musikfestival dem Land beschert. Von solchen unbedeu-
tenden Details lässt sich der Autor zum Glück nicht aus der Ruhe bringen. Und so kulminiert
die Erzählung in einer ebenso kühnen wie grandiosen Vision: Die Menschen werden zu Hun-
derttausenden in die Großstädte, Mittelstädte, Kleinstädte und Herrenhäuser strömen, um den
Dichtern von nah und fern zu lauschen.

Dem Verfasser ist mit diesem Erstlingswerk ein Meilenstein in der Gattung der schleswig-
holsteinischen Parlamentsbelletristik gelungen. Deshalb freuen wir uns auf die Besprechung
im nächsten literarischen Gesprächskreis unter Leitung des nordfriesischen Kulturpapstes.


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