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03.04.03 , 17:04 Uhr
SSW

Rücknahme des Erlassentwurfs individuelle "Lernpläne"

PRESSEINFORMATION Kiel, den 2.4.2003 Es gilt das gesprochene Wort

TOP 16 Rücknahme des Erlassentwurfs individuelle „Lernpläne“( s. 15/2568)
Anke Spoorendonk: „Individuelle Lernpläne sind ein vernünftiger Ansatz. Ergeb- nisse der Iglu-Studie sind ein Plädoyer für die Verlängerung der Grundschulzei- ten!“
Im Rahmen der Schulentwicklung und als eine Konsequenz aus der Pisa-Studie will die Landesre- gierung ab Klassenstufe 3 das pädagogische Instrument eines individuellen Lernplanes für die Schülerin und Schüler einsetzen. Dieses soll sie besser fördern und dazu beitragen, dass weniger Kinder und Jugendliche als bisher Schulversagen, Klassenwiederholungen oder Schulartwechsel er- fahren. Mit dem individuellen Lernplan kann die Lernentwicklung eines Kinder beschrieben und sinnvolle, notwendige Fördermöglichkeiten vorgeschlagen werden. Der Lernplan soll natürlich sukzessiv fort- geschrieben werden und bis zum Ende der Orientierungsstufe gelten. Ein solcher Lernplan kann sowohl für die Eltern als auch für den Lehrer eine wertvolle Richtlinie sein, um die Potentiale der Schülerinnen und Schüler optimal zu entwickeln. So weit die Theorie. Natürlich muss bei der Umsetzung darauf geachtet werden, dass dieses Instru- ment nicht zu bürokratisch und zu einem enormen Aufwand für die Lehrkräfte führen wird. Den- noch unterstützen wir das Prinzip, dass sich Eltern und Lehrer zumindest einmal zusammensetzen und gemeinsam versuchen auszuloten, welche Entwicklungsmöglichkeiten das einzelne Kind in der Schule hat. Der Erlass zu individuellen Lernplänen sichert eine solche gemeinsame Überlegung zum Wohle der Schülerinnen und Schüler zu. Deshalb gibt es aus unserer Sicht keinen Grund für das Ministerium, diesen Entlass zurückzuziehen, wie es der FDP-Antrag fordert. Allerdings muss das Ministerium für eine unbürokratische und flexible Umsetzung des Erlasses sorgen. 2



Dennoch ist dieser Ansatz ja nur ein kleiner Baustein in dem großen Bauwerk, das erstellt werden muss, um die Pisa-Krise zu überwinden. Dabei erscheinen mir die Informationen, die aus der soge- nannten Iglu-Studie an die Öffentlichkeit gedrungen sind, als sehr interessant. Wenn es sich als richtig erweist, dass Deutschland bei der Iglu-Studie, wo es um das Leseverständnis von Viertkläss- lern geht, international gesehen im oberen Feld gelandet ist, dann gibt das schon zu denken. Der Essener Erziehungswissenschaftler Klaus Klemm kommentierte die Iglu-Studie wie folgt: „Bis zur vierten Klasse läuft es im internationalen Vergleich im Großen und Ganzen normal. Die Schwierigkeiten beginnen offenbar mit Klasse fünf“. Das heißt doch: die Probleme fangen in der Sekundarstufe I an . Das müsste einige Politikerinnen und Politiker zum Umdenken bewegen. Un- fassbar ist für mich auf jeden Fall, wie man in Niedersachsen glauben kann, dass eine der Konse- quenzen aus der Pisa-Studie die Abschaffung der Orientierungsstufe sein muss. Das ist ein Rück- schritt in die schulpolitische Steinzeit. Der SSW hat immer für eine Verlängerung der Grundschulzeit plädiert. Sogar für eine ungeteilte Schule bis zur 9. Klasse haben wir uns ausgesprochen. Je länger unsere Kinder gemeinsam in der Grundschule zusammen unterrichtet werden, je besser scheinen die Ergebnisse zu sein. Das zeigt aber nicht nur das Beispiel Finnland, wo es eine ungeteilte Schule bis zur 9. Klasse gibt. Auch die Gesamtschulen hierzulande haben gute Noten bei den bisherigen Schulstudien bekommen. Kann es nicht sein, dass es auch an der besseren sozialen Integration der Kinder und der flexibleren Unter- richtsformen in der Grundschule oder in der Gesamtschule liegt? Natürlich kann man nicht gleich das ganze System umstellen. Darum plädiere ich immer wieder und jetzt erst recht dafür, dass wir es zumindest hinbekommen sollten, im Schulgesetz eine regiona- le Öffnungsklausel für eine sechsjährige Grundschule einzubauen. Ich möchte meinen Redebeitrag mit dem folgenden Satz des Erziehungswissenschaftlers Peter Struck schließen: „Wenn Schulen eher Lernwerkstätten als Belehrungsanstalten sind, wenn die Be- deutung der Noten heruntergefahren wird, wenn Schüler eher von anderen Schülern als von Lehrer lernen dürfen, wenn Lehrer gelassen bleiben und wenn beim Lernen mehr gehandelt und gespro- chen als zugehört werden darf, dann ist Schule deutlich zeitgemäßer und effizienter.“ Das sollten wir uns hinter die Ohren schreiben.



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