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Landesverfassung
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82PRESSEINFORMATION SSW-Landtagsvertretung Norderstr. 74 D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, den 7.05.2003 Silke Hinrichsen Es gilt das gesprochene Wort„Für den SSW geht es ohne wenn und aber um die Aufnahme der Sinti und Ro- ma in die Landesverfassung!“TOP 6 Änderung der Landesverfassung (Drs. 15/2628)Wir hätten in den kommenden Wochen genügend Zeit gehabt, um uns über eine vernünf-tige Lösung bei den Wahlkreisen zu unterhalten. Leider haben die großen Fraktionen denRückzug bei den Diäten nicht dazu genutzt, zumindest den Rest des Reformpakets in Ru-he anzugehen und die Verfassungsänderung zurück zu stellen. Man hat im Gegenteil imInnen- und Rechtsausschuss zu fragwürdigen Mitteln gegriffen um mit der Änderung derLandtagsmandate durchzupreschen. Es darf wirklich nicht sein, dass man eine Verfas-sungsänderung auf eine solche Art und Weise durchdrückt, das ist schlicht einer Verfas-sungsänderung nicht würdig. Der Verfahrensablauf spricht schon für sich: Schon bei derersten Lesung der Verfassungsänderung kam eine zweite Fassung des Antrages zu Bera-tung. Die erste Vorlage musste schon vor der ersten Beratung wegen Mängeln ausge-tauscht werden. Im Ausschuss hat sich die große Koalition völlig kompromisslos gezeigt.Ein Änderungsantrag von FDP und SSW wurde so abgebügelt, dass die Behandlung desAntrags durch SPD und CDU - nicht der Inhalt - durch den wissenschaftlichen Dienst ü-berprüft werden musste. Die ursprünglich von SPD und CDU vorgesehene Vorgehens- www.ssw-sh.de - info@ssw-sh.de 2weise verstößt sowohl gegen die Geschäftsordnung des Landtages wie gegen die Landes-verfassung. Und es ist schon mehr als bedauerlich, wenn man heute diese Debatte inzweiter Lesung mit Gewalt zu einem Ende bringen will.Dabei gibt es sehr viele Gründe, die Reform der Landtagsmandate ruhig anzugehen undnoch einmal zu überdenken. Denn wir sind uns ja trotz allem einig, dass die Zahl der Ab-geordneten im Landtag reduziert werden muss. Alle Fraktionen wollen, dass das Parla-ment nicht über die heute in der Landesverfassung festgeschriebenen 75 Mandate hinauswächst. Uneinigkeit besteht nur in der Frage, wie dieses am besten gewährleistet werdenkann. Wir wollen die Zahl der Wahlkreise auf 38 reduzieren. SPD und CDU wollen sielieber auf 40 reduzieren und die Regelgröße von 69 Abgeordneten in der Landesverfas-sung festschreiben. Sie gehen aber gleichzeitig davon aus, dass diese Zahl regelmäßig ü-berschritten werden wird.Entscheidend ist, welche Regelung am besten vermeidet, dass der Landtag wieder größerwird als die Landesverfassung es vorsieht. Wir meinen, dass die 38 Wahlkreise es sind,und werden dabei vom Landeswahlleiter bestätigt. Seine Berechnungen kommen zu demErgebnis, dass nur unser Weg eine zuverlässige Reduzierung der Mandate bringt. SPDund CDU meinen, dass ihre Lösung besser ist. Sie behaupten, dass sie besser rechnenkönnen als der oberste Wahlexperte Schleswig-Holsteins.Leider ist es den großen Fraktionen bisher nicht gelungen, überzeugend darzulegen, wes-halb ihre 69er Lösung besser sein sollte. Die Reduzierung der Mandate ist es nicht. Wirhaben lange gesucht, aber wir haben auch keine andere plausible Erklärung dafür gefun-den, weshalb dieser Weg besser sein sollte. Die einzige rationale Erklärung, die übrigbleibt, ist, dass diese Lösung am besten die Interessen der großen Fraktionen vertritt. Da www.ssw-sh.de - info@ssw-sh.de 3diese Interessen nicht unbedingt die unseren sind und da wir weiterhin am Ziel der best-möglichen Reduzierung der Abgeordnetenzahl festhalten, können wir dieser Änderungnicht zustimmen.Man hätte diese Denkpause, die aufgrund des Handlings entstanden ist, nutzen können,um wieder allen Fraktionen die Möglichkeit zu geben, an einer verständlichen und einver-nehmlichen Lösung mitzuarbeiten. Angesichts der verfahrenen Situation - die ja nicht nurCDU und SPD betrifft, sondern das gesamte Parlament - wäre es gut gewesen, wenn wirdiese uns alle berührenden Fragen gemeinsam hätten erörtern können. Wir können nurgemeinsam versuchen, das Vertrauen der Bevölkerung durch ein ausgewogenes und be-sonnenes Verfahren wiederherzustellen.Der SSW ist gegen eine Änderung der Landesverfassung gewesen, die allein zum Ziel hat,die Zahl der Mandate zu begrenzen und die Funktionszulagen im Landtag abzusichern.Der Antrag heute mit der erneuten Änderung der Vorlage zur Verfassungsänderung istkein verständliches , ruhiges Verfahren, wie es der Sache angemessen wäre. Zum einenmeinen wir, dass die Landesverfassung nicht instrumentalisiert werden darf, um die Inte-ressen der großen Fraktionen zu sichern. Zum anderen finden wir es unendlich bedauer-lich, dass SPD und CDU sich innerhalb keiner Zeit auf eine Verfassungsänderung in eige-ner Sache verständigen können, während die wirklich wichtigen Verfassungsänderungenimmer wieder am Widerstand einer der großen Fraktionen scheitert.Wir haben deshalb gemeinsam mit der FDP die Initiative für ein Verfassungspaket ergrif-fen, das auch die inhaltliche und heute auch tatsächliche Unterstützung der Grünen gefun-den hat und das einige wirklich wichtige Änderungen der Landesverfassung enthält. Si-cherlich haben auch FDP, B90/Die Grünen und SSW ganz unterschiedliche Prioritäten www.ssw-sh.de - info@ssw-sh.de 4wenn es um diesen Gesetzentwurf geht. Für den SSW geht es ohne wenn und aber um dieAufnahme der Sinti und Roma in den (Minderheiten-) Artikel 5 der Landesverfassung.Diese Forderung haben wir immer wieder aufgestellt und sie hat leider bis heute Aktuali-tät und Vorrang. Die Sinti und Roma gehören zu den 4 anerkannten Minderheiten inDeutschland. Die Lücke in der Landesverfassung, die aufgrund der Diskussionen in denneunziger Jahren nicht geschlossen wurde, ist heute zu erkennen und zu schließen. So-wohl die Rahmenkonvention des Europa Rates und als auch die Sprachencharta berück-sichtigen diese Minderheit, deshalb ist es notwendig auch in Schleswig- Holstein die hierlebende dritte Minderheit mit in die Landesverfassung aufzunehmen. Für uns kommt dieseForderung weit vor allem anderen. Daraus haben wir auch bislang nie einen Hehl ge-macht.Mit einer solchen gemeinsamen Initiative, die viele weitere Punkte enthält, haben diekleinen Fraktionen bewiesen, dass wir zu Konsenslösungen bereit sind. Eben diese Suchenach Kompromissen vermissen wir in den großen Fraktionen aber schmerzlich im Mo-ment. Ich hoffe, sehr, dass wir das Diätendebakel bald hinter uns lassen. Wir müssen wie-der lernen, jenseits der Kompromisslosigkeit großer Koalitionen gemeinsam an den Prob-lemen zu arbeiten, die unsere Wählerinnen und Wähler wirklich berühren und nicht nuraufregen. www.ssw-sh.de - info@ssw-sh.de