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20.06.03 , 12:07 Uhr
FDP

Ekkehard Klug: Zentralabitur ist kein Qualitätssiegel

FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1



Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL Vorsitzender Nr. 181/2003 Dr. Heiner Garg, MdL Stellvertretender Vorsitzender Kiel, Freitag, 20. Juni 2003 Dr. Ekkehard Klug, MdL Parlamentarischer Geschäftsführer Sperrfrist: Redebeginn Christel Aschmoneit-Lücke, MdL Joachim Behm , MdL Es gilt das gesprochene Wort! Günther Hildebrand, MdL Veronika Kolb, MdL Schulpolitik/Zentralabitur
Ekkehard Klug: Zentralabitur ist kein Qualitätssiegel



www.fdp-sh.de In der Landtagsdebatte über den CDU-Antrag zur Einführung des Zentralabiturs (TOP 13) erklärte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dr. Ekkehard Klug:
„Das Zentralabitur ist kein Qualitätssiegel. Es bietet keine Gewähr für das Niveau gymnasialer Bildung.
Die Ländervergleichsstudie PISA-E hat empirisch nachgewiesen, dass die Orientierung an zentral vorgegeben Inhalten der Abiturprüfung keine höhere Qualität der Schulbildung sichert.
Schleswig-Holsteins Gymnasien erreichten beim Vergleich naturwissenschaftlicher Leistungen den ersten Platz, das CDU-regierte Saarland hingegen nur Platz 10. Das damals noch SPD-regierte Land Sachsen-Anhalt hat sogar nur den 16. Platz - von 16 Bundesländern - erreicht. Weder im Saarland noch in Sachsen-Anhalt ist also auch nur in Ansätzen erkennbar, dass sich die Schulen bei Einführung eines Zentralabiturs an höheren Qualitätsmaßstäben orientieren.
Wenn Frau Kollegin Eisenberg in einer Pressemitteilung vom 26. Mai ihren Ruf nach einem Zentralabitur mit einer angeblich dadurch erreichbaren Qualitätsverbesserung des Unterrichts und einer Senkung der Studienabbrecherquoten begründet, so muss ich feststellen: Es gibt wirklich nicht die geringste Rechtfertigung für eine solche Annahme!
Die Union argumentiert im Antragstext auch mit anderen Begründungs- elementen: Vergleichbarkeit, Transparenz, Prüfungsgerechtigkeit.
Diese Argumentation wäre nur dann plausibel, wenn in allen Bundesländern das gleiche Zentralabitur geschrieben werden sollte. Von Land zu Land unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Aufgabenstellungen bei einem auf Länderebene eingeführten Zentralabitur würden die Argumentation der Union schon im Ansatz entkräften.
Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 1 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 2 Außerdem: Bei der Abiturprüfung geht es vor allem darum, komplexe Fragestellungen zu bearbeiten und die Kompetenz zur eigenständigen und vertiefenden Bearbeitung eines Problems unter Beweis zu stellen.
Ein einfaches Bewertungsraster, wie es etwa bei der Auswertung von Vergleichsarbeiten in der Grundschule im Hinblick auf Grundkenntnisse und grundlegende Fertigkeiten der Schüler möglich ist, lässt sich also auf die Bewertung und Benotung einer Prüfungsleistung im Abitur kaum übertragen. Selbst bei zentral vorgegebenen Aufgaben bliebe die Bewertung der Abiturleistungen eine Aufgabe der einzelnen Schule.
Außerdem wird das Abitur von den Schülern in ganz unterschiedlichen Prüfungsfächern abgelegt. Das Ziel einer absoluten Vergleichbarkeit und Prüfungsgerechtigkeit lässt sich auch aus diesem Grunde in der Praxis nicht erreichen.
Will man die Qualität der Abiturprüfung erhöhen, muss man vor allem die zuvor im Unterricht behandelten Inhalte und deren Niveau betrachten, also das, was bei Abschluss der Schule Gegenstand und Grundlage der Prüfung sein kann. Man darf sich also nicht allein auf die Abiturprüfung fixieren. Schon vor der gymnasialen Oberstufe muss der Unterricht so gestaltet sein, dass die Schüler über die Erfahrung des eigenen Kompetenzgewinns ein dauerndes Interesse an ihren Fächern gewinnen und die für eine anspruchsvolle Bildung erforderliche Leistungsbereitschaft entwickeln bzw. bewahren.
Die Gestaltung des Unterrichts und die Qualität der Fachdidaktik sind dabei auch von wesentlicher Bedeutung für die Frage, ob später, in der Oberstufe, Fächer gewählt werden, die die Schüler heute leider oft abwählen.
Dass in Schleswig-Holstein nur 3,4% der Gymnasiasten und 2,5% der Gesamtschüler Abitur-Leistungskurse im Fach Chemie belegen (wie aus einer von mir im vergangenen Jahr gestellten Kleinen Anfrage hervorgeht), zeigt, dass derzeit in der Mittelstufe oft nicht die Motivation und das Interesse aufgebaut werden, die erforderlich sind, damit sich in der Oberstufe mehr Schülerinnen und Schüler für solche wichtigen naturwissenschaftlichen Fächer entscheiden. Will man diese Fächer aus bildungs- und wirtschaftspolitischen Gründen stärken, so muss man dazu bereits beim Unterricht in der Mittelstufe ansetzen.
Es gibt jedoch keinen Anhaltspunkt für die Annahme, dass unser schleswig-holsteinisches Abitur den Vergleich mit Abiturprüfungen von Ländern mit Zentralabitur scheuen müsste. Den Schulen könnte man unter Wahrung der heute bestehenden Gestaltungsspielräume das Angebot unterbreiten, Abituraufgaben aus einem landesweiten Aufgabenpool auszuwählen.“



Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 2 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/

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