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28.08.03 , 17:40 Uhr
CDU

Uwe Greve:Vorgelegte Reform wird abgelehnt

Nr. 342/03 28. August 2003
IM SCHLESWIG-HOLSTEINISCHEN LANDTAG
PRESSEMITTEILUNG PRESSESPRECHER Torsten Haase Landeshaus, 24100 Kiel Telefon 0431-988-1440 Telefax 0431-988-1444 E-mail: info@cdu.ltsh.de Internet: http://www.cdu.ltsh.de
Bildungspolitik TOP 26 Uwe Greve: Vorgelegte Reform wird abgelehnt Wahr ist, dass es bundesweit zu Veränderungen in der 2. Phase der Lehrerbildung, dem Referendariat, kommt. Anlass dafür ist die von der Kultusministerkonferenz seinerzeit in Auftrag gegebene sogenannte Terhart-Studie, die die Lehrerbildung insgesamt untersucht und Schlussfolgerungen vorgeschlagen hat. Die Modelle, wie die einzelnen Bundesländer an das Referendariat herangehen, sind so unterschiedlich wie der Föderalismus das so mit sich bringt. Das schleswig- holsteinische Modell ist meiner Kenntnis nach das schlechteste.
In der schleswig-holsteinischen Lehrerbildung gibt es eine Reihe von Fragen, über die man in der Tat nachdenken muss. Zum Beispiel ob man in der 1. Phase der Lehrerbildung, also dem Studium, nicht die Praxisanteile erhöhen und das Pädagogikum auf neue Beine stellen muss. Ebenso gibt es in der Art und dem Umfang der Fortbildung für Lehrer hier bei uns in Schleswig-Holstein einen ziemlich dringenden Handlungsbedarf.
Am wenigsten Handlungsbedarf gibt es aber beim Referendariat. Die Rückmeldungen von Lehrkräften und Referendaren sind gut. Die jungen Lehrkräfte leisten nach dem 2. Staatsexamen in den Schulen gute Arbeit und sie werden in anderen Bundesländern gern eingestellt. Folglich gibt es hinsichtlich der Qualität der 2. Phase der Lehrerausbildung keine Notwendigkeit, das Referendariat auf vollkommen neue Beine zu stellen. Und deshalb schließen wir uns der Forderung der FDP nach einer wissenschaftlichen Evaluierung der bisherigen Ausbildung von Studienreferendaren und Lehramtsanwärtern gerne an. Ebenso unterstützen wir den Vergleich mit dem neuen Modell auch unter Kostengesichtspunkten. Am Ende wird die Zukunft der Lehrerbildung in Schleswig-Holstein allerdings nicht von Wissenschaftlern entschieden, sondern von der Politik. Und deshalb muss uns die Bildungsministerin drei Fragen beantworten:
1. Warum ändern Sie die Referendarausbildung in Schleswig-Holstein? Wo gibt es den empirischen Nachweis, dass die jetzige Lehramtsanwärterausbildung schlecht ist? Wie bei jeder der zahlreichen Reformen muss doch derjenige, der etwas ändern will, zunächst einmal nachweisen, dass der jetzige Zustand schlecht ist und der angestrebte Zustand besser. Beides haben Sie bisher unterlassen, Frau Erdsiek- Rave;
2. Was ist das eigentliche Leitmotiv, was die tragende Philosophie Ihrer Reform des Referendariats?



Die angeführte Praxisnähe kann es nicht sein, weil die derzeitige Referendarausbildung ja bereits praxisnah ist: Sie geschieht an den Schulen und sie geschieht durch Studienleiter, die selber lange Jahre Praktiker gewesen waren oder es neben ihrer Tätigkeit als Studienleiter noch weiter sind.
3. Wenn Sie schon an die Referendarausbildung herangehen, warum fügen Sie nicht einige sinnvolle Änderungen hinzu? Ein Punkt der veränderungsbedürftig ist, an den Sie aber überhaupt nicht herangehen, ist die bessere Verzahnung der 1. und 2. Phase der Lehrerausbildung, sprich eine bessere Verzahnung, inhaltlich wie personell, des Studiums mit dem Referendariat. Bislang sind das Studium und das Referendariat für den Lehramtsanwärter zwei voneinander getrennte Welten. Mit unterschiedlichen Erfahrungen und oftmals auch mit kaum kompatiblen Lerninhalten. Hier gibt es ein tatsächliches Feld der Verbesserung, das Sie allerdings überhaupt nicht beackern.
Lassen Sie mich einige Anmerkungen zu dem neuen Konzept für die Referendarausbildung machen.
1. Zu den Ausbildungsschulen Wir haben in der CDU-Fraktion die große Sorge, dass es durch die Konzentration auf eine bestimmte Zahl von Ausbildungsschulen zu einer mindestens sehr starken Belastung, wenn nicht sogar Überlastung durch den Ausbildungsbetrieb kommt. Es muss sichergestellt sein, dass der normale Schulbetrieb nicht darunter leidet, dass die Schule eine Ausbildungsschule ist, genauso wie gewährleistet sein muss, dass die Ausbildung der Referendare nicht dadurch leidet, dass sich zu viele an eine Schule drängen. In wie weit die zwei Entlastungsstunden pro Referendar den Mentoren ausreichen, wird noch abzuwarten sein.
2. Die kleinen Fächer Nach den Rückmeldungen, die wir in der CDU-Fraktion haben, ist es durchaus möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass insbesondere die Lehrerbildung in den kleinen Fächern durch das Prinzip der Ausbildungsschulen in Schwierigkeiten geraten könnte. Sehr wenige Fachlehrer müssten dann die Referendare betreuen. In Mangelfächern würde es auch nicht möglich sein, die durch die Ausbildung gebundene Zeit der Lehrkräfte durch andere Lehrkräfte zu ersetzen.
3. Vergleichbarkeit Die Dezentralisierung der Referendariatsausbildung läuft Gefahr, die Vergleichbarkeit der Ausbildungsleistung und die Standards zu unterlaufen. In diesem Zusammenhang gehört auch ein ganz großes Fragezeichen, ob es dauerhaft gelingen kann, die Mentoren an den Ausbildungsschulen tatsächlich kontinuierlich auf den neuesten Stand der Didaktik zu bringen und zu halten, wie es in den Landesseminaren der Fall gewesen ist.
4. Lerngruppen Wir sind aus grundsätzlichen Erwägungen dagegen, dass die Lerngruppen an den Seminaren aufgelöst werden und wir sind der Überzeugung, dass diese Lerngruppen sehr wohl zum Bildungsprozess der Lehrerausbildung mit beitragen und sind uns sicher, dass ein solcher Austausch von Referendaren unterschiedlicher Schulen und der Studienleitern den Theorie/Praxisbezug stärkt und der Ausbildung gut tut.
Schon an diesen wenigen Anmerkungen ist zu erkennen, dass das neue Konzept nicht besser ist als das Alte. Deshalb werden wir diese Reform nicht unterstützen.
Reformen haben nur Sinn, wenn das Neue besser als das Alte ist.

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