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24.09.03 , 10:38 Uhr
B 90/Grüne

Karl-Martin Hentschel zu Motorola

Fraktion im Landtag PRESSEDIENST Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 1 – Aktuelle Stunde zu Motorola Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Dazu sagt der Fraktionsvorsitzende Telefax: 0431/988-1501 von Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Karl-Martin Hentschel: Internet: www.gruene-landtag-sh.de

Nr. 245.03 / 24.09.2003
Jetzt muss erst mal alles getan werden, um den betroffenen Menschen zu helfen!
Sehr geehrter Herr Präsident , sehr geehrte Damen und Herren,
die Entlassungen von Motorola sind ein schwerer Schlag: Für die betroffenen Menschen, ihre Familien und für die ganze Region.
In dieser Stunden gehört natürlich unsere Solidarität ihnen und den Betriebräten, die ext- ra aus Flensburg heute nach Kiel gekommen sind, und die ich herzlich begrüße. Meine Fraktion unterstützt den Betriebsrat, die IG-Metall und Minister Rohwer bei den Bemühungen, eine Auffanggesellschaft für die vom Arbeitsplatzverlust betroffenen Mitar- beiterInnen zu bilden. Und ich hoffe, dass es gelingt, von den Subventionsrückzahlungen von Motorola Mittel dafür einzusetzen.
Natürlich fragt man in einer solchen Situation, was falsch gemacht wurde.
⇒ War es falsch, Motorola nach Schleswig-Holstein zu holen? ⇒ War es falsch, dass Heide Simonis nach Chicago gejettet ist, um das Werk zu ret- ten? ⇒ Hätte Herr Kayenburg bei einem Glas Whiskey mehr erreicht?
Ich denke, wir können alle Fragen mit „Nein“ beantworten. Es gibt in diesen internationa- len Konzernen nun mal ein knochenhartes Management, wo jeder Standort jährlich über- prüft wird, und wenn es heute in China billiger ist, dann geht die Produktion nach China.
Wichtig ist: Was können wir daraus lernen, wie können wir Firmenstandorte stabilisieren? 70 Prozent unserer Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein sind lokale Dienstleistungen: In der Gastronomie, im Einzelhandel, in den Krankenhäusern, im Handwerk und im öffentli- chen Dienst. Die laufen nicht weg. Aber bei den Arbeitsplätzen, mit denen für unser Land auf internationalen Märkten Geld verdient wird, damit wir uns all das leisten können, was im Ausland produziert wird, da stehen wir im Standortwettbewerb. Da müssen wir Spitze sein.
Von Motorola bleiben bleibt das Design, die Reparatur und der Vertrieb für Europa in Flensburg und die Entwicklung und Produktion von UMTS-Handys.
Begründet wird dies mit dem Know-how in Flensburg. Design und Vertrieb müssen die lokalen Märkte und Vorlieben im Auge haben – von Sizilien bis ins rumänische Burgen- land – das geht nicht so gut in China. Und bei der Entwicklung kommt es in hohem Maße auf Forschung und Technologietransfer und auf die Zusammenarbeit mit den Hochschu- len des Landes an.
Herr Kayenburg hat, wenn ich es richtig verstanden habe, gestern gefordert, wir sollten uns wieder auf unseren Mittelstand und die Werften besinnen. Ich bin da anderer Auffas- sung. Ich glaube, wir stehen vor einer grundlegenden Debatte über die Förderpolitik die- ses Landes, und wir müssen sie offen führen.
Meine Überzeugung ist: Nur wenn es gelingt, modernste technologische Forschung an unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit den Betrieben im Lande eng zu verzahnen und ein lebendiges Netzwerk von Technologiebetrieben, Zulieferern und Dienstleistern zu schaffen, können wir erfolgreich Betriebe im Land halten.
In den vergangenen Jahren sind zig-tausende von neuen Arbeitsplätzen in Schleswig- Holstein durch die Entwicklung von neuen Technologien entstanden, von der Informati- onstechnologie über die Umwelt- und Energietechnik bis hin zu Bio- und Medizintechni- ken. Deshalb ist es grundfalsch, wenn jetzt von einigen Apologeten gesagt wird, der Weg zur Modernisierung sei gescheitert.
Das Gegenteil ist der Fall, wir investieren eher noch zu viel in die Erhaltung der traditio- nelle Zweige. Die Zukunft braucht aber Hochschulen, Forschungsinstitute und Technolo- gietransferexperten.
Und auch dann wird es schwer sein, Massenproduktionen in Schleswig-Holstein zu hal- ten, aber für die Entwicklung von intelligenten Produkten in Verbindung mit Teilen der Produktion können wir ein guter Standort sein, wenn wir unsere Stärken richtig ausspie- len und alle Anstrengungen unternehmen, um solche attraktiven Unternehmen zu halten. Wir haben eine Chance.
Jetzt aber muss erst mal alles getan werden, um den betroffenen Menschen zu helfen. Und wir unterstützen alle beteiligten Stellen und Akteure dabei, um so schnell wie mög- lich Lösungen für die betroffenen Menschen zu finden. Ich weiß, der Wirtschaftsminister ist da dran! Und ich bin sicher: Alle Fraktionen hier im Landtag stehen einhellig hinter ihm.
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