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Jost de Jager: Schulfach Religion schlittert in eine schwere Kris e
Nr. 424/03 02. Oktober 2003 IM SCHLESWIG-HOLSTEINISCHEN LANDTAG PRESSEMITTEILUNG PRESSESPRECHER Torsten Haase Landeshaus, 24100 Kiel Telefon 0431-988-1440 Telefax 0431-988-1444 E-mail: info@cdu.ltsh.de Internet: http://www.cdu.ltsh.deSchulpolitik Jost de Jager: Schulfach Religion schlittert in eine schwere Krise Ohne eine gemeinsame Kampagne von Kirche und Land droht dem Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach eine schwere Krise. Davor hat der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Jost de Jager , in Auswertung der Antwort auf eine Große Anfrage (Drs. 15/2943) seiner Fraktion am Donnerstag in Kiel gewarnt. Wenn Religionsunterricht weiterhin eine Zukunft behalten soll, muss er „mainstream“ bleiben und darf nicht Minderheitenfach werden. „Irgendwie scheinen Schulen, Schüler, Studierende, Lehrer und die Landesregierung das Interesse am Fach Religion zu verlieren,“ sagte de Jager. Er verwies darauf, dass an den Berufsschulen schon jetzt weniger als die Hälfte aller Schüler überhaupt noch an Religionsgesprächen teilnähmen.Insgesamt würden sich die Kennzahlen für den Religionsunterricht deutlich verschlechtern. Nach jahrelangen stabilen Absolventenzahlen sei nunmehr seit einigen Jahren die Zahl der Studienanfänger im Fach evangelische Religion dramatisch eingebrochen. Hätten sich im Jahr 1993 noch 230 Studienanfänger für alle Schularten eingeschrieben, seien es im Jahr 2002 nur noch 84 gewesen. Dabei sei das Interesse an den Lehrämtern für Realschulen und Gymnasien zwar nicht hoch, aber doch gleichbleibend. Für den Bereich Grund- und Hauptschule habe es in dem Zeitraum allerdings einen Rückgang der Erstsemester von 157 auf 23 gegeben. Dieser Einbruch könne auch nicht mehr durch Weiterbildung ausgeglichen werden. Die Teilnehmerzahlen bei Weiterbildungsveranstaltungen für Grund- und Hauptschullehrer seien seit 1997 um 2/3 rückläufig. Sinkende Nachfrage auch bei der Lehrerfortbildung: Zwischen 1997 und 2002 habe sich die Anzahl von Teilnehmern für einen Zwei-Jahres-Kurs Fortbildung ev. Religion von 345 auf 203 verringert.Ob es aus Lehrermangel oder nachlassendem Interesse von Schülerinnen und Schülern, ist die Belegung von Grundkursen Religion in den Oberstufen der Gymnasien ebenfalls rückläufig. Besonders besorgniserregend ist jedoch, dass die Landesregierung eine rückläufige Bedarfsanmeldung der Schulen für Religionslehrer bestätigt. Hier zeige sich, dass der Religionsunterricht angesichts der schlechten Unterrichtsversorgung zum Verlierer im Verteilungswettkampf um die Stellen an den Schulen geworden sei, so de Jager. Die Landesregierung stünde allerdings in der Pflicht, dieser Tendenz in einem Fach mit Verfassungsrang entgegenzuwirken.Insgesamt zeige sich ein mangelndes Interesse der Landesregierung an diesem Schulfach. Viele Fragen konnte das Bildungsministerium aufgrund einer fehlenden Datenlage überhaupt nicht beantworten. Beim Thema islamischer Religionsunterricht sei die Regierung schlichtweg untätig geblieben: Bis auf einen runden Tisch, der noch keine Ergebnisse gebracht habe, hätte sich hier noch gar nichts getan, so de Jager abschließend.