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Klaus-Dieter Müller zu TOP 39: Neue Unternehmen fördern Innovation
Sozialdemokratischer Informationsbrief Kiel, 13.11.2003 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell TOP 39 – Förderung von ExistenzgründungenKlaus-Dieter Müller:Neue Unternehmen fördern InnovationZunächst möchte ich die Initiative der FDP begrüßen, dieses wichtige mittelstandspoli- tische Thema Existenzgründungen aufzurufen. Es gibt uns die Chance, Funktion und Bedeutung von Existenzgründungen für unsere Wirtschaft deutlich zu machen. – Die Landesregierung unternimmt seit 1996 erhebliche Anstrengungen auf diesem Gebiet, wie die „Existenzgründungsoffensive GO“ und „Starthilfe Schleswig-Holstein“ zeigen.Die Erfolge lassen sich sehen: Der Bericht belegt, was diese Anstrengungen bewirkt haben: Schleswig-Holstein steht seit Jahren, so auch 2002, auf dem Treppchen der er- folgreichsten Gründerländer. Auch die Selbständigenquote ist erfreulich hoch, deutlich höher als der Bundesdurchschnitt.Diese intensive Förderungspolitik von Existenzgründungen dient den Unternehmens- gründungen und der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Das aber ist nur eine Funk- tion, wenngleich eine wichtige: Mit Hilfe der Forschung durch die D*A konnten 2002 6551 Arbeitsplätze gesichert bzw. geschaffen werden, von 1996-2002 waren es sogar 47.892, durch die Investitionsbank 4.715 gesicherte bzw. geschaffene Arbeitsplätze.Aber die Schaffung von Arbeitsplätzen ist bei weitem nicht der einzige Zweck oder gar der strategische Hauptzweck der Unternehmensgründungspolitik. Unternehmensgrün- dungen sind in erster Linie ein wichtiges Instrument zur Förderung von Wachstum und Schleswig- Modernisierung des Produktionssystems. Die Unternehmensdemografie ermöglicht die HolsteinHerausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-kontinuierliche Erneuerung der Branchen: Veraltete Betriebe scheiden aus, und neue, besser an die Marktbedürfnisse angepasste, entstehen, wie das Wachstum des Dienstleistungssektors zeigt. Diese neuen Unternehmen bringen neue Produktideen mit und neue Technologien. Sie können auch die Leistungen der etablierten Unter- nehmen verbessern (Dienstleistungen für andere Unternehmen, Netzwerke, technolo- gische Partnerschaften usw.), z.B. durch Softwarehäuser, Komponenten- und Sub- montagegruppen usw.Aber Neugründungen haben auch Schattenseiten: Hohe Insolvenzquoten in den ersten Jahren. Der Bericht nennt die Zahlen: ca. 64% der beantragten Insolvenzverfahren ent- fallen auf Unternehmen, die jünger als acht Jahre sind, darunter ein Drittel gar auf jün- gere als drei Jahre. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesan- stalt für Arbeit bestätigt, was viele immer schon vermuteten: „Die meisten, die sich selbständig machen, verstehen ihr ‚Handwerk’ kaum. Defizite bestehen vornehmlich im Hinblick auf unternehmerische Kompetenz und Schwächen der Gründungen im Finan- zierungsbereich.“ Beispielsweise wird der Kapitalbedarf von Gründern häufig unter- schätzt. Auch die vorgegebene Finanzierungsstruktur von Förderprogrammen ist oft unzureichend. In aller Regel werden nämlich nur Investitionsgüter finanziert, während Verbrauchsmaterialien und weitere, in der Startphase anfallende Fixkosten unberück- sichtigt bleiben.Die richtige Schlussfolgerung aus alledem ist also nicht, Existenzgründungen politisch zu diskreditieren, sondern die Anstrengungen zu erhöhen, Gründerinnen und Gründer durch intensive hochwertige Beratung zu begleiten. Die Bürgschaftsbank Schleswig- Holstein hat vor vier Jahren damit begonnen, ein Risikofrüherkennungsprogramm zur Pflicht zu machen. Ein einmaliger Check-up des Betriebes als begleitendes Beratungs- instrument hat bereits dazu geführt, dass jede zweite Insolvenz vermieden werden konnte. Dieses Programm ist zwischenzeitlich erheblich ausgebaut worden. Ein Kenn- ziffernreport und ein ganzer Baukasten beratungsbegleitender Maßnahmen werden angewendet. Soweit die Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein in eine Gründung invol- viert ist, ist die jeweilige finanzierende Hausbank verpflichtet, 5000,-- EURO mehr Kre- -3-dit zu gewähren, die dafür verwendet werden, den Gründer fachkundig begleiten zu lassen – ein ganz hervorragendes und wegweisendes Programm aus Schleswig- Holstein.Die Universitäten Köln und Lüneburg haben vor knapp einem Jahr eine bemerkens- werte Studie zum Thema vorgelegt. Es wurden Gründungsaktivitäten und Rahmenbe- dingungen in zehn deutschen Regionen, darunter auch die Region Kiel, miteinander verglichen. Ich möchte einige wenige Sätze aus dem Ergebnis dieser Studie zitieren: „Eine der Stärken der Region (Schleswig-Holstein Mitte) zeigt sich im Bereich der öf- fentlichen Förderinfrastruktur. So bieten nach Ansicht der Experten die öffentlichen Be- ratungsstellen eine kompetente und effektive Unterstützung bei der Suche nach För- dermitteln, und die Gründer finden in der Region schnell den richtigen Ansprechpart- ner. In vielen Gesprächen wurde speziell die Investitionsbank SH mit ihrem erfolgrei- chen Projekt „Förderlotse“ genannt. Das Angebot an unternehmensbezogenen Dienst- leistungen wird in Quantität und Qualität als weitgehend bis völlig ausreichend beur- teilt. Das große Angebot an Technologie- und Gründerzentren und dessen effektive Unterstützung für Unternehmensgründer wird von den Experten als positiv hervorge- hoben. Technologietransfereinrichtungen (insbesondere die Technologie-Transfer- Zentrale SH ) leisten einen erwähnenswerten Beitrag. Auch die physische Infrastruktur schneidet überdurchschnittlich gut ab. Die Bedingungen für Gründer seitens der Ver- kehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur sowie das Angebot an Büro- und Gewer- beflächen werden von den Experten positiv bewertet.“ Als Schwäche, das sie nicht verschweigen, wird das allgemeine Weiter- und Ausbildungsangebot zum Thema Entrepreneurship insbesondere an Universitäten und Fachhochschulen genannt.Die von der Landesregierung vorgelegten Zahlen und diese unabhängige Analyse be- legen eindrucksvoll, wie Schleswig-Holstein zu einem der bedeutendsten Gründerlän- der der Republik geworden ist. Diese Erfolge sind nicht vom Himmel gefallen, sie sind das Ergebnis einer über Jahre konsequent verfolgten klugen Politik. Diese Politik schafft Arbeitsplätze, und sie sichert eine an die sich verändernden Marktbedürfnisse angepasste Erneuerung unserer Wirtschaft. -4-