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13.11.03 , 17:04 Uhr
SPD

Maren Kruse zu TOP 50: Den Standort Schleswig-Holstein für die Lebensmittelbranche sichern

Sozialdemokratischer Informationsbrief

Kiel, 13.11.2003 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell TOP 50 – Ernährungswirtschaft

Maren Kruse:

Den Standort Schleswig-Holstein für die Lebensmittelbranche sichern

Lassen Sie mich am Anfang den Dank der SPD-Landtagsfraktion den Beteiligten aus- sprechen, die an der Erstellung dieses Berichts mitgewirkt haben. Umfang, Form und Inhalt des uns vorgelegten Berichts zur Ernährungswirtschaft in Schleswig-Holstein weichen vom zuletzt erstellten Bericht aus 1997 ab – ein Zeichen des Wandels und der strukturellen Veränderungen, in der auch die Ernährungswirtschaft begriffen ist.

Mit den Ursachen und Auswirkungen, Konsumverhalten, Branchenstrukturen sowie Vi- sionen und Wegen in die Zukunft beschäftigen wir uns heute. Der vorgelegte Bericht zeigt auf, dass der Umsatz in der Ernährungswirtschaft im Vergleich zu 1995 von Platz 1 auf Platz 2 gerutscht ist.

Betrug der Umsatzanteil damals rd. 20%, so sind es heute noch gut 16% am Gesamt- umsatz des verarbeitenden Gewerbes. Mit diesem Umsatzanteil von 16% liegt die Er- nährungswirtschaft in Schleswig-Holstein deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund 11%. Das unterstreicht die hohe Qualität und Beliebtheit schleswig-holsteinischer Lebensmittel im In- und Ausland. Insgesamt ist jedoch ein erheblicher Rückgang des Umsatzes um 14,1% zu verzeichnen. Der Schwerpunkt liegt hier bei den tierischen Verarbeitungsprodukten Fleisch, Milch, Käse und Fisch.


Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-



Der Beschäftigtenanteil ist mit gut 14% nahezu gleich geblieben, allerdings hat sich die Zahl der Beschäftigten um über 1.600 Menschen reduziert. Dabei hat sich die Zahl der Betriebe sogar leicht gesteigert. Dies deutet auf Neugründungen und damit die Zu- nahme von Kleinstrukturen hin.

Auf dem Fleischsektor nimmt der Umsatz bei den Schlachtungen zu, allerdings sinkt die Anzahl der Betriebsstätten bei Fleischereien und Fleischwarenindustrie. Gerade hier geht die Konzentration auf dem europäischen Fleischmarkt in eine neue Runde. Die holländische Bestmeat übernimmt sämtliche Geschäftsbereiche der Nordfleisch, darunter zehn Rinder- und Schweineschlachthöfe, vier Veredelungsbetriebe sowie die Handelsaktivitäten. Es gilt nur noch, die strategischen Ziele zu erreichen, den größt- möglichen Marktanteil auf dem europäischen Markt. Gleiches gilt für die Fischverarbeitung, einhergehend mit einem Rückgang der Anzahl der Beschäftigten. Insgesamt gibt es in der Fischverarbeitung jedoch ein leichtes Um- satzplus. In der Obst- und Gemüseverarbeitung gab es, wie wir alle wissen, im Jahr 2002 einen dramatischen Umsatzausfall aufgrund der schlechten Ernte. Insgesamt von 1995 bis 2001 betrug die Umsatzsteigerung in dieser Sparte aber 14% und zeigt insbesondere an der Westküste und strukturschwachen Gebieten eine sehr positive Entwicklung auf. Bei den Backwaren finden wir eine sehr positive Entwicklung, die jedoch in Richtung größere Filialbetriebe geht. Heute sind in der Backwarenindustrie über 25 Prozent aller Beschäftigten tätig. Die Milch- und Getreideverarbeitung sowie die Getränkewirtschaft zeigen stark rück- läufige Tendenzen auf, die vielfach in der Verlagerung von Verarbeitungskapazitäten und Konzentrationsprozessen zu finden sind. Einzig die Exportquote weist für den Be- richtszeitraum eine Steigerung um 8,5% auf, insgesamt sehr erfreulich. Die Inlandsver- luste konnten dadurch jedoch nur in geringem Maße aufgefangen werden.

Wie eingangs bereits dargestellt, liegt der Umsatzanteil der Ernährungswirtschaft im Bundesdurchschnitt nur bei 11%. Die deutschen Nahrungsmittelhersteller haben im vergangenen Jahr den Umsatz des Vorjahres 2001 nicht mehr erreicht. Die Bundes- -3-



vereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie hat für das Gesamtjahr 2002 einen Branchenumsatz von 125,4 Mrd. Euro errechnet, das sind ein Prozent weniger als im Jahr 2001. Die negative Entwicklung des Gesamtumsatzes der Ernährungsindustrie hat im vergangen Jahr viele Arbeitsplätze gekostet. Ihre Zahl verringerte sich um 3,3 Prozent.

Schleswig-Holstein steht mit seinen Problemen nicht alleine da. Bereits der Bericht von 1997 weist darauf hin, dass auf den gesättigten europäischen Märkten der Wettbewerb zwischen Ländern und Regionen immer schärfer wird. Dies ist heute nicht anders. Schleswig-Holstein hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen und Ak- tivitäten unternommen, um dem rasant fortschreitenden Strukturwandel, den Verlage- rungsprozessen und dem Trend zur Konzentration zu begegnen.

Neben der schon im Bericht dargestellten finanziellen Förderung der Ernährungswirt- schaft wie z.B.
- einzelbetriebliche Förderung der Ernährungswirtschaft im Rahmen der GA, - Förderung zur Verbesserung der Verarbeitung und Vermarktung von landwirt- schaftlichen Erzeugnissen oder - die Qualitäts- und Absatzförderung gibt es zahlreiche weitere Förderinstrumente, die direkt als auch indirekt dazu dienen, die Wettbewerbsfähigkeit der schleswig-holsteinischen Unternehmen zu stärken, Ab- satzmärkte zu sichern oder neue zu erschließen.

Ein wichtiges Instrument wird in der Gemeinschaftsaufgabe der Agrarstruktur und des Küstenschutzes gesehen. Das sieht die Opposition offenbar völlig anders. Wie sonst ist es zu erklären, dass am 22.10.2003 im Bundestagsausschuss für Verbraucher- schutz, Ernährung und Landwirtschaft die CDU für massive Kürzungen in diesem Be- reich gestimmt hat. Sie hat sich für die Reduzierung der Gemeinschaftsaufgabe „Ver- besserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ um 100 Millionen Euro ausge- sprochen. -4-



Das muss man sich mal vorstellen. Die Gemeinschaftsaufgabe ist das wichtigste För- derinstrument im Bereich der Landwirtschaft. Eine Kürzung um 100 Millionen Euro hät- te erhebliche Folgen für den ländlichen Raum Das ist mit der SPD nicht zu machen. Darüber hinaus hat die Opposition sich für die völlige Abschaffung der Förderung von Demonstrations- und Modellvorhaben eingesetzt, und die Förderung des Ökolandbaus sollte um 20 Millionen Euro gesenkt werden. Mit den Streichungen im Bereich For- schungsmittel, der Modellvorhaben und des Ökolandbaus beweist die Union erneut ih- re Rückständigkeit im Bereich innovativer Landwirtschaftspolitik. Und das, obwohl die Landwirtschaft das Rückgrat der Ernährungspolitik ist.


Zurück zum Bericht: Mit der Landesinitiative ziel wurden die strukturpolitischen Optio- nen, die die EU für die Förderperiode 2000 bis 2006 eröffnet hat, gebündelt. Für die Wirtschaftsstruktur insbesondere im ländlichen Raum ist das Regionalprogramm 2000 zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung sowie der regionalen Wirtschafts- struktur wichtig.
- Hervorzuheben ist die Bedeutung des Programms Zukunft auf dem Land mit den drei Maßnahmegruppen - - landwirtschaftliche Produktionsstruktur, - ländliche Entwicklung mit den ländlichen Struktur- und Entwicklungsanalysen und - Agrarumweltmaßnahmen.

Weiterhin werden einzelbetriebliche Maßnahmen und ländliche Siedlungen unterstützt. Neben Zinszuschüssen für Kapitalmarktdarlehen erfolgt unter anderem eine Förderung der Ausgleichszahlungen in benachteiligten Gebieten, Förderung der markt- und standortangepassten Landbewirtschaftung.

Zur Stärkung der Vermarktung werden Maßnahmen zur Verbesserung der Marktstruk- tur gefördert. Die Zuschüsse dienen der Strukturverbesserung einzelner Wirtschafts- zweige, der Verbesserung der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Er- zeugnisse. -5-



Der Strukturwandel in Schleswig-Holstein ist nicht abgeschlossen und wird sich mit der EU-Erweiterung sicher beschleunigen, der Wettbewerb auf den europäischen Märkten wachsen. Behaupten werden sich die Unternehmen, die sich rechtzeitig auf diesen Wandel einstellen.

Verhindern kann die Politik die absehbaren Prozesse nicht. Politik kann nur Rahmen- bedingungen schaffen wie Standortbedingungen verbessern, Innovationen fördern, den Export unterstützen. Für die Branche ist es entscheidend, sich neu zu positionie- ren. Orientierung bieten die Trends des Verbraucherverhaltens, denn die veränderten Lebens- und Konsumgewohnheiten der deutschen Verbraucher bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Lebensmittelnachfrage.

Frisches ist rückläufig, Verarbeitetes ist auf dem Vormarsch! Zeitdruck ist heute eine entscheidende Rahmenbedingung, die den Berufs- und Familienalltag diktiert. Ent- sprechend schnell und problemlos müssen die Mahlzeiten dazwischen organisiert werden. Fertiggerichte und Fast Food für zuhause und unterwegs machen es möglich. Der gehetzte Konsument kocht immer seltener und lässt mehr und mehr die Industrie für sich arbeiten. Er greift ins Regal, legt ein Trockengericht in seinen Einkaufswagen. Kaum zu Hause, sitzt er zehn Minuten später vor einem dampfenden Teller. Rund 80 % unserer Lebensmittel kaufen wir als Fertigsoße, Tütensuppe oder Trockengericht.

Bemerkenswert ist die neue Idee, Produkte aus allen Sortimentsbereichen nur für kur- ze Zeit als Saisonprodukte oder zeitlich limitierte Spezialitäten anzubieten. Und es ist inzwischen chic, bei den Discountern einzukaufen. Denn diese Discounter bieten im- mer mehr Produkte, die den Trends folgen. Somit sind Preisbewusstsein und Trend- orientierung keine Gegensätze mehr. Dies ist heute vermutlich eines der Hauptprob- leme für die Ernährungsindustrie, die neue, trendige Produkte immer häufig zu niedri- geren Preisen anbieten muss. -6-



Und dieses alles fördert einen Trend in der Branchenstruktur der Ernährungsindustrie. Die Unternehmenskonzentration nimmt weiter zu. Größeren Unternehmen gelingt es leichter, einen Wettbewerbsvorteil herauszuarbeiten. Eine Mindestgröße ist aus ver- schiedenen Gründen erforderlich: - um Kostenführerschaft durch Degressionseffekte zu erlangen, - um in den zehn großen Unternehmen des LEH deutschlandweit gelistet zu werden - um die notwendigen Investitionen und - Produktentwicklungen zu finanzieren - Und um Markenführung und Marketing angemessen durchzuführen.

Wir haben in Schleswig-Holstein gesunde Rohstoffe und gute Verarbeiter. Schleswig- Holstein hat führende Markenartikler ebenso aufzuweisen wie Lieferanten von Han- delsmarken, die über Jahre sehr erfolgreich mit ihren Kunden wachsen konnten.

Und die Landesregierung wird – wie bisher auch – die Ernährungsindustrie bei den außergewöhnlichen Herausforderungen unterstützen, damit die Lebensmittelbranche in Schleswig-Holstein weiterhin einen guten Standort hat.

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