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10.12.03 , 12:58 Uhr
SPD

Dr. Henning Höppner zu TOP 16: Vergleichsarbeiten ja, Schul-Ranking nein!

Sozialdemokratischer Informationsbrief

Kiel, 10.12.2003 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell
TOP 16 – Vergleicharbeiten an schleswig-holsteinischen Schulen


Dr. Henning Höppner:

Vergleichsarbeiten ja, Schul-Ranking nein!

Es sind internationale Vergleichsarbeiten gewesen, die das Bildungssystem in Deutschland so ins Wanken bringen konnten und die öffentliche Diskussion so heftig bewegen. Es war die PISA-Studie. Als die Aufgabenstellungen des deutschen Konsor- tiums die deutschen Schulen erreichten, hat niemand das Ganze wirklich ernst ge- nommen und schon gar nicht geahnt, welche Folgen aus so einer Untersuchung ent- stehen können.

In keinem anderen OECD-Land hat es eine dermaßen aufgeregte und mit Schuldzu- weisungen in alle Richtungen angereicherte Diskussion um die Ergebnisse gegeben, nicht einmal im Großherzogtum Luxemburg, das in der Ranking-Liste ganz unten lag mit einer Bildungsstruktur, die für uns immer ausgesprochen vorbildlich schien: Ein- schulung mit fünf Jahren, ganz früher Beginn der Fremdsprachenvermittlung, kleine Klassen und viel Geld in der Bildungsausstattung.

TIMSS, PISA und IGLU liefern in der Tat die Argumente für die Notwendigkeiten von Bildungsstandards, die sich nach meiner Einschätzung weniger aus der internationalen Rangfolge begründen, als durch die Ergebnisse der Bundesländer in PISA-E, womit wiederum neben der Qualitätsdiskussion die Frage der Kulturhoheit der Länder zur Debatte steht. Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-



Prof. Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung hat das deutsche PISA-Problem wie folgt beschrieben: „Für mich ist das erschreckendste Ergebnis der PISA-Studie in Deutschland, dass wir außerordentliche Disparitäten haben, d.h. große Unterschiede zwischen den Ländern in Bezug auf das Leistungsniveau und die Benotungsmaßstäbe.“

Die Diskussion um die Qualitätsentwicklung, meine Damen und Herren, findet derzeit auf zwei Ebenen statt, nämlich über die Fragen der Quantität und Qualität des Inputs oder über die Messbarkeit des Outputs. Bildungsstandards sind Orientierungsgrößen für den Output, und Vergleichsarbeiten fragen diesen Output ab.

Es gibt OECD-Länder, die über ein ausgesprochen buntes Bild von Schultypen und Schulträgern ihrer Schullandschaft verfügen, jedoch mit einer konsequenten Qualitäts- orientierung und konsequenten Standardsetzungen in den oberen Teil der PISA- Tabelle gelangten, wie Großbritannien.

Vergleichstests in festen Ausbildungsabschnitten geben eine klare Orientierung dar- über, wo Schülerinnen und Schüler leistungsmäßig stehen. Sie werden geregelt durch ein staatliches Institut, das Office of Standards of Education. Im Grunde will der Be- schluss der Kultusministerkonferenz, für alle Schulen bundesweit gültige Bildungs- standards einzuführen, dasselbe Ziel erreichen wie die Briten.

Bildungsstandards haben aber ein wesentliches Ziel: für Chancengleichheit und Ge- rechtigkeit zu sorgen. Deshalb steht die SPD-Fraktion ganz einmütig hinter unserer Bildungsministerin und unterstützt das Vorhaben, Vergleichsarbeiten an den Schulen unseres Landes einzuführen. Meine Fraktion ist allerdings nicht der Auffassung, dass die Ergebnisse der Vergleicharbeiten öffentlich bekannt gegeben werden sollen.

Vergleichsarbeiten sollen der Schule eine Orientierung geben im Hinblick auf die Ein- haltung von Standards, und sie sollen dazu dienen, dass die einzelne Lehrerin oder der einzelne Lehrer abschätzen kann, wie er mit seinem Unterricht die gesetzten Ziele -3-



erreichen kann und welchen Handlungsbedarf er für seine Arbeit sieht. Was Sie wol- len, lieber Kollege Dr. Klug, ist ein mehr oder minder öffentliches Ranking, das einer öffentlichen Darstellung der Leistungsfähigkeit der Schulen dient.

Wir alle schätzen die Profilbildung von Schulen und ihr Bemühen, sich in ihrer Region mit einem eigenständigen Profil zu verankern. Was wir aber nicht wollen, ist, die Frage nach den Schuleinzugsbereichen auf kaltem Wege wieder aufs Tapet zu bringen.

Die Vergleichsarbeiten müssen dazu dienen, Schulen ihre Leistungen und ihre Defizite vor Augen zu führen und sie in die Lage zu versetzen, die Leistungen zu stärken und die Defizite zu beseitigen. Ein Ranking aber, das einer Schule schwache Ergebnisse bescheinigt und sie so öffentlich als Loser anprangert, wird nicht zur Leistungsverbes- serung führen, sondern zu einer Fluchtbewegung und, soweit Schulen mit festgelegten Einzugsbereichen betroffen sind, zu einer Ausstiegsdebatte. Das können die Schulträ- ger überhaupt nicht gebrauchen.

Ich weise ferner darauf hin, dass die jetzt geschriebenen VERA-Arbeiten ein Probe- durchlauf waren und für eine Veröffentlichung ungeeignet sind.

Wir sprechen uns daher dafür aus, dass das Ministerium dann, wenn die Vergleichsar- beiten regulär und landesweit geschrieben wurden, im Bildungsausschuss berichtet.

Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag.

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