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12.12.03 , 09:59 Uhr
SSW

Europaschule darf nicht zur Etikett verkommen

PRESSEINFORMATION Kiel, den 12.12.2003 Es gilt das gesprochene Wort

TOP 18: Europaschulen in Schleswig-Holstein (Drs. 15/3076)
Anke Spoorendonk: „Europaschule darf nicht zum Etikett verkommen!“

Der SSW versteht den Antrag der Regierungsfraktionen zu den Europaschulen in Schleswig- Holstein als eine Anregung, dass sich der Landtag einmal mit diesen besonderen Schulen beschäf- tigt. Mehr ist er aber nicht. Da weder konkrete Ziele noch ein Zeithorizont benannt wurden, ist der Antrag absolut unverbindlich.

Ich finde das schade, denn als Mitglied im Europaausschuss habe ich die sehr engagierte Arbeit ei- niger Europaschulen kennen gelernt. Auch die Europaklasse, die in Niebüll bzw. Tondern jeden Tag aufs Neue das lebendige Europa lebt, gehört sicherlich zu den positiven Beispielen, auf die der Antrag letztlich abzielt. Dort zeigt sich, dass aus einer starken regionalen Verwurzelung heraus ein viel versprechendes Projekt erwachsen kann.

Der Schulverband „Europaschule“ hat sich dem hehren Ziel verschrieben, jungen Menschen die Vielfalt Europas nahe zubringen. Wenn Grenzen immer durchlässiger werden, ist es besonders wichtig, dass junge Menschen Leben und Arbeiten in Europa als eine unter vielen Optionen begrei- fen. Die Europaschulen wollen den Horizont öffnen und die Schüler motivieren, die Vielfältigkeit Europas selbst zu erleben. Das alles findet die uneingeschränkte Unterstützung des SSW.

Einschränken möchte ich aber, dass nicht alle 21 Schulen in Schleswig-Holstein die hohen Kriterien einer Europaschule gleich gut erfüllen. Den Berichten einiger Schülervertretungen entnahmen wir im Ausschuss, dass bei ihnen bis auf einen Festvortrag anlässlich des Europatages keine weiteren Aktivitäten entfaltet werden. 2



Wir sollten also zunächst die Europaschulen, die wir im Land haben, kritisch unter die Lupe neh- men, bevor wir an den weiteren Ausbau denken. Wer Europaschule lediglich als Etikett versteht, dass man ohne große Umstände einer Schule verpassen kann, der schadet dem Gedanken in erhebli- cher Weise. Daher legt der SSW besonders Wert darauf, die bislang bestehenden Europaschulen im Lande noch stärker zu unterstützen und zu vernetzen.

Leider leben wir aber in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Ressourcen müssen konzentriert wer- den. Heißt das im Umkehrschluss, dass normale Schulen gegenüber Europaschulen ins Hintertref- fen geraten? Vor einer derartigen Entwicklung kann ich nur warnen. Die Verpflichtung internatio- naler Erziehung sollte sich nicht auf Europaschulen beschränken. Sonst haben wir ganz schnell ein Zwei-Klassen-System: Schulen mit vielen internationalen Kontakten, die ihren Schülern einen op- timalen Start ermöglichen und all die anderen. Das lehne ich ab.

Europaschule darf auch nicht heißen, das Thema Europa auf den normalen Lehrplan einfach drauf- zusatteln. So wird auf keinen Fall ein Schuh draus. Die Kurt-Tucholsky-Schule in Flensburg macht es dagegen vor, wie es gehen sollte. Statt den Fächern Erdkunde und Wirtschaft bietet diese Euro- paschule in Flensburg das Fach „Weltkunde“ als integrierter Lerneinheit an. So stelle ich mir die konkrete Arbeit einer Europaschule vorbildlich vor. Die Vermittlung von Fremdsprachen durch Muttersprachler bzw. Fremdsprachenassistenten ist ein weiterer Punkt, der von entscheidender Be- deutung ist.

Zum Schluss möchte ich auf ein besonderes Anliegen des SSW hinweisen: nämlich die Partner- schaft mit unseren nördlichen Nachbarn. Wenn die Homepage der Europaschulen mit der Seite des deutsch-amerikanischen Schüleraustausches verlinkt ist, finde ich das sehr gut. Aber selbstverständ- lich sollten Europaschulen kein Land besonders bevorzugen. Wer das Naheliegende ignoriert, näm- lich unsere skandinavischen Nachbarn, der verbaut bewusst Chancen für Ausbildung und Beruf. Es heißt im Sprichwort: „Das Gute liegt so nah“. Doch, wer nie den Nachbarn kennen lernte, wird ei- niges verpassen. Das dürfen wir nicht zulassen.



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