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19.02.04 , 11:31 Uhr
B 90/Grüne

Angelika Birk zur Großen Anfrage Forschung

Fraktion im Landtag PRESSEDIENST Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 5 und 32 - Große Anfrage Forschung und Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Ausbau von Hochschulen Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin Telefax: 0431/988-1501 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Angelika Birk: Internet: www.gruene-landtag-sh.de

Nr. 068.04 / 19.02.2004
Spitzenforschung, aber auch Nachholbedarf
Woran denkt man bei exzellenter Forschung in Schleswig-Holstein? An unsere Universi- täten, insbesondere unser Uni-Klinikum? Oder an Hochleistungslabore in großen Fir- men? Diese Assoziationen skizzieren die Situation in unserem Land nur unzureichend.
Die Antwort auf unsere Große Anfrage zeigt eine vielfältige Forschungslandschaft, deren Highlights durchaus nicht nur an den Universitäten, sondern auch in kleinen Städtchen zu finden sind: Borstel, Plön und Geesthacht stehen exemplarisch für die Standorte von Bund-Länder geförderten Hochleistungsinstituten, von denen Impulse für die Entwicklung des Landes und die bundesdeutsche Forschung ausgehen.
Gemessen an den Kriterien Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Ökologie haben sich die Forschungsfelder in Schleswig-Holstein gut positioniert: Meereswissenschaften und -technik, Klimaforschung, Energie- und Umwelttechnik, Biowissenschaften, Medizin und Medizintechnik, Ökologische Landwirtschaft, „Sustainable Development“. Summa summarum: Schleswig-Holsteins Forschungsschwerpunkte liegen im „grünen“ Bereich.
Unsere Forschungseinrichtungen sind die Denkfabriken des Landes, denn es gibt in un- serer Region der kleinen Betriebe kaum Firmen mit eigenen Forschungskapazitäten. Erst recht haben gesellschaftliche Organisationen, seien es Kommunen, Umweltverbände, Bürgerinitiativen oder Wohlfahrtseinrichtungen keine eigenen Think Tanks in Schleswig- Holstein. Technologiertransfer und Existenzgründung aus der Hochschule heraus - mit regionaler Clusterbildung - das ist die erfolgreiche Antwort des Wirtschaftsministeriums auf diese Herausforderung.
Was bringen unsere Hochschulen und Forschungsinstitute für die Gesellschaft und wie steht es insgesamt um ihr Preis- Leistungsverhältnis? Auf diese Frage fällt die Antwort schwer, denn Forschungsevaluation und Technikfolgenabschätzung stehen in Schles- wig-Holstein erst am Anfang. So kennen wir zwar die Wertschätzung unserer Bund- Länder geförderten Institute, wissen aber wenig über die Forschungsqualität unserer Hochschulen. Das muss anders werden. Ist es richtig, unsere Spitzenforschung vor allem auch außerhalb der Hochschulen anzu- siedeln oder gehören sie mehr in deren Mitte, wie es das berühmte Beispiel Harvard in den USA vormacht?
Wir wollen eine systematisch zwischen den Forschungseinrichtungen und den Universi- täten abgestimmte Forschungs- und Eliteförderung und sehen hier Ausbaubedarf in Schleswig Holstein.
Welche Chancen und Risiken bergen die schleswig-holsteinischen Pionierforschungs- vorhaben in den Biowissenschaften und Medizin? Allgemein wird dieses Thema zwar in den Feuilletons diskutiert, nicht aber systematisch und öffentlich bei der Entscheidung, warum welche Forschungsschwerpunkte jeweils in unserem Lande auszubauen sind. Wir fordern deshalb eine Technikfolgenabschätzung nach dem Vorbild von Baden- Württemberg und könnten uns hierbei eine Kooperation mit Hamburg gut vorstellen.
Insbesondere die Medizin muss sich mehr interdisziplinären Fragestellungen widmen. Für den Gesundheitsstandort Schleswig-Holstein reicht nicht nur eine Gesundheitsma- nagementausbildung, sondern auch mehr Forschung zur allgemeinmedizinischen Praxis, zur Rehabilitation und Pflegewissenschaft steht diesem Ziel gut an.
Damit kommen wir zu einem wesentlichen Kritikpunkt bundesdeutscher Forschungsver- gabe. Die Verteilung der öffentlichen Mittel des Bundes und der Länder erfolgt in internen Gremien von Ministerien und WissenschaftlerInnen und kann vom Parlament nicht wirk- lich beeinflusst werden. Anders als die Landesregierung sehen wir hier wie der Bundes- rechnungshof politischen Handlungsbedarf: Die Vergabeverfahrender Bund- Ländermittel müssen transparenter und demokratischer werden.
Unser Land würde hiervon sofort profitieren, denn nach dem bisherigen Vergabemodus ist es bisher nicht gelungen, die Benachteiligung Schleswig-Holsteins bei der Platzierung von Bund-Länder geförderten Instituten aufzuheben. Die Umwandlung des GEOMAR- in ein Leibnitz-Institut, ist ein erster Schritt, mehr Bundesmittel ins Land zu holen.
Eine gute Gelegenheit, mehr Bund-Länder-Fördermittel einzuwerben, bietet der dringend notwendige Ausbau der bildungswissenschaftlichen Kapazitäten. Schleswig-Holsteins Nähe zu den skandinavischen Nachbarstaaten, sollten wir dabei zur Etablierung von zu- kunftsfähiger Schulentwicklungsforschung nutzen. Dies wäre auch ein erster Schritt, um hierzulande endlich den Geisteswissenschaften mehr Gewicht zu verleihen.
Großen Nachholbedarf hat Schleswig-Holsteins Forschung nicht nur in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, sondern in der Geschlechterpräsenz: Im Jahre 2001 er- warben Frauen 40 Prozent der Doktorhüte, besetzten aber weit weniger als 10 Prozent der Lehrstühle. Mit diesem Profil befinden wir uns am unterem Ende der Frauenquoten in Forschung und Lehre bundesweit. Dies wird sich nur ändern, wenn konsequent bei der Mittelvergabe diese Problematik berücksichtigt wird. Das heißt im Klartext: Forschungs- institute und Fakultäten, die sichtbar und messbar qualifizierte Frauen zum Zuge kom- men lassen, erhalten mehr öffentliches Geld.
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