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19.02.04 , 11:39 Uhr
SPD

Dr. Henning Höppner zu TOP 13: Qualitätssicherung muss sich am Output orientieren

Sozialdemokratischer Informationsbrief

Kiel, 19.02.2004 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell TOP 13 – Bildungsstandards im Schulbereich


Dr. Henning Höppner:

Qualitätssicherung muss sich am Output orientieren

Die PISA-Studie ist eine Leistungsstudie, die ihre Aussagen unabhängig von Schulsys- temen und Schulformen am Output gemessen hat. Die nationalen Bildungsexperten hierzulande waren beim Start der Studie skeptisch, ob so etwas aufgrund der Viel- schichtigkeiten der Systeme in den OECD-Ländern gelingen würde. Gleichwohl führ- ten wir in der Bundesrepublik Deutschland eine Qualitätsdiskussion, die sich wesent- lich an den Fragen des notwendigen Inputs und der festen Struktur von Schularten, denen traditionsgemäß eine eigenständige und gestaffelte Leistungscharakteristik zu- geordnet wird, orientiert.

Die Methode der schulformunabhängigen Ermittlung von Kompetenzstufen der Schüle- rinnen und Schüler eines Alterjahrganges war in der Tat neu für uns, und die Ergeb- nisse der Studie waren ebenso überraschend. Die föderale Eigenständigkeit des bun- desdeutschen Bildungssystems, meine Damen und Herren, kennt zwar das Dach der KMK mit Absprachen über Rahmenvorgaben und die gegenseitige Anerkennung von Schulabschlüssen. Alles, was dabei veranstaltet wird, läuft unter der Vorgabe der Harmonisierung der föderalen Strukturen. Erst unter dem Druck der PISA-Ergebnisse beginnt auch in der KMK die Diskussion um die output-orientierte Steuerung unseres Bildungssystems.


Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-



Zugleich veranlasste uns die Studie, in jene OECD-Länder zu schauen, die besser ab- geschnitten haben als wir und in denen das Abfragen von Bildungsstandards System- bestandteile sind. Da ist zuerst das Vereinigte Königreich mit einer ausgesprochen bunten Schullandschaft von öffentlichen und freien Trägern. Die Freiheit eines eigen- ständigen pädagogischen Weges und Konzeptes der Schulen in Großbritannien unter- liegt hier einer konsequenten jährlichen oder zweijährlichen staatlichen Standardüber- prüfung durch das Office of Standards of Education (OFFSTED). Die Überprüfung von Bildungsstandards in Großbritannien wird dort aber nicht nur als Instrument der Quali- tätssicherung betrachtet, sondern in den Ballungsräumen auch als Teil eines Wettbe- werbs der Schulen untereinander, wobei aber auch der Aspekt der Darstellung der Wettbewerbsfähigkeit der öffentlichen Schulen gegenüber den privaten Schulen eine starke Rolle spielt.

Anders in Skandinavien, dort sind Bildungsstandards Teil eines auf die individuelle Förderung des einzelnen Schülers ausgerichtetes Qualitätskonzeptes. Bildungsstan- dards sollen der Überprüfung dienen und der Festlegung, was eine Schülerin oder ein Schüler am Ende eines Ausbildungsabschnittes an Kompetenzen erworben haben muss. Hierin wird sich nach den Vorstellungen der KMK das Abfragen nationaler Bil- dungsstandards dann doch von der PISA-Studie unterscheiden.

In PISA sah das Untersuchungs-Design keine Stichproben von Neuntklässlern vor, sondern die stichprobenartige Untersuchung der Alterskohorte der 15-Jährigen. Was beide Oppositionsfraktionen hier vorlegen, ist eine mehr oder minder starke Abkehr vom Untersuchungs-Design der PISA-Studie. Was die FDP vorschlägt, ist die Einfüh- rung von Mindeststandards, die nach Möglichkeit überschritten oder individuell auch vorzeitig erfüllt werden können. Wir lesen hieraus das bekannte Anliegen der FDP um die Förderung Hochbegabter.

Bildungsstandards, das vermute ich hier im FDP-Antrag, sollen bezogen auf einzelne Schülerinnen und Schüler auch Leitlinien aufzeigen, wie einzelne Schülerinnen und Schüler gefördert werden können. Für dieses Anliegen bei der Festlegung von Bil- -3-



dungsstandards können wir uns durchaus erwärmen. Nur, so unsere Auffassung, setzt dieses ein individuelles, auf den einzelnen Schüler bezogenes Verfahren voraus und nicht ein auf einen konkreten Bildungsabschnitt, wie z.B. auf eine komplette Jahr- gangsstufe, bezogenes. Ein solches wie von der FDP beschriebenes Verfahren würde voraussetzen, dass konsequent auch alle Vorjahrgangsstufen in ein Überprüfungsver- fahren einbezogen werden müssten, um die vorzeitige Erfüllung von Bildungsstan- dards feststellen zu können.

Was die CDU dagegen mit Bildungsstandards vorrangig erreichen möchte, ist ganz of- fensichtlich: Sie wollen schulartspezifische Bildungsstandards und Vergleichsarbeiten. Was dabei herauskommen kann, ist ebenso deutlich im wesentlichen eine Darstellung des Leistungsvermögens der Schülerinnen und Schüler in ihrer Schulart. Oder anders definiert, die Schülerinnen und Schüler erkennen nur, welche Kompetenzstufe sie in ihrer Schulart erreicht haben.

Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist ein Verfahren, das nach unserer Auffassung gegen den Geist der PISA-Studie verstößt, zumindest dann, wenn ein solches Verfah- ren in Deckung mit zukünftigen PISA-Studien gebracht werden müsste, die von der- selben Untersuchungsmethode ausgehen wie PISA 2000. Im Sinne der viel beschrie- benen Durchlässigkeiten der Systeme wollen wir doch erfahren, ob eine Hauptschüle- rin zum Beispiel die Kompetenzstufe einer guten Realschülerin oder vielleicht einer normalen Gymnasiastin erreicht und eigentlich auf eine höhere Schulart eingestuft werden sollte.

Ich denke, hier haben wir diesbezüglich einigen Diskussionsbedarf. Ich bitte alle An- träge in den Bildungsausschuss zur abschließenden Beratung zu überweisen.

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