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Veronika Kolb: "Ursachen, nicht Symptome bekämpfen"
FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL Vorsitzender Dr. Heiner Garg, MdL Nr. 066/2004 Stellvertretender Vorsitzender Dr. Ekkehard Klug, MdL Kiel, Donnerstag, 19. Februar 2004 Parlamentarischer Geschäftsführer Christel Aschmoneit-Lücke, MdL Sperrfrist: Redebeginn Joachim Behm , MdL Günther Hildebrand, MdL Es gilt das gesprochene Wort! Veronika Kolb, MdLSucht/Alkohol/Jugendliche/Alcopops www.fdp-sh.de Veronika Kolb: „Ursachen, nicht Symptome bekämpfen“ In ihrem Redebeitrag zu TOP 14 (Verteuerung so genannter „Alcopops“, zweckgebundener Einsatz dieser zusätzlichen Einnahmen), sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Veronika Kolb:„In der letzten Zeit haben Berichte in den Medien über den gestiegenen Konsum sog. „Alcopops“ bei Jugendlichen und Warnungen vor den zu erwartenden gesundheitlichen Problemen zugenommen. Aktuelle Repräsentativerhebungen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu „Bekanntheit, Kauf und Konsum von Alcopops“ in der Bevölkerung, die Ende 2003 durchgeführt wurden, bestätigen die dramatische Entwicklung im Alkoholkonsum bei Jugendlichen. Im Vergleich zu einer Studie, die vor 5 Jahren durchgeführt worden ist, hat sich der Verkauf von „Alcopops“ bei den Käufern bis zu 29 Jahren fast versechsfacht. Mittlerweile sind in der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen „Alcopops“ die beliebtesten alkoholischen Getränke vor Bier, Wein/Sekt und anderen Spirituosen. Durch den hohen Zuckergehalt der Getränke entwickeln Jugendliche ein Trinkverhalten, wie bei nicht alkoholischen Getränken, da der Alkoholgeschmack überdeckt ist. Dies macht die alkoholischen Fruchtgetränke besonders beliebt. Kauften 37 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 29 Jahren im letzten Monat „Alcopops“, so liegt der Anteil der Jugendlichen im Alter zwischen 14 bis 17 Jahren sogar bei 39 Prozent. Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen sind dabei im Konsumverhalten nicht festzustellen.Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kommt deshalb zu dem Schluss, dass aufgrund der breiten Verfügbarkeit, des angenehmen Geschmacks, der den Alkoholgehalt und –geschmack überdeckt, sowie des Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 2 positiven Images, „Alcopops“ Jugendliche immer früher zu einem regelmäßigen Alkoholkonsum verführen.Um so mehr stellt sich deshalb für mich die Frage, ob durch die Einführung einer neuen, zweckgebundenen Abgabe dieser Alkoholkonsum verringert oder gar verhindert werden kann?Ist es tatsächlich so, dass durch eine Verteuerung bestimmter Getränkegruppen die Steuerung des Alkoholkonsums gerade bei Jugendlichen möglich ist?Ich habe da meine Zweifel.Natürlich spielen Werbung und Image eines bestimmten Getränkes gerade bei Jugendlichen eine große Rolle. Inwieweit hier von politischer Seite Vorgaben gemacht werden können, sollten wir deshalb noch näher erörtern. In der Studie zu den „Alcopops“ stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aber fest, dass - obwohl rund 80 Prozent der Minderjährigen selbst wissen, dass Bier und Weinmixgetränke nicht an Jugendliche unter 16 Jahren und Spirituosenmixgetränke nicht an unter 18-Jährige abgegeben werden dürfen - diese Erkenntnis die Jugendlichen nicht am Alkoholkonsum hindert.Bekämpfen Sie durch Ihre Forderung nach einer Verteuerung von „Alcopops“ nicht lediglich ein Symptom, Frau Tengler, dessen Ursache viel tiefer liegt? Würden diese Jugendlichen nicht einfach auf andere Getränke umsteigen und sie letztendlich selber zu entsprechend hochprozentigen „Partygetränken“ mischen? Denn die Trinkgelegenheiten haben sich in den Studien nicht wesentlich verschoben: „Alcopops“ werden insbesondere auf Parties und Feten konsumiert. Aber ist das nicht bereits vor der Einführung von „Alcopops“ der Fall gewesen, nur dass es jetzt durch die neuen Fertigprodukt einfacher geworden ist? Haben sich lediglich Konsummuster verschoben? Hierauf gibt die Studie keine so abschließende Antwort. Die bereits jetzt erhobenen Steuern auf diverse Alkoholika haben keine tiefgreifende Änderung im Konsumverhalten bewirkt. Auch haben Studien zum Tabakkonsum gezeigt, dass höhere Steuern nicht unbedingt zu einer Verringerung des Rauchens gerade bei Jugendlichen führt, wenn diese das Rauchen mit einem positiven Image verbinden. Das Problem muss deshalb anders angegangen werden. Wir sollten uns viel lieber fragen, warum der Konsum von Alkohol und Tabak bei Jugendlichen derzeit so gefragt ist? Nur zwei der möglichen Gründe könnten sein, dass sich viele Jugendliche in der Schule überfordert fühlen und sich Angesichts der wirtschaftlichen Lage Sorgen über ihre berufliche Zukunft machen. Zu diesem Ergebnis kommt die Universität Bielefeld jedenfalls in ihrem kürzlich veröffentlichten Jugendgesundheitssurvey. Danach reicht dann die Verteuerung von „Alcopops“ nicht aus.Wir müssen deshalb im Sozialausschuss energisch darüber diskutieren, welche pragmatischen Wege beschritten werden sollten, um die Ursachen und nicht die Symptome zu bekämpfen.“Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/