Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

19.02.04 , 17:42 Uhr
SSW

Silke Hinrichsen zu den Personalserviceagenturen: Ergänzung, aber keine Lösung

Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82
SSW-Landtagsvertretung Norderstr. 74
PRESSEINFORMATION D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05

Kiel, den 19.02.2004 Silke Hinrichsen Es gilt das gesprochene Wort

„Personalserviceagenturen sind nur eine Ergänzung der Arbeitsmarktpolitik - die große Lösung der Probleme auf dem Arbeitsmarkt sind sie nicht.“


TOP 30 Personalserviceagenturen (Drs. 15/3204)

Im Rahmen des Hartz-Konzeptes spielte das Instrument der Personalserviceagenturen bei der Bemühung um schnellere und zielgenauere Vermittlung von Arbeitslosen eine nicht ganz un- wichtige Rolle. Die Idee war, dass die Arbeitsämter flächendeckend als Träger oder durch Lose Personalserviceagenturen errichten sollen und qualifizierte Arbeitslose zum örtlichen Tariflohn als Leiharbeiter zu vermitteln. Das Konzept der vermittlungsorientierten Zeitarbeit setzte also darauf, Arbeitslose in Zeitarbeitsunternehmen zu beschäftigen.

Der Vorteil für alle Beteiligten schien auf der Hand zu liegen: Zum einen sollen die Personal- serviceagenturen die Arbeitslosen schneller wieder in Arbeit bringen, in dem sie auf Zeit an Firmen für bestimmte Aufgaben verliehen werden. Zum anderen sollten die Unternehmen durch dieses Angebot flexibler auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren können indem sie qualifizierte Leiharbeiter bei konkreten Auftragseingängen oder Projekten schnell und unbü- rokratisch durch das Arbeitsamt erhalten, ohne sich langfristig zu binden und ohne Kündi- gungsschutzbestimmungen. Die Bundesagentur spart Arbeitslosengeld und die Leiharbeits- firma bekommt pro vermittelten Arbeitslosen einen Zuschuss.

Bei der Präsentation des Hartz-Modells im Sommer 2002 gingen die Experten auf Sicht von mehreren 100.000 Beschäftigten bei den PSA´s aus. Der vorliegende Bericht zeigt, dass die Einführung der Personal-Service-Agenturen – der PSA´s – auch in Schleswig-Holstein äu- 2



ßerst schleppend anläuft. Zum 31.12.2003 sind knapp über 1.100 Arbeitslose in Schleswig- Holstein real bei einer PSA beschäftigt und verdienen als Leiharbeiter ihr Geld. Auch die durchschnittliche Verleihquote liegt mit ca. 40% nicht sehr hoch. Das sind schon enttäu- schende Zahlen.

Bundesweit sind die bisherigen Zahlen der Personal-Service-Agenturen ebenfalls nicht berau- schend. Natürlich liegt das vor allem an der schwachen konjunkturellen Entwicklung. Das zeigt ja auch die Insolvenz des großen privaten Leihunternehmens Maatwerk, der fast 200 Verträge mit der Bundesagentur und ca. 9.500 Personal-Service-Agenturen – Beschäftigte im ganzen Bundesgebiet hat. Maatwerk gilt als ein Personaldienstleister, der ausgesprochen of- fensiv das Instrument der PSA einsetzte und scheint damit jetzt gescheitert zu sein. In Schleswig-Holstein hat Maatwerk nur eines der 23 Lose erhalten - und zwar in Lübeck. Des- halb wird uns diese Insolvenz wohl nicht so treffen wie andere Bundesländer.

Natürlich müssen in der Anfangsphase erst einmal die vielen bürokratischen und praktischen Hindernisse, die sich bei der Umsetzung der PSA vor Ort ergeben haben, überwunden wer- den, dann scheint die Wirtschaft dieses Instrument noch nicht so anzunehmen, wie man es sich vorgestellt hatte. Dennoch muss man aus Sicht des SSW schon jetzt feststellen, dass wir angesichts der großen strukturellen Arbeitslosigkeit auch in Zukunft kaum an die Zahlen, die 2002 vom Hartz genannt wurden, herankommen werden.

Deshalb ist die Errichtung von PSA´s aber keineswegs verkehrt, aber sie können wahrschein- lich nur als eine Ergänzung zu den vielen anderen Instrumenten der Arbeitsmarktpolitik ange- sehen werden. Die große Lösung der Probleme auf dem Arbeitsmarkt sind sie nicht. Das steht jetzt schon fest. Deshalb muss die Bundesagentur für Arbeit auch genau überlegen, welche Prioritäten sie in der Arbeitsmarktpolitik für die nächsten Jahre setzt.

Der SSW bleibt dabei, dass die Bundesagentur in der jetzigen Lage keine Kürzungen im Be- reich der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die auf den 2. Arbeitsmarkt zielen, und bei den vielen Bildungseinrichtungen, die sich mit der Qualifizierung der Arbeitslosen beschäftigen, vornehmen darf. Eine solche Politik zerstört gewachsene Strukturen und schafft viele neue Arbeitslosen ohne das entsprechende Ausgleichmaßnahmen vorhanden sind. Das zumindest zeigt der Bericht über die aktuelle Situation bei den Personalserviceagenturen sehr deutlich.

Download PDF

Pressefilter

Zurücksetzen