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20.02.04 , 10:07 Uhr
SPD

Maren Kruse zu TOP 34: Mit Engagement und Netzwerken der Landfrauen mehr Chancengleichheit erreichen

Sozialdemokratischer Informationsbrief

Kiel, 19.02.2004 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell
TOP 34 – Berufliche Situation der Frauen im ländlichen Bereich und in den so genannten „grünen Berufen“


Maren Kruse:

Mit Engagement und Netzwerken der Landfrauen mehr Chancengleichheit errei- chen

Lassen Sie mich an Anfang im Namen der SPD-Fraktion denen danken, die in reiner Fleißarbeit die vielen Zahlen für den vorgelegten Bericht zusammengetragen haben. Auf Grund der uns nun vorliegenden Zahlen konnten wir schon am 10 Februar in der Landeszeitung lesen: „Landwirtschaft in Männerhand!“

Die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein bleibt eine Männerdomäne. Und wenn wir die reinen Zahlen gegenüberstellen, stimmt das auch – allerdings nur auf den ersten Blick. Von 1992 bis 2002 wurden 5.229 Männer als Landwirt aber nur 500 Frauen als Land- wirtin ausgebildet. Und so zieht es sich durch den gesamten Bericht; es gibt mehr Forstwirte als Forstwirtinnen, mehr Fischwirte als Fischwirtinnen und mehr Gärtner als Gärtnerinnen.

Die Frauen in den grünen Berufen dominieren aber in den Sparten Pferdewirtin und ganz klassisch in der Hauswirtschaft: Hier steht ein ganzer Mann 450 Frauen gegen- über. Aber es gibt nach wie vor mehr Studenten als Studentinnen, genau so wie es mehr Professoren als Professorinnen gibt.



Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-



Leider hat sich hier im erfassten Zeitraum fast gar nichts verändert, fast ein Nullsum- menspiel in den grünen Berufen. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass es in der Landwirtschaft nach wie vor Defizite bei der Gleichstellung von Frau und Mann gibt. Auch heute haben Frauen in der Hofnachfolge meist nur dann eine Chance, wenn kein männlicher Hofnachfolger existiert oder dieser kein Interesse am Betrieb bekun- det.

Zum anderen beschränkt sich offiziellen Statistiken zufolge die Definition der landwirt- schaftlichen Tätigkeit zumeist auf Arbeiten, die im allgemeinen von Männern ausgeübt werden, wie manuelle Tätigkeiten und die offensichtlicheren Managementaufgaben. Die vielen anderen in einem landwirtschaftlichen Betrieb anfallenden Tätigkeiten, die von Frauen ausgeübt werden, gelten vielfach nicht als landwirtschaftliche Tätigkeit und werden daher ebenso vernachlässigt wie Pflegetätigkeit und Hausarbeit. Auch wenn die Arbeit der Frauen in den Betrieben oftmals unterstützender Natur ist, fördert ihre Präsenz und ihr Engagement den sozialen Zusammenhalt von Familie und Betrieb.

So sind Landfrauen auch in zahlreichen anderen Bereichen aktiv, wie beispielsweise dem Agrotourismus oder dem Ab-Hof-Verkauf selbst erzeugter Produkte. Sie organi- sieren Transporte in der Umgebung oder leisten Nachbarschaftshilfe – alles Dienstleis- tungen, die die Vitalität des ländlichen Raumes nicht nur bezeugen, sondern auch da- zu beitragen, dass der Kontakt zur „Außenwelt“ nicht abbricht.

Zu den Chancen für die Erwerbstätigkeit und Selbständigkeit von Frauen ist anzumer- ken, dass sich der Strukturwandel und der enger werdende Arbeitsmarkt in der Land- wirtschaft natürlich auch stark auf die Frauen auswirkt. Vielfach ist ihre Erwerbstätig- keit ein entscheidendes Standbein für die finanzielle Situation der Familie. Einige der Fördermöglichkeiten und Fortbildungsangebote hat Minister Müller gerade genannt.

Zusätzliche Aktionen und Unterstützung und anerkannte Dauerarbeitsplätze erfahren Frauen in den ländlichen Räumen aber vielfach auch über eine Vielzahl von LSEen. -3-



Herr Kayenburg, hier muss ich auf Ihren gestrigen Beitrag zum Raumordungsbericht zurückkommen. Sie haben allen Ernstes gefragt, „ob das viele Geld, das für die ein- zelnen LSEen ausgegeben wurde, wirklich sinnvoll angelegt war oder ob man es nicht effizienter und zielgerichteter für Arbeitsplätze hätte einsetzten können.“ Ich kann Ih- nen sagen, wie viele Arbeitsplätze, Dauerarbeitsplätze, durch die bisherigen LSEen entstanden sind: genau 2.458 Dauerarbeitsplätze, von denen viele, viele Frauen in den ländlichen Bereichen heute profitieren und einen Beitrag zum Lebensunterhalt ihrer Familien leisten. Fragen Sie mal die Frauen und auch Männer, ob das Geld für die LSEen sinnvoll angelegt ist !

Wie geht es weiter? Die Herstellung der Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern im ländlichen Raum wird keine leichte Aufgabe sein. Den Landfrauen man- gelt es nicht an Talent, Ideen und Energie. Es gibt jedoch eine Reihe von Hindernis- sen, die sich ihrer allseitigen Teilnahme an der ländlichen Entwicklung in den Weg stellen. Einige der Probleme konnten schon gelöst werden, und es wurden Initiativen ergriffen, um den Frauen im ländlichen Bereich bessere Möglichkeiten zu bieten.

Es muss jedoch noch wesentlich mehr getan werden. So könnte man beispielsweise die Arbeitsweisen von Organisationen und Berufsverbänden dahingehend verändern, dass sie eine gleichberechtigte Teilnahme von Frauen und Männern ermöglichen. All dies funktioniert jedoch nur, wenn sich auch die Frauen entsprechend engagieren und ihre Interessen gegenüber den Entscheidungsträgern nachdrücklich vertreten. Die Netzwerke und Verbände, in denen Landfrauen mitarbeiten, können einen entschei- denden Beitrag zur Chancengleichheit und ländlichen Entwicklung leisten.

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