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20.02.04 , 11:11 Uhr
B 90/Grüne

Irene Fröhlich zur beruflichen Situation von Frauen auf dem Land

Fraktion im Landtag PRESSEDIENST Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 34 – Berufliche Situation von Frauen Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel im ländlichen Bereich Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Telefax: 0431/988-1501 Dazu sagt für die frauenpolitische Sprecherin Mobil: 0172/541 83 53 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de Irene Fröhlich: Nr. 077.04 / 20.02.2004

Frauen sind durch den Strukturwandel im ländlichen Raum doppelt betroffen
Ich möchte die für mich zentrale Aussage des vorliegenden Berichtes meiner Rede voran stellen. Frauen sind durch den Strukturwandel im ländlichen Raum doppelt betroffen. Dies wird nieman- den unter Ihnen verwundern – genauso wenig wie mich - allerdings ist diese besondere Betrof- fenheit nicht durchweg negativ.
Frauen im ländlichen Raum leiden unter der Krise der Landwirtschaft als Ehefrauen und Töchter von Landwirten; als mithelfende Familienangehörige sind sie ganz direkt von Existenznöten be- troffen. Frauen, die eigenständig einen landwirtschaftlichen Betrieb betreiben, werden deutlich härter von Rentabilitätsgrenzen getroffen, da sie durchweg kleine Höfe betreiben. Und Frauen können in den seltensten Fällen – wie ihre männlichen Kollegen, auf eine Unterstützung durch einen Lebenspartner oder – partnerin mit eigenem Einkommen zurück greifen.
Aber Frauen im ländlichen Raum nutzen diese Strukturkrise in der Landwirtschaft erfreulich posi- tiv und kreativ, indem sie der Familie einen weiteren wirtschaftlichen Spielraum öffnen:
• im touristischen Bereich durch Heuhotels, Kaffeestuben oder Ferien auf dem Bauernhof; • im ernährungswirtschaftlichen Bereich als Direktvermarkterinnen und mit Hofläden; • im sozialen Bereich als Beraterinnen in eigener Sache, Vermittlung von Betreuung, Pflege und anderen sozialen Dienstleistungen.
Nicht selten wird ein solches zweites Standbein letztendlich zum ersten und sichert die Existenz der gesamten Familie.
Wichtige Entwicklungen für Frauen im ländlichen Raum sind durch das Modellprojekt „Service- börse“ des Landfrauenverbandes, die Beratungsstelle „Perspektiven für Bäuerinnen“ der Land- wirtschaftskammer (ehemals „Frau und Beruf“) unter dem Dach von „Arbeit für Schleswig- Holstein“ angestoßen worden. Stetige Unterstützung leisten die Fortbildungsangebote, Existenz- gründungsberatung und –hilfe durch den Landfrauenverband und die Landwirtschaftskammer.
1/2 Überaus erfreulich ist die Aussage des vorliegenden Berichtes, dass keine frauenspezifischen Förderprogramme wegen mangelnder Nachfrage eingestellt werden mussten. Es stellt sich die Frage, ob noch mehr Angebote notwendig wären - dies ist leider im Bericht nicht zu finden!
Sehr erfreulich sehen die Finanzvolumina aus, die durch das „Agrar-Investitions- förderprogramm“, den „Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefond“ und das „Leader- Programm“ durch die EU und Land Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt werden. Beschei- den nehmen sich im Vergleich dazu die konkreten Mittel aus, die direkt für eine gezielte frauen- spezifische Förderung vorgesehen und verausgabt worden sind. Weitere Zahlen, Daten und An- gaben im Sinne des „Gender-Mainstreaming- Prinzips“ werden leider nicht erhoben.
Schade, wie ich meine und ein Bereich, in dem wir im Rahmen des „Gender-Mainstreaming- Konzeptes“ der Landesregierung dringend nachbessern müssen.
Aus dem Bericht gehen natürlich noch eine Vielzahl weiterer Informationen und Aussagen hervor, die über die Landwirtschaft im engeren Sinne hinaus gehen. Ich möchte an dieser Stelle einige davon kurz ansprechen, auch oder gerade weil sie keine neuen Aufschlüsse bieten, sondern voll und ganz unseren Erwartungen entsprechen.
• die Berufe Landwirt, Forstwirt, Fischwirt und Molkereifachmann sind männlich dominiert - Frauen werden Tierwirtinnen, insbesondere Pferdewirtinnen; • LaborantInnen sind größtenteils Frauen, ErnährungswissenschaftlerInnen auch, Haus- wirtschaftlerInnen so gut wie ausschließlich (hier finden wir sage und schreibe 1 Mann in zehn Jahren); • Aussagen über die qualitativen Unterschiede, die Verbleibsquote oder auch die Einkom- menssituation in den einzelnen ländlichen Berufssparten finden wir nicht – ich verweise hier auf das zum „Gender-Mainstreaming“ gesagte; • wenn es um ein Studium oder die Meisterausbildung geht, liegen ganz eindeutig wieder die Männer an der Spitze, allerdings: das agrarwissenschaftliche Studium stellt sich mit 503 Frauen zu 710 Männern erstaunlich ausgewogen dar: • weniger erstaunlich wiederum die Promotions- und Personalstrukturen: an Fachhoch- schulen und Universitäten dominieren ganz eindeutig Männer die Lehre - auch in der weiblichen Ökotrophologie! • obwohl auf der Ebene der wissenschaftlichen Mitarbeit noch relativ viele Frauen zu finden sind, sucht man unter Dozenten und gar Professoren fast vergeblich nach Frauen; • auch bei den fachlich qualifizierten Mitarbeitern in der Agrarverwaltung, landwirtschaftli- chen Selbstverwaltung und Beratungsringen findet sich kein anderes Bild: Männer sind eindeutig in der Überzahl; • während sich die Anzahl der männlichen Hofnachfolger von 1991 bis 1999 fast halbiert hat, ist diejenige der weiblichen Hofnachfolgerinnen nur um gut 200 gesunken –Frauen wurden schon immer nur dann in Betracht gezogen, wenn „alle Stricke reißen“ – und dies ist relativ konstant.
Der Bericht zeigt: Frauen im ländlichen Raum sind eine starke und verlässliche Säule der Ent- wicklung, gerade auch in der Krise. Sie schaffen mit relativ bescheidenen Mitteln, viel Eigeninitia- tive, Kreativität und Engagement geförderte Arbeitsplätze, sie geben sich und ihren Familien Sta- bilität und sie helfen maßgeblich die wirtschaftliche Existenz des gesamten Betriebes zu sichern. Ihre Einbindung in das Erfolgskonzept „Ländliche Strukturentwicklung“ (LSE) ist zu begrüßen.
Auf unserer Tour durch Eiderstedt konnten wir mit vielen interessierten Bäuerinnen nicht nur über die Probleme der Landwirtschaft reden, sondern ebenso über Kinderbetreuungskonzepte und Bildungsangebote in Kindergarten und Schule.
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