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11.03.04 , 15:08 Uhr
FDP

Ekkehard Klug: Die Kulturtechnik Lesen ist ein Schlüssel, der die Tür zur Bildung öffnet

FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1



Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL Vorsitzender Dr. Heiner Garg, MdL Nr. 102/2004 Stellvertretender Vorsitzender Dr. Ekkehard Klug, MdL Kiel, Donnerstag, 11. März 2004 Parlamentarischer Geschäftsführer Christel Aschmoneit-Lücke, MdL Sperrfrist: Redebeginn Joachim Behm , MdL Günther Hildebrand, MdL Es gilt das gesprochene Wort! Veronika Kolb, MdL
Bildungspolitik/Förderung der Lesekultur



www.fdp-sh.de Ekkehard Klug: Die Kulturtechnik Lesen ist ein Schlüssel, der die Tür zur Bildung öffnet In seinem Redebeitrag zu TOP 13 (Förderung der Lesekultur von Kindern und Jugendlichen) erklärte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dr. Ekkehard Klug:
„Förderung der Lesekultur – das ist ein viel wichtigeres Thema, als manche vermuten mögen. Wer hier etwas voranbringt, der nutzt der Bildung viel mehr als durch alle Vorschläge, dieses oder jenes im Bildungswesen anders zu organisieren. Denn hier geht es ja um den Zugang zu Bildungsinhalten und damit um eine wesentliche Voraussetzung zum Erwerb von Bildung. Die Kulturtechnik Lesen ist ein Schlüssel, der die Tür zur Bildung öffnet.
Die PISA-Studie, aber auch die von der „Stiftung Lesen“ initiierten wissenschaftlichen Studien haben eindeutig gezeigt: Nicht nur die Lesefähigkeit, sondern auch Bereitschaft und Interesse am Lesen sind rückläufig, und zwar in einem erschreckenden Tempo. Spektakuläre Bestsellerauflagen wie jene der Harry Potter-Romane können nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer weniger Menschen viel lesen, viele jedoch immer seltener ein Buch zur Hand nehmen. Bei den schleswig-holsteinischen Schülern liegt der Anteil der „schwachen Leser“ (die allenfalls simpelste Texte verstehen), mit mehr als 26% sogar noch über dem Bundesdurchschnitt (23%). Bei den bayerischen Schülern sind es übrigens nur 14,5%.
Um diesen Trend zu stoppen, bedarf es einer bildungspolitischen Strategie, an der viele mitwirken müssen: die Eltern, die Erzieher in den Kindertageseinrichtungen, die Lehrer in den Schulen, die Träger von Schulbibliotheken und öffentlichen Büchereien. Wesentliche Weichenstellungen erfolgen bereits im Vorschulalter: durch Vorlesen und durch den Umgang mit Bilderbüchern, die die Phantasie und Neugier der Kinder wecken. Hier liegt auch der wesentliche Beitrag der Eltern und der Kindergärten zur Förderung der Lesekultur. Niemand Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 1 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ 2 kann ernsthaft behaupten, dafür keine Zeit zu haben: Schließlich sitzen deutsche Erwachsene täglich im Durchschnitt zweieinhalb Stunden vor dem Fernseher, und manche Kinder verbringen noch viel mehr Zeit vor dem Flimmerkasten.
Die Arbeit der Grundschule wird extrem erschwert, wenn nicht zuvor in den Familien und in den Kindertagesstätten die nötigen Bildungsgrundlagen geschaffen worden sind - und dazu zählt eben auch das Fundament der Lesekultur, das bereits im Vorschulalter angelegt werden muss.
Zum Bildungsauftrag der Grundschule gehört vor allem die Vermittlung von Grundfertigkeiten: Lesen, Schreiben, Rechnen. Darauf muss die Arbeit der Grundschulen besser als bisher ausgerichtet werden.
Die Grundschule muss auch in der Lage sein, Defizite bei Lesefähigkeit und Textverständnis frühzeitig festzustellen und sie durch individuelle Förderung auszugleichen. Auch in den Betreuungszeiten außerhalb des Unterrichts sollte der Umgang mit Texten und Büchern unterstützt werden - etwa durch Einrichtung von „Leseecken“ und Schulbüchereien.
Lesen ist auch Anstrengung - und nicht nur ein Vergnügen. Die kulturelle Technik, abstrakte Symbole zu entziffern, ist erst rund 5.000 Jahre alt, und erst im vorletzten Jahrhundert wurde Lesen und Schreiben mit der Durchsetzung der Schulpflicht ein allgemeiner „Bildungsstandard“. Lesen ist eine Kulturtechnik, also durchaus nicht „natürlich“. Nur wenn Kinder neugierig sind auf das, was sie sich beim Lesen erschließen, werden sie die Anstrengungsbereitschaft entwickeln, die das Lesen erfordert und die auch den Verzicht auf allgemein verfügbare „leichtere“ Unterhaltungen voraussetzt. Erfolgreiche Pädagogik überwindet diese Hürde, indem sie Kinder auf den Inhalt guter Bücher neugierig macht und ihnen Freude am Lesen vermittelt.
Susanne Gaschke hat es in ihrem Essay „Kinder brauchen Bücher. Und Eltern, die das begreifen“ so formuliert:
„Die einfache Kunst des Lesens hat im Klima des ökonomisch motivierten Nützlichkeitswahns nur eine Chance, wenn sie sich modisch als ‚Kompetenz’ tarnt und irgendwie zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts beizutragen scheint. Die mögliche Frucht des Lesens, nämlich ‚Bildung’ , spielt in der Diskussion nach Pisa keine Rolle. Und gar über den Genuss beim Lesen zu sprechen, über Freude an Büchern, an Märchen und Romanen, klänge in der diffusen Schulkrisen-Stimmung geradezu frivol“. (DIE ZEIT Nr. 42/2002).
Wenn Kinder und Jugendliche Freude am Lesen haben, werden sie auf ihrem Bildungsweg um so eher bereit und in der Lage sein, sich auch schwierigeren Lesestoff zu erschließen. In einem Interview mit der ZEIT stellte die Bildungsforscherin Elsbeth Stern fest: „Wenn ich lernen will, Texte zu lesen und zu verstehen, dann muss ich eben anspruchsvolle Texte lesen und interpretieren“. Auf die Inhalte der Bildung kommt es kann - nicht nur, aber erst recht auch bei der Entwicklung der Lesekompetenz!“

Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 2 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/

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