Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Wolfgang Baasch zu TOP 18: Trägerunabhängige Pflegeberatung ist ein Erfolgsmodell
Sozialdemokratischer Informationsbrief Kiel, 16.06.2004 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell TOP 18 – Bericht über trägerunabhängige Pflegeberatungsstellen in Schleswig-HolsteinWolfgang Baasch:Trägerunabhängige Pflegeberatung ist ein ErfolgsmodellIm April 2000 hat das damalige Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein ein Konzept zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der Pflegequalität vorgelegt, die Pflegequalitätsoffensive. Mit ihr wurden in den Kreisen und kreisfreien Städten trägerunabhängige Beratungsstellen eingerichtet, zunächst als Modellprojekte für die Dauer von vier Jahren. Das Ziel war und ist die Verbesserung der Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Sie werden in den Beratungsstellen rechtzeitig und fachlich informiert und gezielt bera- ten.Eine auf rein pflegerische Gesichtspunkte reduzierte Diskussion schien damals nicht ausreichend, um der Gesamtproblematik gerecht zu werden. Es bestand ein großes Defizit im Bereich der Beratung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen.Mit dem Modellprojekt „trägerunabhängige Beratungsstellen“ sollten neutrale Bera- tungsangebote in den Kommunen für ältere Menschen, für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen aufgebaut werden. Das Beratungsangebot sollte fachlich und individuell die Menschen unterstützen, ihren Bedarf an Pflege herausfinden und schließlich das geeignete sogenannte Pflegearrangement treffen. Schleswig- HolsteinHerausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-Seit Mitte 2002 existieren nun neun Beratungsstellen in unterschiedlicher Trägerschaft. Die Beratungsstellen in den Kreisen Pinneberg und Segeberg werden getragen von der „Alzheimer Gesellschaft“ bzw. dem Verein „Altern und Familie“. Die vier Bera- tungsstellen in den kreisfreien Städten des Landes sind bei den jeweiligen städtischen Sozialdiensten angesiedelt. Die Beratungsstelle in Ostholstein wird von der Verbrau- cherzentrale Schleswig-Holstein getragen, die Beratungsstelle in Lauenburg von ei- nem Verbund aus neun Organisationen, die vom Wohlfahrtsverband bis zum Kirchen- kreis reichen. Und als letzte ist im Juli 2002 die Pflege- und Sozialberatungsstelle des Kreises Dithmarschen an den Start gegangen, die beim Gesundheitsamt angesiedelt ist.Neben der individuellen Beratung haben diese Einrichtungen die Aufgabe, im Bereich der strukturellen Diskussion darauf zu achten, dass eine Sozial- und Pflegebedarfspla- nung entwickelt bzw. weiterentwickelt wird. Sie beteiligen sich an regionalen Koopera- tions- und Vernetzungsstrukturen. Die wissenschaftliche Evaluation der Modellprojekte durch das Institut für Soziologie der Universität Kiel hat überaus erfreuliche Ergebnisse erbracht. Die Pflegeberatungsstellen werden angenommen und berichten über stei- gende Beratungs- und Kontaktzahlen. Allein im Jahr 2003 konnte in 176 Einzelbera- tungen die stationäre Pflege verhindert bzw. hinausgezögert werden, somit wurden 8.624 Monate stationärer Pflege eingespart.Dies macht deutlich: Durch eine individuelle, gezielte Beratung ist es möglich, den Grundsatz „ambulant vor stationär“ in die Praxis umzusetzen. Dies kommt vor allem den Pflegebedürftigen zu Gute, die länger in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung bleiben können. Es kommt auch den Angehörigen zu Gute, die bei der Pflege best- möglich unterstützt werden. Zu guter Letzt entlastet die Pflegeberatung auch finanziell: So wird der Sozialhilfeträger durch eingesparte Pflegemonate in der stationären Pflege finanziell entlastet.Die Effektivitätsstudie des Instituts für Soziologie der Universität Kiel belegt, dass die Pflegeberatung Ostholstein im vergangenen Jahr 1.188 Pflegemonate vermeiden -3-konnte. Dadurch sparten die Sozialhilfeträger rund 260.000 € Hilfe zur Pflege und zu- sätzlich Pflegewohngeld ein. Die Pflegeberatung des Kreises Ostholstein hat somit mehr als das doppelte ihrer Kosten in Höhe von 127.822 € erwirtschaftet.Allein diese beiden Kennzahlen machen deutlich: Trägerunabhängige Pflegeberatung ist ein Erfolgsmodell! Ein Erfolgsmodell nicht nur für die Menschen, die durch Beratung und gezielte Unterstützung ein auf ihre Lebenssituation abgestimmtes Pflegearrange- ment erhalten können, sondern auch für die Kostenträger, denn die Umsetzung des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ wirkt kostendämpfend, und dies ist in Zeiten knapper Kassen ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt. Daher ist besonders unver- ständlich, dass in einigen Kommunen, unter anderem auch in dem zitierten Kreis Ost- holstein, darüber nachgedacht wird, die trägerunabhängige Pflegeberatungsstelle ein- zuschränken oder gar ganz zu schließen. Im Gegenteil, eigentlich müssten wir auch die Kreise, die bis heute noch nicht über eine trägerunabhängige Pflegeberatungsstel- le verfügen, auffordern, sich auf diesen Weg zu machen.Die Zahlen der Städte Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster und die Ergebnisse in den Kreisen Dithmarschen, Lauenburg, Ostholstein, Pinneberg und Segeberg sind eindeutig positiv. Alle neun trägerunabhängigen Pflegeberatungsstellen zusammen hatten 2003 einen Jahresetat von 1,398 Mio. €. Die Netto-Einspareffekte der Arbeit der Beratungsstellen für die Kostenträger der Sozialhilfe lag bei 2,891 Mio. €. Diese Bera- tungsstellen machen sich nicht nur verdient, sondern sie tun auch Gutes für die Men- schen, die dringend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.