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Sparkassen: Fusion unter gleichberechtigten Partnern oder keine Fusion
Presseinformation Kiel, den 25.08.2004 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 1 Regierungsklärung zur Situation der öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Entwicklung des SparkassenwesensDer Schleswig-Holsteinische Landtag hat sich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mitder Situation der öffentlichen Banken und Versicherungen in Schleswig-Holstein beschäftigt.Vorausgegangen war die Entscheidung der EU-Kommission und die Urteile des EuropäischenGerichtshofes, die dazu geführt haben, dass die erfolgreiche öffentlich-rechtliche Kreditver-sorgung der Bundesrepublik grundlegend verändern werden musste.Mit der Fusion der Landesbanken von Schleswig-Holstein und Hamburg zur HSH Nordbankist die Landesregierung einen großen Schritt vorangekommen, um die Zukunft des Finanz-platzes im Bereich der öffentlichen Banken hier im Lande zu sichern. Auch im Sparkassenbe-reich gibt es durch die veränderten Rahmenbedingungen große Herausforderungen zubewältigen. Im Frühjahr haben wir den FDP-Gesetzentwurf zur Privatisierung der Sparkassendiskutiert und fast gleichzeitig gab es die Diskussion über eine mögliche Fusion des Schles-wig-Holsteinischen Sparkassen- und Giroverbandes mit Niedersachsen. Insgesamt ist dabeidoch sehr viel Porzellan zerschlagen worden. Deshalb ist es positiv, dass die Landesregierung 2durch die Regierungserklärung zur „Situation der öffentlich-rechtlichen Sparkassen“ ver-sucht, Klarheit zu schaffen.Dabei möchte ich folgendes vorwegschicken: Der SSW steht zum jetzigen Sparkassensystemmit seiner Verantwortung für die Daseinsvorsorge auf regionaler Ebene. Denn gerade dieSparkassen haben sich ihrer regionalen Verankerung gestellt und die regionale Wirtschafts-struktur entschieden unterstützt. – Durch günstige Kredite an den Mittelstand oder dieBauern vor Ort und auch durch ein großes Filialnetz in der Fläche, das den Bürgerinnen undBürgern im ländlichen Raum zugute kam.Die Sparkassen sind also ein wesentlicher Teil der Fähigkeit der Kommunen, Probleme vorOrt zu lösen. Sie tragen nicht nur zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bei, wodurch sie einwichtiger Standortvorteil im Wettbewerb der Regionen sind. Sparkassen unterscheiden sichin ihrer Geschäftstätigkeit von privaten Banken vor allem durch das Regionalprinzip unddurch die Gemeinwohlorientierung in ihrem Unternehmensziel, gesetzlich verankert imöffentlichen Auftrag der Institute.Die öffentlichen-rechtlichen Sparkassen waren in der Vergangenheit sehr erfolgreich. So istdie Sparkassen-Finanzgruppe die größte Gruppe in der deutschen Kreditwirtschaft. Mit rd.17.000 Geschäftsstellen sichern die Sparkassen ein flächendeckendes und umfassendesAngebot an Finanzdienstleistungen. Und das nicht nur in zentralen und lukrativen Standor-ten der Ballungszentren, sondern gerade auch in ländlichen und strukturschwachen Gebie-ten. Dies ist natürlich insbesondere für Schleswig-Holstein ein wichtiger Faktor.Über ein Drittel aller Kredite an Privatkunden werden von Sparkassen, Landesbanken oderLandesbausparkassen ausgereicht. Dazu kommt, dass Sparkassen Kunden nicht nach Ein-kommen und Vermögen ausgrenzen. Dies verdeutlicht das Angebot „Girokonto für Jeder- 3mann“. Darüber hinaus sind die Sparkassen ein gewichtiger Arbeitsplatzfaktor vor Ort. Soarbeiten in Schleswig-Holstein über 10.000 Beschäftigte in diesem Bereich.Durch den verstärkten Rückzug der Großbanken aus der Finanzierung mittelständischerUnternehmen kommt den Sparkassen in Zukunft noch mehr gesamtwirtschaftliche Bedeu-tung zu. Nur die Sparkassen verhindern im Grunde, dass es zu einem „Kreditnotstand“ vorallem für die kleineren und mittleren Unternehmen kommt. Dabei wissen wir doch alle, dassder Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist. Mein Fazit ist also: Wenn es nichtschon öffentlich-rechtliche Sparkassen gäbe, dann müsste man sie geradezu erfinden.Allerdings müssen sich auch die öffentlichen Kreditinstitute den veränderten Rahmenbedin-gungen stellen. Deshalb haben wir ja auch die Fusion der Schleswig-Holsteinischen mit derHamburger Landesbank zur HSH Nordbank unterstützt. Deshalb unterstützen wir auch alleKooperationsbestrebungen der Sparkassen. Denn die Wettbewerbsfähigkeit der Sparkassenmuss verbessert werden, damit sie unter den neuen Rahmenbedingungen bestehen können.Doch wir bleiben dabei, dass dieses Ziel auch ohne Privatisierung möglich ist. Das Beispielder Sparkassenfusion von Stormarn und Ostholstein zeigt dies ja auch. Der FDP-Vorstoßwürde nur dazu führen, dass sich alle Sparkassen im Lande in kurzer Zeit wie die anderenPrivatbanken aufführen werden. Das wäre definitiv keine positive Entwicklung für die struk-turschwachen ländlichen Räume und für die regionale Wirtschaftsstruktur.Bei dieser Position bleiben wir, auch wenn die Rechtslage in Schleswig-Holstein jetzt schonprivate Beteiligung an Sparkassen-Zweckverbänden zulässt. Aus unserer sicht ändert sichdadurch nichts Wesentliches. Denn die Mitgliedschaft in einem Zweckverband sichert demTeilhaber im Grunde nur indirekte Mitwirkungsmöglichkeiten. Das heißt: In Schleswig-Holstein kann sich weiterhin niemand direkt in eine Sparkasse einkaufen und damit die 4Geschäftspolitik mitbestimmen. Und wenn es nach dem SSW geht, dann bleibt dies auch inZukunft so.Der SSW befürwortet auch weiterhin einen Norddeutschen Sparkassenverbund, der zurQualität und Leistungsfähigkeit sowie zur Effizienzsteigerung der Sparkassen und ihrerOrganisation beiträgt. Wir unterstützen dabei auch die Position der Landesregierung, dassim Interesse unseres Landes eine Beteiligung der Hamburger Sparkassen an einer solchenZusammenarbeit wünschenswert ist. Man muss in diesem Zusammenhang im Auge behal-ten, dass Hamburg durch die gemeinsame HSH Nordbank im Bereich der öffentlichen Ban-ken der strategische Partner für Schleswig-Holstein ist.Sicherlich müssen die Bedingungen eines solchen Zusammenschlusses stimmen. Es kannnicht angehen, dass sich die schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Sparkassen denHamburger Sparkassen unterordnen müssen. Es muss eine Fusion von gleichberechtigtenPartnern werden oder es gibt eben keine Fusion. Richtig ist ja auch, dass das aggressiveGeschäftsgebaren im Hamburger Randgebiet der Haspa sicherlich nicht gerade Freunde inSchleswig-Holstein oder Niedersachen gebracht hat. Aber es darf in dieser Frage nicht umpersönliche Verletzlichkeiten gehen. Es geht schließlich um die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Sparkassen und ihrer Verbände.Zum jetzigen Zeitpunkt ist es aus unserer Sicht richtig zu sagen, dass wir Lösungen findenmüssen, die uns in kleineren Schritten dem Ziel einer Dreier-Fusion näher bringen. Denn derFusionsprozess an sich kann schon Effizienzgewinne erbringen. In diesem Zusammenhangbegrüßt der SSW, dass die Landesregierung mit dem ehemaligen Landesbankchef Dr. Rüm-ker einen hervorragenden Vermittler gefunden hat, der hoffentlich dazu beitragen kann,dass schnell gemeinsame Länder übergreifende Lösungen gefunden werden.