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Landtagspräsident Arens: Demografie ist kein Schicksal
113/2004 Kiel, 10. September 2004 S p e r r f r i s t : Redebeginn Es gilt das gesprochene Wort!Landtagspräsident Arens: Demografie ist kein SchicksalKiel (SHL) – In seiner Begrüßungsrede zum 16. Altenparlament im Schles- wig-Holsteinischen Landtag am heutigen Freitag sagte Landtagspräsident Heinz-Werner Arens unter anderem:„Sie haben sich heute ein Thema vorgenommen, das eine wachsende Zahl von Menschen betrifft. Es geht um die gesellschaftliche Integration älterer Menschen in der nachberuflichen Lebensphase. Sie werden dazu gleich einige Anmerkungen durch Hanne Schweitzer vom Kölner Büro gegen Altersdiskriminierung hören.Der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft immer stärker, so dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sich darauf einstellen müssen. ‚Schleswig- Holstein wird zum Land der Senioren’ – diese Überschrift war der Aufmacher in der Landeszeitung vom 9. Juli diesen Jahres. Hintergrund war eine von der Staatskanz- lei in Auftrag gegebene ‚Studie zu den Konsequenzen des demographischen Wan- dels’ für die Politik unseres Landes. Neben der Beschreibung der Fakten, die wir alle inzwischen gut kennen, fordern die Macher der Studie dazu auf, einem negati- ven Altenbild entgegen zu wirken. Gefordert wird stattdessen ein Leitbild des gesell- schaftlich aktiven Alters. Sie kritisieren auch die jugendzentrierte Personalpolitik in den Unternehmen. Es stellte sich nämlich heraus, dass lediglich 63 Prozent der Un- ternehmen im Lande Arbeitnehmer beschäftigen, die 50 Jahre und älter sind. Fatal wirkt sich dabei nicht zuletzt ein Tarifsystem aus, das die älteren Arbeitnehmer zu den teuersten macht. So werden Anreize gesetzt, die schon deshalb zur Einstellung junger Menschen führen, weil sie kostengünstiger sind. Festgestellt wurde auch: Es wird in absehbarer Zeit darauf ankommen, viele Beschäftigungsreserven zu aktivie- ren. Das betrifft neben den älteren Menschen auch die Frauen. Der Druck, eine fa- milienverträgliche Infrastruktur zu schaffen, wird größer.So kann die demografische Entwicklung auch zu einer Chance werden, die notwen- digen Modernisierungen in unserer Gesellschaft durchzuführen. Dazu ist es aber erforderlich, sich endlich von der starren Dreiteilung ‚lernen – arbeiten – Rente’ zu lösen. Nicht nur den Unternehmen muss mehr Flexibilität abverlangt werden, auch jeder und jedem Einzelnen. Dass Veränderungen auch bedeuten, vermeintliche 2Besitzstände in Frage zu stellen, ist die unangenehme, aber unvermeidliche Seite des gesellschaftlichen Wandels. Die Politik wird dafür zum Sündenbock gemacht, obwohl vielen klar ist, dass wir keine andere Chance haben, eine neue Balance zwi- schen den Generationen zu finden.Der Berliner Soziologe Hans Bertram hat in Bezug auf die ältere Generation zu Recht festgestellt: ‚Unser Problem ist nicht die Alterung, sondern die Verschwen- dung von Humankapital.’ Und er betont richtigerweise: ‚Demografie ist kein Schick- sal, sondern Politik.’ Eine demografie-orientierte Politik ist in der heutigen Zeit ein Standortfaktor. Das hat nicht zuletzt die vorhin zitierte Studie festgestellt. Schleswig- Holstein ist also gut beraten, der älteren Generation Angebote zu machen, sich zu engagieren. Die nachberufliche Zeit ist dank der gestiegenen Lebenserwartung zu einer eigenständigen Lebensphase geworden. Oftmals sind noch zehn bis zwanzig Jahre aktiv gestaltbar. Insofern gibt es ein gesellschaftliches Interesse daran, das freiwillige Engagement in dieser wachsenden Gruppe zu fördern. Das Ehrenamt ist aber auch für jede und jeden Einzelnen eine gute Möglichkeit, sich gesellschaftlich zu engagieren und seinem Leben damit einen erweiterten Sinn zu geben. Die Un- terstützung des ehrenamtlichen Engagements ist damit eine politische Aufgabe ers- ten Ranges. Sie werden sich damit bei der Beratung der Anträge heute näher be- fassen. Das Generationen übergreifende Wohnen, seniorengerechte Bildungsange- bote und Infrastruktur sowie die Verbesserung der Pflegeberatung sind weitere The- men des heutigen Tages. Ich bin gespannt auf Ihre Beschlüsse dazu.Meine Damen und Herren, dies war mein letztes Grußwort als Landtagspräsident an ein Altenparlament des Landtages. Insofern möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Beteiligten für den jahrelangen konstruktiven Dialog und die gute Zu- sammenarbeit zu bedanken. Es hat mir viel Freude gemacht, mit Ihnen und Ihren Vorgängern zu diskutieren. Das Altenparlament ist zu einer Institution geworden, die nicht mehr wegzudenken ist. Es eine wichtige Lobby für die Senioren des Landes und ebenso ein notwendiger Ratgeber für die Landespolitik. Nicht zuletzt ist es der lebendige Beweis dafür, dass Alter und Aktivsein kein begriffliches Gegensatzpaar darstellen. Für Ihre gesellschaftlich wichtige und zukunftsweisende Arbeit wünsche ich Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg!“