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24.09.04 , 10:52 Uhr
B 90/Grüne

Karl-Martin Hentschel zu HDW

Fraktion im Landtag PRESSEDIENST Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 12 – Universalwerft HDW in Kiel Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
Dazu sagt der Fraktionsvorsitzende Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 von Bündnis 90/Die Grünen, Telefax: 0431/988-1501 Karl-Martin Hentschel: Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de

Nr. 329.04 / 24.09.2004
Der Schiffbau behält seinen Platz an der Küste und in Kiel!
Die Kieler Öffentlichkeit und die Kieler Arbeitnehmerschaft sind an schlechte Meldungen aus der Metallindustrie leider schon gewöhnt. Ich nenne die Abwicklung von Heidelberg Druck und die Verlagerung der Groß-Motoren-Montage bei Caterpillar nach Rostock. Das sind nur ein paar Beispiele. Aktuell geht es wieder einmal um unsere Großwerft HDW.
Die Bildung eines deutsche Werftenverbundes aus den Großwerften HDW und den Thyssenwerften in Hamburg und Emden ist grundsätzlich zu begrüßen. HDW darf bei der Verteilung der Konzernprodukte aber nicht untergebuttert werden. Wir wollen, dass mög- lichst viele Arbeits- und Ausbildungsplätze unserer Werft erhalten bleiben.
Es fehlt in der Bundesrepublik Deutschland eine nationale Schiffbaustrategie. Es reicht nicht aus, wenn die Bundesregierung sich um die Systemfähigkeit der deutschen Werften bei militärischen Produkten kümmert. Nein, ich will, dass die Bundesregierung sich auch für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Systemfähigkeit im zivilen Schiffbau ein- setzt.
Werden wir an der Küste weiter zivile Schiffe entwickeln und bauen? Sind unsere Werf- ten so innovativ und produktiv, dass wir gegen die Konkurrenten in Korea und China Auf- träge gewinnen können?
Das Schiff ist das ökologische Verkehrsmittel Nr. 1, die Bundesrepublik Deutschland ist Exportweltmeister, 90 Prozent des Welthandels wird per Schiff abgewickelt. Schiffbau ist High-Tech und Schiffbau behält seinen Platz an der Küste und in Kiel.
1/2 Ich habe munkeln hören, dass eine Groß-Demonstration, wie am Samstag an der Hörn, dem Standort schadet. Das ist völliger Quatsch, wir sind kämpferisch und selbstbewusst, unsere WerftarbeiterInnen wissen, was sie können. Ich bin überzeugt, dass kein Investor nach Kiel kommt, weil es hier ein Duckmäusertum gibt. Im Gegenteil, investiertes Kapital braucht motivierte, qualifizierte menschliche Arbeitskraft, damit das Kapital sich auch ren- tiert.
Damit komme ich zu der falschen Strategie der Ein-Produkt-Werft HDW, als reine U- Boot-Werft. In Kiel ist enorm investiert worden, um eine Fließ-Produktion von Container- schiffen zu ermöglichen. Es geht um einen hohen Stahldurchsatz für den Serienbau von Großschiffen. Wenn diese Investition hier ungenutzt bleibt, weil der U-Bootsbau viel luk- rativer ist, dann haben wir es mit einer Kapitalvernichtung Sondergleichen zu tun. Das macht doch keinen Sinn.
Zu der Frage einer ausgegründeten Überwasser-Schiffbau GmbH hat sich der Betriebs- rat klar positioniert. Keine Spaltung der Belegschaft. Wie in Kiel der zivile Schiffbau wei- tergeführt wird, muss noch in Einzelfragen geklärt werden, ich freue mich aber über den Zwischenerfolg, es wird weiter zivilen Schiffbau hier geben. Bei VW mit den 5000 DM- Jobs und bei den vielen Verkehrsbetrieben mit Bus-GmbHs sind zweite Tarifebenen ein- geführt worden. Das muss ganz sachlich diskutiert werden, entschieden wird das vor Ort von der HDW-Belegschaft, nicht von der Politik, und das ist gut so.
Ziel ist es, den Kieler Standort HDW des Werftenverbundes als Universalwerft mit ihrem gesamten Know-how zu erhalten. Die bisherigen Produktions-Standbeine von HDW, U- Boote, Überwassermarineschiffe, Handelsschiffe, Megayachten sowie Windenergiekom- ponenten haben für Beschäftigungsausgleiche innerhalb der Werft gesorgt.
Auch die Brennstoffzellentechnik, wo HDW europaweit vorne ist, bietet Chancen für eine zivile Anwendung. Die 5 MW-Windkraft-Anlage von REpower, deren Komponenten bei HDW montiert wurden, soll noch in diesem Monat in Brunsbüttel aufgestellt werden. Dass sie dann neben dem Atom-Kraftwerk steht, hat mehr als nur symbolische Bedeu- tung. Dieses neue Standbein, große Wind-Kraft-Anlagen für den Offshore-Bereich muss eine Chance erhalten, sich zu entwickeln. Es geht auch hier um eine Systemfähigkeit, nicht um simplen Stahlbau.
Das Land Schleswig-Holstein und die Landeshauptstadt Kiel brauchen weiterhin eine stabile industrielle Basis für ihre wirtschaftliche Entwicklung, dafür ist eine breit aufge- stellte Großwerft wie HDW unverzichtbar. Die Kieler Region bekennt sich zu ihrer Werft, das Druckmachen der Belegschaft hat sich gelohnt, Thyssen hat sich bewegen müssen. Ich kann nur sagen, weiter so: Kiel zeigt Flagge und kämpft um seine Zukunft.

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