Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Landeswaldgesetz: Der SSW ist gegen die Öffnung für Ross und Reiter
Presseinformation Kiel, den 12.11.2004 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 10 & 32 Landeswaldgesetz und Waldinitiative Drs. 15/3739 & 15/3745Schon in der ersten Lesung des Gesetzes habe ich darauf hingewiesen, dass wir zwei grund-sätzliche Bedenken hatten, die sich auf die Betretung des Waldes und auf die Nutzung durchReiter bezogen. Beide Bedenken bestehen immer noch. Wir sind der Meinung, dass ein gene-relles Betretungsrecht für Waldflächen aus Naturschutzsicht sehr kritisch anzusehen ist. Wirhaben eine Waldfläche von rund 9 Prozent und sind damit das waldärmste Flächenland derBundesrepublik Deutschland. Wir haben deshalb eine besondere Verantwortung für denWald und können uns nicht mit waldreichen Ländern wie Bayern oder Hessen vergleichen.Bisher gab es zum Betretungsrecht klare Regelungen. Das Betreten war nur auf dafür vorge-sehenen Wegen zulässig und darüber hinaus großflächig auch in den Erholungswäldern.Jetzt drehen wir das Ganze um und erlauben das Betreten des Waldes grundsätzlich überallund müssen dort, wo wir es im Einzelfall ausschließen wollen, komplizierte Einzelregelungenschaffen. Hier wird Bürokratie aufgebaut anstatt Bürokratie abzubauen. 2Wir haben die Befürchtung, dass der Wald durch das neue Betretungsrecht nach und nachSchaden nehmen wird. Man wird dies nicht sofort sehen können und manchmal werdenauch nur Kenner des jeweiligen Geländes diese Schäden wahrnehmen können. Aber leiderwird es diese Schäden geben und eigentlich sollten wir diese weiterhin vermeiden. Offen-sichtlicher werden aber die Schäden durch die erweiterten Möglichkeiten des Reitens imWald sein.Wir sind gegen diese Öffnung, die auf einer Idee des Innenministers beruht. Das heißt abernicht, dass wir Reiter oder auch andere Gruppen draußen vor lassen wollen. Aber wir mei-nen, dass für Reiter gesonderte Reitwege ausgewiesen werden müssen und dass wir hierfürnatürlich auch in den jeweiligen Regionen Reitwegekonzepte benötigen. Ich weiß auch, dassdie Waldbesitzer dem offen gegenüber stehen. Aber, dass Reitmöglichkeiten nun so ausge-weitet werden sollen, wie im Gesetz vorgeschlagen, geht uns einfach zu weit, da wir dieBefürchtung haben, dass der Wald Schaden nehmen wird und auch die Unterhaltung derbetreffenden Wege für die Waldbesitzenden teurer werden würde. Vor diesem Hintergrundsind wir auch gegen den Vorschlag der CDU, die Wege sogar grundsätzlich auch für Gespan-ne zu öffnen. Wir haben hier erhebliche Bedenken im Sinne des Naturschutzes.Der Gesetzentwurf hat aber auch seine guten Seiten. Auch das sagte ich schon in der erstenLesung. Deshalb tun wir uns auch sehr schwer mit der Entscheidung über diesen Gesetzent-wurf. Die Regelungen zur guten fachlichen Praxis oder auch zur Anpflanzung von standort-heimischen Arten entsprechen gerade auch unserer Sicht der Dinge. Und, dass der Staats-wald und der Körperschaftswald das Ziel haben sollen, über die gutes fachliche Praxis hin-aus, noch weitere Anforderungen zu erfüllen, deckt sich unserer Meinung nach mit derVerantwortung des Staates für den Wald. Dadurch, dass hier eine Soll-Bestimmung geschaf-fen wurde, gibt es genügend Flexibilität in diesem Bereich, welche mit Sicherheit der natürli-chen Entwicklung unserer Wälder zu gute kommen wird. Leider konnten aber trotz dieserguten Ansätze unsere grundlegenden Naturschutzbedenken hinsichtlich Betretung undReiterei nicht ausgeräumt werden. 3Nun kommt aber noch hinzu, dass im Rahmen der Beratungen zum Waldgesetz auch schonein Sondervermögen Wald gebildet werden soll. Es mag ja sein, dass die Vorgehensweise imAusschuss rechtlich nicht zu beanstanden ist, aber trotzdem ist die Vorgehensweise vomAblauf her nicht in Ordnung. Eine so wichtige Änderung für den Wald und für unsere Be-schäftigten hätte im Rahmen einer Anhörung und weiterer Gespräche mit den Betroffenenbehandelt werden müssen. Einfach das Ganze jetzt hier mit Mehrheit durchzuziehen isteinfach nicht in Ordnung. Es werden hierbei mehr Fragen aufgeworfen als es Antwortengibt. Werden Leistungen für den Wald durch die Bildung des Sondervermögens oder durchdie zukünftige Stiftung ausschreibungspflichtig? Wird eine Tendenz zur Wirtschaftlichkeitohnehin dazu führen, dass man mehr und mehr ausschreibt, um den Zuschussbedarf derneuen Organisationsform zu senken? Können Zuschüsse des Landes, die bisher finanztech-nisch als Investitionen gelten, dann immer noch als solche angesehen werden? Besteht dieGefahr, dass die Zuschüsse aus dem Landeshaushalt sinken werden, weil man anstrebt, dasssich die zukünftige Stiftung selber trägt, obwohl sie dies nach heutigem Stand der Dinge beigleichen Leistungen für die Allgemeinheit nicht kann?Das sind alles gewichtige Fragen, die aufgeworfen wurden und die bisher nicht beantwortetwurden. Daher ist es zumindest viel zu früh, ein Sondervermögen mit dem Ziel der Bildungeiner Stiftung einzurichten. Und möglicherweise ist dies sogar kontraproduktiv. Wir hättenuns gefreut, wenn man die Betroffenen und deren Arbeitnehmervertretungen offiziell betei-ligt hätte. Dann hätten wir die fachliche Expertise von den Betroffenen gehabt und hättenuns rechtzeitig auch arbeitsrechtlichen und strukturellen Fragen gemeinsam mit unserenBeschäftigten widmen können. Das ist aber anscheinend von der Mehrheit nicht gewollt unddas bedauern wir.Wir werden gegen die vorliegenden Gesetzesvorschläge stimmen und werden auch gegenden Antrag von Rot-Grün stimmen, obwohl wir in den ersten vier Punkten dieses Antragesübereinstimmen. Den CDU-Antrag lehnen wir ebenfalls ab, weil wir durchaus hinter denGrundlagen der Waldinitiative von 1996 stehen.