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19.11.04 , 12:48 Uhr
Landtag

Frauen als Heiratsware

139/2004 Kiel, 19. November 2004



Frauen als Heiratsware
Kiel (SHL) – Der Beauftragte für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungs- fragen des Landes Schleswig-Holstein, Helmut Frenz, organisiert zu- sammen mit dem Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“ aus Lübeck eine Veranstaltung zum Thema „Migrantinnen als Opfer von Männergewalt – Situation in Schleswig-Holstein“ im Bereich „Heiratshandel“.
„Die Situation von Frauen und Kindern, die auf dem Wege des Versprechens einer Ehe nach Deutschland kommen und hier in einer Gewaltbeziehung leben müssen, soll für den Bereich Schleswig-Holstein erörtert werden. Dies“, so der Zuwanderungsbeauftragte Frenz, „stellt eine Form des Frauenhandels dar.“ Daher unterstützt „contra“, die Beratungs- und Koordinierungsstelle für Betrof- fene von Frauenhandel in Schleswig-Holstein, die Veranstaltung.
Anke Kock vom Autonomen Frauenhaus Lübeck führt aus, dass in der Veran- staltung der Fokus auf jene Frauen gelegt werden solle, die von deutschen Männern oder ausländischen Männern mit gesichertem Aufenthalt eingeladen würden, als Lebensgefährtin nach Deutschland zu ziehen. „Vielfältige Erfah- rungen zeigen, dass die Frauen und ihre Kinder hier in Deutschland zum Teil Repressalien und Gewalt ausgesetzt sind und sie durch die verantwortlichen Männer in Kenntnis ihrer eingeschränkten Rechtsstellung ausgenutzt werden.“
Da diese Frauen, wie Kock ausführt, nur ein ehegattenabhängiges Aufenthalts- recht hätten und ihnen von ihren Ehemännern häufig der Besuch von Sprach- kursen und der Zugang zu Informationsangeboten verwehrt werde, lebten sie meist isoliert und sähen nur schwer ein Entkommen aus der Gewaltbeziehung. Einigen der Frauen gelinge es, in ein Frauenhaus zu flüchten oder andere Hilfe zu suchen. Viele andere Frauen blieben jedoch in ihrer Beziehung, sie erdulde- ten weiter psychische, körperliche oder sexualisierte Gewalt und Ausbeutung durch ihre Ehemänner, aus Angst, ihr Aufenthaltsrecht zu verlieren und in ihr Herkunftsland zurückgeschickt zu werden, wo sie gesellschaftliche Ächtung fürchteten. 2


Bis dato liegen für das Land Schleswig-Holstein keine konkreten Zahlen vor, doch zeigen Erfahrungen von Frauenhäusern, Migrationssozialberatungsstel- len, „contra“ und involvierten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, dass die Zahl der Frauen, die von dieser Problematik betroffen sind steigt und der Ge- waltkreislauf in der Beziehung nur schwer zu beenden ist.
Die Veranstaltung, bei der auch ein Vertreter der Ausländerbehörde der Stadt Kiel Stellung nehmen wird, soll dazu dienen, die spezifische Situation dieser Frauen und Kinder und die Lebensbedingungen in Schleswig-Holstein zu be- leuchten. Gleichzeitig soll von den beteiligten Fachstellen in Erfahrung ge- bracht werden, wie weit es bereits praktische Erfahrungen in der Beratungsar- beit gibt und wie hoch die Dunkelziffer eingeschätzt wird. Als Ergebnis der Ver- anstaltung sollen Empfehlungen an die Praxis gestellt und rechtliche Möglich- keiten bzw. Ermessensspielräume im Interesse der betroffenen Frauen gefun- den werden.

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