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Sylvia Eisenberg: Nichts Neues im Bericht zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule
Nr. 579/04 15. Dezember 2004 IM SCHLESWIG-HOLSTEINISCHEN LANDTAG PRESSEMITTEILUNG PRESSESPRECHER Torsten Haase Landeshaus, 24105 Kiel Telefon 0431-988-1440 Telefax 0431-988-1444 E-mail: info@cdu.ltsh.de Internet: http://www.cdu.ltsh.deBildungspolitik TOP 47 Sylvia Eisenberg: Nichts Neues im Bericht zur „Kooperation von Jugendhilfe und Schule“Unser herzlicher Dank geht an die vielen engagierten und ehrenamtlichen Kräfte, die sich, nicht erst seit Beginn der rot-grünen Regierung und auch nicht erst seit der Er- findung der so genannten Offenen Ganztagsschule, bemüht haben und auch weiter- hin bemühen, den Kindern und Jugendlichen auch am Nachmittag Beschäftigung und Betätigung anzubieten, soziale Fähigkeiten und Teamgeist zu fördern, Orientie- rung zu geben, kreative Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten zu entwickeln. Ich erinnere dabei vor allen Dingen auch an die im Bericht aufgeführten Leistungen der Jugendfeuerwehren, der Landesarbeitsgemeinschaften „Tanz“, „Jugend und Film“ und „Rhythmische Erziehung“, aber auch an die vielen Sportvereine im Land und die Aktivitäten der Sportjugend. Sie alle stehen einerseits für Betreuung, aber anderer- seits auch für die Förderung von Persönlichkeitsbildung, Sozialkompetenz, Verant- wortungsbereitschaft. Das ist weder eine Leistung des Bildungsministeriums noch eine Leistung des Ministeriums für Justiz und Familie, sondern allein die Leistung der entsprechenden Organisationen mit ihren im Wesentlichen ehrenamtlichen Helfern. Mit dem Thema des Berichtes „Kooperation von Jugendhilfe und Schule“ haben die- se lobenswerten Aktivitäten der Vereine und Arbeitsgemeinschaften allerdings nichts, aber auch gar nichts zu tun. Inwiefern diese Aktivitäten von seiten der Landesregie- rung nicht nur ideell unterstützt, sondern auch tatsächlich finanziell gefördert werden - danach suchen wir im Bericht vergeblich.Unser Dank gilt auch den vielfach ehrenamtlich arbeitenden Kräften, die sich im Be- reich der Offenen Ganztagschulen betätigen oder betätigen werden. Ganztagsange- bote gab es allerdings bereits vor Einführung der Offenen Ganztagsschulen, ent- standen aus der Erkenntnis von Lehrern und kommunalen Vertretern, Kindern und Jugendlichen zu helfen und sie von der so genannten Straße fern zu halten.So lange es sich aber um freiwillige Angebote handelt - und das gilt besonders für die so hoch gelobte Offene Ganztagsschule - werden die Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten, die es eigentlich nötig haben, zum großen Teil nicht erreicht, das bestätigen alle Erfahrungen zum jetzigen Zeitpunkt. Wie viele Kinder und Jugendliche tatsächlich durch freiwillige Angebote erreicht werden, das suchen wir in diesem Bericht ebenfalls vergeblich.Die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe ist notwendig, das gilt sowohl für die Verzahnung von Kitas mit der Grundschule, für Inselprojekte, für Nachmittagsan- gebote in vielfältiger Form, aber auch für die Verzahnung von Schule und Berufsaus- bildung zur Herstellung der Ausbildungsfähigkeit unter Einbeziehung der Unterneh- men, wie die Projekte Heikoo oder Hoppla es andeuten (Heiligenhafen und Schles- wig). So sinnvoll diese Projekte sind, es bleiben doch Einzelprojekte ohne verbindli- chen Charakter. Das hilft uns nicht weiter. Von einem Ministerium erwarte ich auch eine Evaluierung dieser Projekte unter dem Gesichtspunkt der möglichen Übertra- gung auf andere Schulen. Sonst werden wir im Versuchsstadium stecken bleiben und nicht weiter kommen.Wenn Sie die Schulen als Lebens- und Lernort ausgestalten wollen und gleichzeitig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten wollen, müssen Ganztagsan- gebote verlässlich strukturiert sein, die inhaltliche Ausgestaltung und die Finanzie- rung fest stehen. Es ist Aufgabe des Landes, gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Und daran mangelt es. Mit Leitfäden, Empfehlungen oder so genannten Kooperati- onsvereinbarungen ist das nicht getan. In diesem Bericht erscheint die Landesregie- rung nur als großer Koordinator, während die Schulträger die Projekte finanzieren und die Schulen sowie die ehrenamtlichen Vereine und Verbände diese organisieren - alles freiwillig und abhängig vom Engagement und den finanziellen Möglichkeiten vor Ort. Das kann es nicht gewesen sein.Wenn die Verzahnung von Schule und Jugendhilfe notwendig ist, dann ist es auch notwendig, diese Bereiche in einem Ministerium zu konzentrieren, wie es bereits im Kindertagesstättenbereich geschehen ist. Das Nebeneinander zwischen der „Infor- mations- und Servicestelle Jugendhilfe und Schule“, angesiedelt im Landesjugend- amt im MJF und der schulischen Erziehungshilfe, angesiedelt beim Landeskoordina- tor im Bildungsministerium, in Verbindung mit den Koordinatoren in jedem Schulamt der Kreise und kreisfreien Städte führt meines Erachtens zu Reibungsverlusten und langen Verwaltungswegen. Eine Konzentration der Aufgaben und der finanziellen Mittel in einem Ministerium schafft kurze Wege und ist für die Durchführung der Maßnahmen vor Ort besser geeignet. Der Bericht umfasst 55 Seiten, aber er bringt nichts Neues. Schade!